Rheinmetall-Aktie: Jetzt geht es los!

Rheinmetall-Aktie erholt sich nach Verlust des F-126-Auftrags und notiert wieder über 1.000 Euro. Analysten bleiben zuversichtlich.

Auf einen Blick:
  • Kurserholung auf über 1.000 Euro
  • Verlust des F-126-Fregattenauftrags belastet
  • Analysten senken Kursziele leicht
  • CEO kauft Aktien nach Kurssturz

Liebe Leserinnen und Leser,

Rheinmetall ist nach massiven Kursverlusten in der vorletzten Woche in dieser Woche wieder deutlich stärker aufgestellt. Die Düsseldorfer sind letztlich auf dem Weg, sich wieder etwas oberhalb der Marke von 1.000 Euro zu etablieren.

Konkret war die Aktie am Freitag im Peak noch auf 1.121 Euro gestiegen. Zum Vergleich: Am Montag der Vorwoche war die Aktie im schlechtesten Zustand auf 945,20 Euro gesunken. Das heißt, die Aktie hat fast 200 Euro hinzugewonnen. Dies entsprach in etwa gut 15 %.

Gewinnmitnahmen oder mehr?

Die Notierungen sind zum Ende des Freitags dann allerdings auf etwas weniger als 1.100 Euro nach unten gerutscht. Das war ein kleiner Rückschlag für die Düsseldorfer, insofern 1.100 Euro eine schön anzusehende runde Marke gewesen wären. Allerdings hat sich am Befund für die Aktie recht wenig geändert. Sie verläuft im Grunde genommen vergleichsweise stabil oberhalb von 1.000 Euro und hat damit den Sorgen davor, dass es hier zu einem Crash kommen könnte, deutlich widersprochen.

Rheinmetall Aktie Chart

Insgesamt leiden die Notierungen sicherlich noch immer darunter, dass zuletzt ein Vertrag mit der deutschen Bundesregierung am Ende doch nicht zustande gekommen ist. Die Bundesregierung hatte lange Zeit zumindest den Eindruck erweckt, als käme es zu einem Vertrag über die Lieferung von F-126-Fregatten. Das wurde dann am Mittwoch der Vorwoche gestoppt.

Dies löste an den Börsen einen massiven Abverkauf der Aktie aus. Sie hatte wie oben beschrieben in nur einer Sitzung mehr als 18 % verloren. Damit war die Stimmung mehr oder weniger nach unten durchgekracht. Die Aktie schien aus Sicht einiger Investoren bereits mehr oder weniger in den Abgrund zu stürzen. Der Abwärtstrend des Papiers war gewaltig.

Analysten verteidigen die Aktie weiterhin

Allerdings hat sich hier doch einiges zum Besseren gewendet. Zunächst einmal hatten einige Analysten, allen voran die DZ Bank, deutlich vorgerechnet, dass das Unternehmen durch den Schock sicherlich etwas weniger wert sein und auch vor minimalen Problemen stehen könne. Allerdings seien die Sorgen der Märkte doch durchaus übertrieben gewesen, hieß es.

Immerhin war das Papier aus der Wahrnehmung der Aktionäre mit einem Kurs von weniger als 1.000 Euro in eine quasi vernichtende Stimmung gerutscht.

Die DZ Bank stellte zum Beispiel klar, dass das Unternehmen dadurch bis zum Jahr 2030 vielleicht 3 % des entsprechenden Umsatzes verlieren würde. Das Unternehmen selbst verfügt jedoch über viele andere Erlösbereiche, die ihm stetiges und nachhaltiges Wachstum bescheren sollen. So jedenfalls die Erwartung der Analysten.

Analysten haben die Kursziele insgesamt etwas korrigiert. Lange Zeit war die Aktie im Durchschnitt mit etwas mehr als 2.000 Euro bewertet worden. Dann sackte das durchschnittliche Kursziel auf circa 1.900 Euro oder etwas mehr. Zuletzt ging es auf ungefähr 1.750 Euro nach unten.

Nun hat z. b. auch JPMorgan das Kursziel von 1.500 Euro auf 1.350 Euro gesenkt, die Jefferies ging von 1.890 auf 1.300 Euro als neue Vision nach unten. Insgesamt aber bleiben die Analysten immer noch (sehr) zuversichtlich. Das zeigt:

Das ist allerdings bei weitem nicht mit dem zu vergleichen, was die Börsen veranstaltet hatten. Die Börsen hatten die Aktie so weit nach unten fallen lassen, dass die Kursziele um fast 50 % unterschritten worden sind. Oder umgekehrt: Analysten gingen immer noch davon aus, dass die Aktie ausgehend vom aktuellen Kurs um annähernd 100 % steigen könne. Hier gibt es also erhebliche Differenzen in der Bewertung der verschiedenen Problemfelder.

