Liebe Leserinnen und Leser,
der große Absturz der Rheinmetall am gestrigen Donnerstag beschäftigt die Gemüter noch immer. Die Düsseldorfer verloren immerhin gleich -17,45 % und sind bei einem Kurs von rund 828,35 Euro in einem desaströsen Zustand. Es spricht jedoch einiges dafür, dass die Börsen sich hier grotesk irren. Es lohnt ein Blick auf die Verhältnisse.
Rheinmetall: Faktisch schlecht
Hintergrund des jüngsten Absturzes sind sicher die Quartalszahlen, die Rheinmetall präsentierte. Die galten als schlecht, vor allem des Ausblicks wegen. Die Situation ist an den Börsen jedoch aktuell noch dramatischer, daher wird an dieser Stelle das aktuelle Bild zunächst wichtig und maßgeblich sein.
Rheinmetall hat mit dem Verlust nun einen Wochenverlust von bislang -19,4 % hinnehmen müssen. Alle Unterstützungen, die Charttechniker jetzt noch vermuten würden, sind durchkreuzt. Die Aktie hat nun einen Abstand von 19,5 % zur 100-Tage-Linie, was zusätzlich auch die technischen Analysten auf den Plan ruft.
Die Distanz zum maßgeblichen GD200 ist aktuell sogar noch höher. Der Titel hat hier einen Abstand von rund 32,5 % auf die Trendlinie. Dies ist ein klares Indiz dafür, dass der Titel nun in einem längerfristigen technischen Abwärtstrend gefangen ist.
Apple Aktie Chart
Allerdings stellen sich auch noch weitere statistische Effekte ein, die diesen Eindruck untermauern. Die Aktie ist sogar bezogen auf den Jahresanfang nun deutlichst hinten: -45 % haben diejenigen verloren, die seit Jahresbeginn dabei sind.
Dabei wird der Konzern im laufenden Jahr wohl ca. 33 % bis 35 % mehr umsetzen als im vergangenen Jahr, was den Blick auf die Quartalszahlen lenkt.
Rheinmetall sieht derzeit ausgesprochen schwach aus
Die Faktenlage hat sich verändert. Die wichtigste Nachricht aus den Quartalszahlen lautet einfach: Der Konzern musste die Prognose zum Umsatz senken. Bis dato war die Rheinmetall davon ausgegangen, der Umsatz belaufe sich auf zwischen 13,7 und 14,2 Mrd. Euro im laufenden Jahr. Dabei war selbst diese Schätzung im Laufe des Jahres (konkret im August) schon gesenkt worden.
Die Rheinmetall hat einen Umsatzeinbruch von 300 Millionen Euro vorausgesagt, nachdem ein F126-Fregattenauftrag durch die Bundeswehr nicht zustande kam. Also ist der angekündigte Umsatz insgesamt im laufenden Jahr statt bei 14,0 bis 14,5 Mrd. Euro, wie ursprünglich angenommen, auf die Prognose von 13,2 Mrd. Euro gesackt. Mindestens 800 Millionen Euro also fehlen.
Bei einer Marge von „nur“ 18 %, um konservativ zu rechnen, fehlen also mindestens 144 Millionen Euro an Marge. Das ist dramatisch, erklärt aber für sich nichts.
Die Rheinmetall ist aktuell noch 38 Mrd. Euro wert. Ein solcher Gewinnanteil ist nicht entscheidend für den Niedergang. Es gibt andere Indikatoren, die schwerer wiegen.
Die Marge zeigt in die Zukunft
Die Rheinmetall gab an, dass die Marge in diesem Jahr bei 18,5 % liege. Zielgröße waren hier vorher rund 19 %. Dies ist ein ernsterer Hinweis. Den er betrifft die Rentabilität des Umsatzes.
Ein schwächerer Umsatz produziert relativ betrachtet noch weniger Gewinn: Der Umsatz, der in diesem Jahr nicht mehr gemacht wird, könnte durch aufgeschobene Aufträge oder Produktionen noch aufgefangen werden, wenn das neue Geschäftsjahr anbricht. Eine schwächere Marge reduziert nicht nur den Gewinn und damit auch die für Investitionen möglichen Mittel, sondern auch das Vertrauen in die künftige Profitabilität.
