Rheinmetall-Aktie: Jetzt geht es um alles!

Rheinmetall ist noch immer im Abwärtstrend. Auf der anderen Seite halten Analysten mit ihren hohen Kurszielen die Stellung!

Auf einen Blick:
  • Ausbau der Pulverfabrik beschlossen
  • Fokus auf operative Cashflow-Entwicklung
  • Quartalszahlen am 6. August erwartet
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 1.100 Euro

Liebe Leserinnen und Leser,

in der neuen Woche kann es für Rheinmetall sehr interessant werden. Die Notierungen laufen langsam auf eine wichtige Zahlenbekanntgabe zu. Am Montag dürften sich zwar noch keine hinreichend starken neuen Impulse entwickeln. Allerdings haben die jüngsten Entwicklungen für die Düsseldorfer einiges gebracht.

Rheinmetall hat am Donnerstag der vergangenen Woche immerhin den Grundstein dafür gelegt, dass eine Pulverfabrik ausgebaut wird. Dabei geht es darum, dass die Tochtergesellschaft Rheinmetall Nitrochemie künftig mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr fertigen kann. Dies wiederum ist Teil der jüngeren Strategie von Rheinmetall, deutlich mehr Produktionskapazitäten aufzubauen und auch aufbauen zu müssen. Im Mittelpunkt steht dabei die Munitionsproduktion. Offensichtlich sieht das Unternehmen gerade in diesem Bereich weiterhin erhebliche Wachstumschancen.

Ausbau hilft der Rheinmetall

Mit dem Ausbau reagiert Rheinmetall auf die anhaltend hohe Nachfrage nach Munition. Künftig sollen dort rund 500 zusätzliche Beschäftigte arbeiten. Bislang sind an dem Standort rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, künftig werden es etwa 1.300 sein.

Dies passt zu den jüngsten Aufträgen des Unternehmens. Vor rund zwei Wochen konnte Rheinmetall unter anderem 155-Millimeter-Artilleriemunition für die Ukraine liefern. Zudem hat die Bundeswehr Leistungen im Wert von rund 100 Millionen Euro aus einem bestehenden Rahmenvertrag abgerufen. Insgesamt scheint auch dieses eher klassische Geschäftsfeld der Munition für Rheinmetall weiterhin eine bedeutende Rolle zu spielen.

Die aktuelle Skepsis gegenüber Rheinmetall beruht allerdings vor allem auf der Frage, ob die vorhandenen Kapazitäten ausreichen, um die starke Nachfrage zu bedienen. Nach dem ersten Quartal belief sich der Auftragsbestand auf mehr als 73 Milliarden Euro. Über Wochen und Monate zweifelten die Märkte daran, dass das Unternehmen über ausreichende Produktionskapazitäten verfügt, um diese Aufträge zügig abzuarbeiten.

Unsicherheit muss abgebaut werden

Neue Unsicherheit entstand zudem, als die NATO zuletzt ankündigte, ihre Schwerpunkte teilweise zu verlagern. Künftig sollen verstärkt Drohnen, Anti-Drohnen-Systeme und satellitengestützte Systeme im Mittelpunkt stehen. Dies warf zugleich die Frage auf, ob Rheinmetall mit seiner bisherigen Auftragsstruktur in diesen Bereichen ausreichend stark vertreten sein wird.

Dem standen allerdings zahlreiche neue Projekte, Auftragsankündigungen und konkrete Kooperationen gegenüber. So arbeitet Rheinmetall beispielsweise mit OHB zusammen und hat mehrfach deutlich gemacht, dass das Unternehmen seine Aktivitäten in den neuen Technologiefeldern ausbauen will.

Insgesamt wartet der Markt in der derzeit eher schwachen Börsenphase vor allem auf die Zahlen, die den operativen Geschäftsverlauf der Düsseldorfer wieder stärker in den Mittelpunkt rücken könnten. Am 6. August veröffentlicht Rheinmetall die Zahlen für das zweite Quartal und damit zugleich auch die Ergebnisse für das erste Halbjahr.