Die Abwertung ist unverändert rätselhaft!

Vor allem die jüngste Abwertung nach dem F-126-Fall ist immer noch rätselhaft. Die Märkte haben unter anderem auch deshalb einen kleinen Irrtum produziert, weil zum Beispiel der CEO von Rheinmetall, Armin Papperger, unmittelbar nach dem kurzen Crash Aktien des eigenen Unternehmens gekauft und mehr als drei Millionen Euro investiert hat. Damit zeigte er, was er von den stürzenden Kursen hält.

Allerdings hat Rheinmetall mittlerweile selbst eingestanden, dass solche Vorgänge wie der Verlust des vermeintlich relativ sicheren Auftrags die Planung durchaus stören. Der Umsatz werde im laufenden Jahr um bis zu 300 Millionen Euro geringer ausfallen, wenn es nicht gelinge, Kompensationen zu finden, hieß es zudem.

Zudem hat nun Armin Papperger als Chef von Rheinmetall vor dem NATO-Gipfel in Ankara in der Türkei verbindliche Zusagen der Politik zu neuen Rüstungsprojekten eingefordert. Um der Verantwortung gegenüber den Streitkräften gerecht zu werden, so Papperger, brauche das Unternehmen Planungssicherheit von der Politik.

Offensichtlich spielt er damit auch auf die F-126-Dramatik an. Es brauche klare Abnahmegarantien, und finanzielle Zusagen seien notwendig, um massiv in neue Produktionskapazitäten und Zukunftstechnologien investieren zu können. D.h., Rheinmetall legt jetzt los. Die Düsseldorfer fangen an, der Politik gegenüber mehr Verbindlichkeit einzufordern. Die Klartext-Ansagen beginnen und das wird auch Zeit.

Kann Rheinmetall die nötigen Kapazitäten für die Produktion tatsächlich aufbauen?

Hiermit lässt er offensichtlich Einblick in das eigentliche Problemfeld von Rheinmetall erkennen, weshalb das Unternehmen seit Monaten an den Aktienbörsen einigermaßen massiv unter Druck geraten war. Es geht nicht um das hohe Auftragsvolumen, das die Rüstungsbranche sicher für sich in Anspruch nehmen kann.

Es geht vor allem um die Frage, wie die Produktionskapazitäten gesichert werden können. Ganz konkret: Können Rheinmetall und Co. den Ausbau der Produktionskapazitäten tatsächlich so gut finanzieren und so bewerkstelligen, dass die Auftragsvolumina auch abgearbeitet werden können? Hier dürfte einer der großen Engpässe in den vergangenen Monaten gelegen haben. Und hier fehlen auch noch die Antworten aus der Industrie.

Rheinmetall selbst hat immer mal wieder erkennen lassen, dass man die Produktionskapazitäten ausbauen wolle. Allerdings waren hier keine namhaften Lösungen in Sicht. Insofern kann man unter dem Strich sagen: Das Problem des weggefallenen F-126-Fregattenauftrags ist möglicherweise vergleichsweise in den Hintergrund getreten. Die Aktie ist wieder oberhalb von 1.000 Euro gelandet.

Das Fazit zu der Aktie von Rheinmetall fällt damit recht ordentlich aus:

Formal befindet sie sich charttechnisch betrachtet allerdings noch immer im Abwärtstrend. Die Dramatik rund um das Papier ist jedoch bei weitem nicht mehr so groß, wie es in der Vorwoche lange Zeit den Anschein hatte. Auch die Analysten haben der Aktie wie beschrieben weiter die Treue gehalten und deutlich höhere Kursziele formuliert, als sie der Markt derzeit widerspiegelt. Die Aktie sollte auf deutlich mehr als die erreichten 1.100 Euro steigen.

Das ganz große Problem ist allerdings noch immer nicht vom Tisch: das Misstrauen, ob das Unternehmen und die Branche insgesamt die Produktionskapazitäten wie geplant aufbauen können. Hier liegt weiterhin der eigentliche Hase im Pfeffer, wenn man nach den tatsächlichen Problemen sucht.

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