Liebe Leserinnen und Leser,
die Aktie von Rheinmetall ist auch am Donnerstag immer noch nicht aus den Füßen gekommen. Die Notierungen gewannen nur 0,21 % und kommen auf ein Kursniveau von 1.873,60 Euro. Das ist viel zu wenig.
Die Aktie befindet sich formal weiterhin in einem extremen Abwärtstrend. Minus 9,05 % sind es im Moment auf die 100-Tage-Linie, minus 27 % auf den GD200. Die Aktie ist in den vergangenen fünf Tagen um 4,2 % gefallen und liegt seit Jahresanfang mit minus 25 % im Rückstand.
Das heißt: Alles spricht dafür, dass derzeit der Trend einfach nur umgekehrt ist. 1.173,60 Euro reichen aus Sicht von Chartanalysten bei Weitem nicht aus, um auch nur ein halbwegs freundliches Bild zu erwarten.
1.200 Euro wären die totale Mindestgrenze gewesen, wenn es um charttechnische Unterstützungen in den vergangenen Wochen ging. Selbst diese Grenze hat nicht gehalten.
Rheinmetall Aktie Chart
Rheinmetall mit Aktienmarkt-Problemen
Seltsam ist aus Sicht von Beobachtern, dass das Unternehmen nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet wird. Das könnte man zeigen, denn es gibt derzeit immer wieder gute Nachrichten für Rheinmetall.
Rheinmetall hat jetzt mit General Atomics eine vorläufige Vereinbarung unterzeichnet. Es geht um die Zusammenarbeit bei einer Präzisionsmunition. Die Zusammenarbeit soll geprüft werden. Dabei soll vor allem getestet werden, ob diese zu einer Eignung als kosteneffiziente Alternative zu taktischen Raketensystemen für weitreichendes Stand-off-Feuer zu bewerten sei, heißt es in einer Mitteilung.
Diese Munition gilt als manövrierfähig und präzisionsgelenkt. Sie würde direkt in entsprechenden Rohren integriert werden und erreiche eine zwei- bis dreimal größere Reichweite als die bisherigen Artilleriegeschosse, so das Unternehmen in seiner Erklärung dazu.
Das dürfte durchaus relativ interessant sein. Die Märkte haben sich davon allerdings offensichtlich in keiner Weise beeindrucken lassen.
Märkte bleiben einfach ruhig
Auch eine andere Nachricht hat am Markt nichts mehr ausgelöst. Das Unternehmen hat nun zusammen mit Leonardo auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 bei Paris einen gemeinsam entwickelten Panzer vorgestellt.
Der Panzer ist schon länger vorgesehen. Die Kooperation besteht seit zwei Jahren. Die beiden Teilhaber halten jeweils 50 % der Anteile.
Die Pläne sind ausgesprochen ambitioniert. Das Joint Venture soll, so jedenfalls Leonardo, ein zentraler Hub für die Landverteidigung in Europa werden. Dabei würden neue Gefechtsfahrzeuge entwickelt und vertrieben werden. Zum anderen würde das Erneuerungsprogramm des italienischen Heeres für schwere Fahrzeuge aufgegriffen werden.
Es geht um Milliarden
Hier war bereits vor längerer Zeit Zahlenmaterial geliefert worden. Der Liefervertrag selbst läuft seit 2025. Es sollen insgesamt 8,2 Milliarden Euro ausgegeben werden, um gut 72 neue Panzer aus der Produktion von Rheinmetall zu kaufen. Leonardo wird diese dann für die Bedürfnisse Italiens anpassen.
Diese Nachricht hatte damals bereits für kurze Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei war es auch längere Zeit darum gegangen, dass eine Kartellamtsprüfung stattfand. Das Kartellamt hatte schließlich die Kooperation durchgewunken.
Nun geht es voran. Die neuen Panzer sollen in ganz Europa verkauft werden, heißt es. Sie seien vollständig digitalisiert, würden, so heißt es, modernste Schutzfähigkeiten bieten und in einem Multidomain-Umfeld eingesetzt werden können.
Das Exportvolumen insgesamt für das gesamte Programm wird auf bis zu 50 Milliarden Euro taxiert. Rheinmetall ist daran zu 50 % beteiligt. Dazu gilt es zu wissen, dass das Unternehmen im laufenden Jahr einen Umsatz in Höhe von circa 14,2 Milliarden Euro erwarten darf.
Dies ist immer noch nicht ausreichend, wenn es um die Beurteilung der langfristigen Aussichten des Unternehmens geht. Hier werden dann 50 % der genannten 50 Milliarden Euro, also 25 Milliarden Euro möglicher Umsatz, sicherlich eine wichtige Rolle einnehmen.
Allerdings hat auch diese Nachricht die Börsen nicht weiter bewegt. Dies passt zu allem, was derzeit für Rheinmetall an den Börsen schiefläuft.
Rheinmetall hatte einen Auftrag aus Rumänien erhalten, der sich auf 5,3 Milliarden Euro bezog. Das war der größte Auslandsauftrag, der gewonnen worden war. Auch dies war nur geeignet, um ein kurzfristiges Feuer an den Märkten auszulösen.
Die Aktie ist weit davon entfernt, zumindest die Marke von 1.300 Euro zu erreichen.
Bundeswehrbestellungen haben auch noch nichts ausgelöst
Auch zwei Bestellungen durch die Bundeswehr waren am Markt mehr oder weniger kommentarlos durchgewunken worden. All dies hilft Rheinmetall derzeit nicht.
Rheinmetall befindet sich nach Meinung technischer Analysten dennoch nicht zufällig im Abwärtstrend. Die Notierungen müssen mindestens auf 1.600 Euro klettern, um hier die 200-Tage-Linie zu überwinden.
Die Aktie selbst ist allerdings nach Meinung von Analysten deutlich mehr wert als derzeit am Markt bewertet. Auch in den schwachen vergangenen Tagen wurden die Kursziele überwiegend nicht nach unten korrigiert.
1.889 Euro stehen als Kursziel derzeit noch im Raum. Die Aktie hat damit beste Chancen, sich überraschend stark aus der Misere zu bewegen, wenn die Börsen endlich eine Trendwende einleiten.
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