Besonders genau dürfte dabei untersucht werden, ob das Unternehmen die etwas schwächere Umsatzentwicklung aus dem ersten Quartal bereits im zweiten Quartal ausgleichen konnte. Die Auslieferungen von Waffen und Munition sollten deutlich gestiegen sein. Dazu dürften unter anderem die hochgefahrene Produktion im spanischen Werk sowie die Auslieferung von Lkw an die Bundeswehr beigetragen haben.

Grundsätzlich hält Rheinmetall an seiner Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr fest. Erwartet werden weiterhin Erlöse zwischen 14 und 14,3 Milliarden Euro.

F126 wird nicht mehr zum großen Thema

Die zuletzt entgangenen Auftragshoffnungen im Zusammenhang mit dem F126-Programm der Bundeswehr könnten nach Unternehmensangaben – sofern keine Kompensation erfolgt – im laufenden Jahr zu Umsatzeinbußen von bis zu 300 Millionen Euro führen. Das ist zwar schmerzhaft, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie es der Kursverlauf unmittelbar nach Bekanntwerden der Nachricht vermuten ließ. Die Aktie verlor damals zeitweise mehr als 18 %.

Rheinmetall Aktie Chart

Inzwischen hat sie die Marke von 1.000 Euro wieder überschritten, befindet sich charttechnisch jedoch weiterhin im Abwärtstrend. Die bislang bekannten fundamentalen Daten rechtfertigen einen derart deutlichen Kursrückgang aus Sicht vieler Beobachter nicht. Entsprechend müssen auch andere Ursachen berücksichtigt werden.

Dabei wird immer wieder auf den operativen Free Cashflow verwiesen. Dieser lag im ersten Quartal bei minus 285 Millionen Euro. Genau daraus leitete der Markt die Sorge ab, dass Rheinmetall möglicherweise nicht genügend liquide Mittel erwirtschaftet, um den notwendigen Kapazitätsausbau in der gewünschten Geschwindigkeit zu finanzieren.

Cash Flow wird wichtig

Deshalb dürfte der Schwerpunkt bei der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal am 6. August erneut auf dem operativen Free Cashflow liegen. Es geht also weniger um die Frage neuer Aufträge – von denen Rheinmetall in den vergangenen Wochen zahlreiche gewinnen konnte –, sondern vielmehr darum, ob das Unternehmen diese Aufträge auch schnell genug in Zahlungsströme umwandeln kann.

Diese Frage kann derzeit kaum jemand abschließend beantworten. Deshalb dürfte die Skepsis gegenüber Rheinmetall und teilweise auch gegenüber der gesamten Rüstungsbranche kurzfristig nicht vollständig verschwinden.

Positiv aus Sicht der Trendinvestoren ist immerhin, dass die Marke von 1.000 Euro wieder überschritten wurde. Ein nachhaltiger charttechnischer Befreiungsschlag ist damit allerdings noch nicht gelungen.

Analysten sind noch immer sehr zuversichtlich für die Rheinmetall

Analysten gehen dennoch davon aus, dass die Aktie in den kommenden Monaten auf bis zu nahezu 1.100 Euro steigen kann. Das entspräche einem deutlichen Kurspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.

Insgesamt bleibt das Bild unverändert: Rheinmetall mangelt es weder an Aufträgen noch dürfte das Unternehmen kurzfristig erheblich unter dem entgangenen F126-Geschäft leiden. Entscheidend bleibt vielmehr die Frage, ob ausreichend liquide Mittel in ausreichender Geschwindigkeit zur Verfügung stehen, um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen.

Diese Frage dürfte sich voraussichtlich erst mit den Quartalszahlen am 6. August beantworten lassen. Analysten bleiben jedenfalls ausgesprochen zuversichtlich. Der Tag der Wahrheit rückt nun unmittelbar näher. Formal befindet sich die Aktie zwar weiterhin im Abwärtstrend. Mit den Quartalszahlen könnte sich dieser Knoten jedoch lösen.

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