Das kleine Zwischenfazit: Der Umsatzeinbruch erklärt möglicherweise einen Teil der enormen Kursverluste. Das nachhaltigere Problem ist die schwächere Profitabilität. Hier liegt ein echter erster Minuspunkt vor. Doch werden die Umsatzprobleme sich überhaupt ergänzend auch beseitigen lassen?
Umsätze könnten auch künftig ein Problem darstellen
Das Unternehmen hat die fehlenden Umsätze mit Verzögerungen begründet. Das Projekt Arminius, das Milliarden bringen soll (in Kooperation mit der KNDS), würde im 1. Quartal dann genehmigt, so Rheinmetall in einer Analystenkonferenz. Dabei würde die Rheinmetall einen größeren Anteil als die KNDS erhalten. Das ist zunächst eine recht gute Nachricht, die fehlenden Umsätze also würden im kommenden Jahr nachgeholt.
Doch das ist wohl nur die hable Wahrheit. Denn Aufträge hat die Rheinmetall ohnehin genug. Der Auftragsbestand beläuft sich aktuell nach dem 3. Quartal auf 78 Mrd. Euro. Dies wäre also ein Bestand, der bei dem aktuellen Jahresumsatz von geschätzten 13,2 Mrd. Euro annähernd für 6 Jahre reichte. Die Aufträge selbst jedoch müssen abgearbeitet werden.
Dies ist der große Knackpunkt: Die Märkte und auch die Analysten verlieren aktuell Vertrauen darin, dass die Umsätze einfach nur nachgeholt werden. Fehlendes Vertrauen in künftige Umsatzsteigerungen sind ein zweiter echter Minuspunkt.
Hohe Auftragsbestände reichen nicht, wenn a) künftige Aufträge nach hinten geschoben werden, b) Verzögerungen bei der Lieferung aus Aufträgen nicht schnell genug Umsätze werden lassen und c) für den Kapazitätsausbau das Geld fehlt. Denn: Rheinmetall hat als weiteren Malus noch gemeldet, dass der operative Free Cashflow im 3. Quartal bei -82 Millionen Euro liegt.
Negativer Free Cashflow: Ein dritter Minuspunkt
Das ist gewaltig. Analysten waren davon ausgegangen, dass nach dem negativen Cashflow aus dem 2. Quartal jetzt eine positive Wende folgen würde. Dies ist ein Punkt, der von professionellen Analysten sicher sehr hoch bewertet wird. Die Rheinmetall begründet einen negativen Cashflow damit, dass das Unternehmen Vorräte aufbaue und eben auch damit, dass die Aufträge sich (leicht) verschoben hätten.
An diesem Punkt geht es also nicht mehr nur um die hohen Verteidigungsausgaben in der EU, sondern um die Frage, wie viel Vertrauen die Rheinmetall noch genießt.
Die größten Punkte sind Auftragsverschiebungen und ggf. Ausfälle durch fehlende Kapazitäten, ein negativer Free-Cashflow und die Gewinnmarge, die steigt, aber nicht hoch genug gestiegen ist.
Am Ende senkten und senken die Analysten deshalb die Kursziele etwas. Allerdings kommt in der oben genannten Argumentationskette dann allerdings logischerweise unter dem Strich heraus, dass die Kursziele noch sehr deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegen werden. Denn alle Punkte, die etwas verschobenen Aufträge, die minimal schwächere Gewinnmarge und das noch negative Ergebnis zum Freecashflow lassen sich im Umfeld sehr hoher Verteidigungsausgaben ggf. mit etwas Geduld beheben.
Auf dem aktuellen Niveau wird das Kursgewinn-Verhältnis (KGV) der Rheinmetall schon dramatisch sinken. Je nach Schätzung werden für das kommende Jahr zwischen 12 und 15 zu erwarten. Die Lage ist nicht so schlecht, wie diese Kennziffer zeigt: Die Gewinnabschläge sind rechnerisch(!) zu hoch. Analysten kommen daher gegenwärtig immer noch im Durchschnitt auf über 1.500 Euro als Kursziel. Die Aktie wäre plötzlich um 70, 80 % unterbewertet.
Stand heute, 06. November: Rheinmetall – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Rheinmetall investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 06. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
