Liebe Leserinnen und Leser,
Rheinmetall beendete die vergangene Woche erneut schwächer. Bei 1.013,90 Euro notiert die Aktie nur noch knapp über der Marke von 1.000 Euro. Bis zu dieser magischen Marke fehlen lediglich rund 13 Euro. Charttechnisch bleibt der Titel damit hart am Rande des Absturzes. Wirtschaftlich sehen Analysten dagegen sehr viel Potenzial: Ihre durchschnittlichen Erwartungen liegen mehr als 600 Euro über dem aktuellen Kurs. Das ist allerdings schon seit Wochen und Monaten bekannt. Dennoch ändert sich an den Bewertungen der Börsianer für das Düsseldorfer Papier nichts. Die Rheinmetall muss eher darum bangen, dass nicht die größten Befürchtungen einiger der Beobachter wahr werden und ein Absturz noch einmal kräftiger wird. Kurse von weniger als 1.000 Euro scheinen hier möglich.
Rheinmetall aber möchte eher ausbauen statt einzuknicken
Der Konzern selbst bereitet sich auf einen erheblichen Ausbau vor. Rheinmetall plant für die kommenden sechs Jahre Investitionen von 30 Milliarden Euro. Konzernchef Armin Papperger skizzierte beim Flottendienstboot-Auftakt in Wolgast, wie das Unternehmen auf knappe Raketenbestände sowie Engpässe bei Motoren und Gefechtsköpfen reagieren will.
Besonders groß sind die Pläne für die Entwicklung des Geschäftsbereichs Munition. Die jährliche Artillerieproduktion soll von 70.000 auf 1,5 Millionen Schuss steigen. Eine solche Steigerung ist jedenfalls überraschend, ohne dass sich an den Börsen bislang schon größeres Interesse dafür gezeigt hätte.
Rheinmetall Aktie Chart
Für die sogenannte Mittelkalibermunition sind vier Millionen Schuss vorgesehen, bei Panzermunition 240.000.
Anzahl taktischer Logistikfahrzeuge soll noch steigen
Zusätzlich soll sich die Fertigung taktischer Logistikfahrzeuge verdoppeln. Dafür will Rheinmetall die Belegschaft von derzeit 34.000 auf 70.000 Beschäftigte bis 2030 erhöhen. Diese Pläne sind zwar seit einiger Zeit bekannt, an den Börsen aber gleichfalls eher mit Ignoranz bestraft worden. Denn die Börsen hatten eher daran gezweifelt, dass das Unternehmen in der Lage wäre, hinreichend Kapazitäten für die Aufrüstung aufzubauen. Die Zahlen sind indes beeindruckend: Einschließlich der Lieferkette könnten rund 300.000 Arbeitsplätze damit verbunden sein.
Auch die Flugabwehr erhält zusätzliche Fertigungskapazitäten. Der CEO der Düsseldorfer, Papperger, wies die aktuell aufgekommene Kritik am Zeitplan des Skyranger zurück. Die Serienauslieferung soll 2027 beginnen. Nach Modernisierungen an Chassis, Radar und Flugkörpern soll die Produktionsleistung bis Ende 2027 auf bis zu 400 Systeme pro Jahr steigen. Das kann wiederum deutliche Sprünge in Umsatz und damit dann auch in Gewinn für die Rheinmetall erzeugen. Die Düsseldorfer wachsen weiter, ohne dass die Börsen dies zuletzt auch nur im Ansatz wahrgenommen hätten.
Kooperationen waren in den vergangenen Wochen ein Thema
Über Kooperationen erweitert Rheinmetall sein Portfolio für die kommenden Jahre noch weiter. Ein Joint Venture mit Lockheed Martin für Artillerieraketen befindet sich ebenso vor dem Abschluss wie die Zusammenarbeit mit Destinus bei Marschflugkörpern. Erste Aufträge für Cruise Missiles werden um den Jahreswechsel erwartet.
Spektakuläre Nachrichten gibt es auch aus dem hohen Norden. Denn in Bremen entwickelt der Konzern zudem humanoide Kampfroboter. Weitere Investitionen fließen in Satellitensysteme und die Verarbeitung von Daten im Weltraum. Hier war vor einiger Zeit darüber berichtet worden, dass die Rheinmetall die Kooperation mit der OHB suchte. Auch hierauf haben die Aktienmärkte zumindest nicht nachhaltig reagiert.
Der Ausbau der Kapazitäten aber reicht über Deutschland hinaus. Im kanadischen Saint-Jean-sur-Richelieu erweitert Rheinmetall den Standort um mehr als 7.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche. Dort sollen zusätzliche Kapazitäten für autonome Bodensysteme wie PATH und Mission Master entstehen. Seit 2024 investierte Rheinmetall bereits mehr als 150 Millionen kanadische Dollar in den Standort. Die Erweiterung umfasst zudem rund 1.000 Zulieferunternehmen in der regionalen Lieferkette. Dies ist vor allem mit Blick auf die jüngsten Diskussionen zwischen Kanada und der EU interessant. Kanada, so eine grundsätzliche Erst-Idee, soll eine Art assoziierter Partner für die EU werden. So wird sicherlich die Produktion von Rheinmetall auch vor diesem Hintergrund bedeutend: Kanada könnte Produktions- und Absatzmarkt werden. Doch damit zuletzt nicht genug:
In Großbritannien kommt eine neue Vibrationstestanlage in Telford hinzu. Sie kann Strukturen bis 40 Tonnen prüfen und Bewegungen in vertikaler Richtung sowie Nick- und Rollbewegungen simulieren. Die Anlage soll unter anderem die Entwicklung des Challenger 3 unterstützen. Mit Team Wolf und Mercedes-Benz UK sollen dort außerdem bis zu 50 % britische Wertschöpfung erreicht und 30 Zulieferer eingebunden werden.
Der Markt starrt bei der Rheinmetall weiterhin eher auf Probleme
All dies hat der Markt wie beschrieben in seine Bewertung nicht eingebaut. Stattdessen warten die Börsen eher ab, ob die Kapazitäten tatsächlich aufgebaut werden und wie die Zinserhöhungen am Markt sich auf die Bestellungen durch verschiedene Staaten auswirken werden. Sorgen um Umsätze und Auftragsabwicklungen dominieren noch immer.
Dabei bleiben Analysten hartnäckig ihren Kurszielen treu. Zuletzt ist die Spanne der Erwartungen etwas nach unten korrigiert worden. Im Durchschnitt indes sieht es immer noch nach Kurszielen von über 1.640 Euro aus. Damit sind über 600 Euro Potenzial da, meinen jedenfalls die Analysten.
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