Liebe Leserinnen und Leser,
sehr spannend wird aktuell die Entwicklung um die Düsseldorfer Rheinmetall. Die Notierungen sind gestern regelrecht nach unten gekracht. Es ging um 3,3 % abwärts beziehungsweise je nach Börsenplatz auch um 3,4 %. Die Notierungen sind damit auf nur noch 990 Euro gefallen.
Aktie steht eminent unter Druck
Das ist immer noch im Bereich der Marke von 1.000 Euro. Allerdings fällt es zunehmend schwer zu sehen, wie die Aktie sich daraus herausentwickeln sollte. Die Notierungen sind insgesamt seit Jahresbeginn schon um 38,2 % gefallen und damit tief im Abwärtstrend.
Zur Einordnung des ganzen Dramas lohnt zunächst der Blick auf das, was Rheinmetall wirtschaftlich abliefert.
Das Unternehmen wird im laufenden Jahr immer noch auf einen Umsatz in Höhe von circa 13,7 bis 14 Milliarden Euro taxiert. Im vergangenen Jahr waren es etwas weniger als 10 Milliarden Euro Umsatz, exakt 9,94 Milliarden Euro.
Bruttomarge bleibt interessant
Das Unternehmen hat zudem im laufenden Jahr eine Bruttomarge in Höhe von 19 % im Visier und hat im zweiten Quartal eine Bruttomarge in Höhe von 17,1 % benannt. Das wäre eine erhebliche Steigerung gegenüber dem vergangenen Jahr.
Das bedeutet, dass das Unternehmen nicht nur über 40 % mehr Umsatz, eher 45 % mehr Umsatz erwirtschaftet als im vergangenen Jahr, sondern dass das Unternehmen gleichzeitig diesen Umsatz nutzt, um je Euro mehr zu verdienen.
Dazu kommt der Auftragsbestand. Das Auftragsvolumen ist eminent stark gestiegen. Es war schon im ersten Quartal auf ein Rekordvolumen von 73 Milliarden Euro geklettert und hat im zweiten Quartal am Ende sogar einen Wert in Höhe von etwas über 80 Milliarden Euro erreicht.
Aufträge müssen abgearbeitet werden
Insofern geht es über die Jahre darum, diese Aufträge abzuarbeiten und natürlich den Auftragsbestand auch selbst wieder aufzufüllen. Das scheint allerdings immer wieder zu gelingen, auf Basis der aktuellen politischen Lage ohnehin.
Sie sehen also ein Unternehmen mit deutlich steigenden Umsätzen, steigenden Margen und einem enormen Auftragsbestand. Was allerdings die Börsen nicht daran gehindert hat, innerhalb von nunmehr fast neun Monaten die Notierungen um die benannten 38 % nach unten zu schicken.
Hier kann etwas nicht stimmen.
Belastungen durch Auftragsproblem
Natürlich gab es Belastungen. Das Unternehmen hat im Juni einen erheblichen Rückschlag erleiden müssen, als ein F126 Fregatten Programm durch die Bundesregierung gestrichen worden war.
Das hat die Jahresprognose bei Rheinmetall tatsächlich kürzen lassen. Allerdings nur in einem Umfang, der relativ gering ist. Es waren 14 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz für das laufende Jahr erwartet worden. 13,7 bis 14 Milliarden Euro sollen es nun werden.
Eine zweite Schwäche war im zweiten Quartal der negative Netto Cashflow. Rheinmetall selbst erklärt diesen Umstand unter anderem damit, dass Vorräte aufgebaut worden sind, um die Aufträge, die kommen, auch abarbeiten zu können.
Zinspolitik spielt aktuell eine Rolle
Ein weiterer Punkt sind die Zinsen. Die Anleiherenditen sind quasi das Fieberthermometer für die Märkte. Je höher die Renditen sind, desto mehr müssen Unternehmen für neues Kapital bezahlen.
Zur Bewertung der Aktie bleibt deshalb festzustellen, dass der Abschlag von fast 40 % im laufenden Jahr deutlich zu hoch ist, bezogen auf das, was das Unternehmen bis dato abgeliefert hat.
Analysten sind bei der Rheinmetall unverändert sehr zuversichtlich
Analysten sind immer noch der Meinung, dass die Aktie sehr viel mehr wert sei. Hier werden die Kursziele auf circa 1.640 Euro im Mittel taxiert. Zwar sind einige Kursziele inzwischen heruntergenommen worden, allerdings nicht in besonders großem Maße.
Rheinmetall Aktie Chart
Trendinvestoren sehen das Ganze anders. Die Aktie hat einen Abstand von 11 % auf den GD100 und 27 % auf die 200 Tage Linie. Charttechnisch ist die Aktie inzwischen auch durch den Kurs von weniger als 1.000 Euro massiv unter Druck geraten.
Kurzfristig ist nicht zu erkennen, wie Rheinmetall aus diesem Loch herauskommen sollte. Hier wäre es mindestens wichtig, die Marke von 1.200 Euro zu erreichen, um auch technisch etwas mehr Boden unter den Füßen zu gewinnen. Die langfristige Perspektive stellt sich allerdings weiterhin komplett anders dar.
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