Rheinmetall-Aktie: Es geht um alles!

Trotz enttäuschender Quartalszahlen und Kapazitätsbedenken sehen viele Analysten bei Rheinmetall noch deutliches Kurspotenzial bis über 1.950 Euro.

Auf einen Blick:
  • Kurs erholt sich leicht auf 1.220 Euro
  • Analysten sehen Potenzial bis 1.950 Euro
  • Quartalsumsatz blieb hinter Erwartungen zurück
  • Kapazitäts- und Finanzierungsfragen belasten

Liebe Leserinnen und Leser,

bei der Rheinmetall hat sich etwas in Bewegung gesetzt. Die Düsseldorfer konnten sich am vergangenen Freitag vor dem Pfingstwochenende um rund 0,49 % an der Börse München und immerhin fast 1,5 % auf Xetra nach vorne schieben. 1.219,80 Euro stehen jetzt an den Kurstafeln. Viele Investoren werden noch im Pfingsturlaub sein und dennoch wird jetzt gehandelt.

Dabei haben aktuell die meisten Analysten den Daumen nach oben geschoben, auch wenn die Notierungen nach Meinung vereinzelter Experten nicht mehr ganz so stark steigen sollen wie zuvor oft propagiert. Einzelne Analysten gehen aktuell davon aus, der Wert würde auf nur noch 1.500 Euro klettern. Selbst das allerdings wäre aktuell noch immer ein deutlich höherer Kurs als das, was die Börsen zahlen.

Sichere Bank ist Rheinmetall schon lange nicht mehr

Ehrlicherweise ist die sichere Bank der Rheinmetall schon lange verschwunden. Über lange Monate war die Börse der Meinung, dass es reiche, dass die Auftragsmaschine schon produzieren würde. Rheinmetall kann sich mit immer neuen Aufträgen schmücken und dabei auch neue Geschäftsfelder angehen. Das alles reicht an den Börsen nicht mehr. Man kann von einem Rätsel sprechen.

Sofern aber die Begrifflichkeit auch unterstellt, dass man sich das alles nur noch als Zufall erklären kann, lohnt auch ein Blick auf einige Schwachpunkte.

  • Die Rheinmetall wird häufig genug inzwischen nicht mehr von der Auftragsseite gesehen. Es geht oft auch um die Kapazitäten, um zweifellos hohe Auftragsvolumina auch abarbeiten zu können. Zudem aber geht es nicht nur darum, dass die Kapazitäten aufgebaut werden, sie müssen auch finanziert werden.
  • Möglicherweise haben die Börsen hier Zweifel. Die Zinsen werden in der EU bzw. der Eurozone steigen, also auch für die Rheinmetall. Zudem herrschen auch Zweifel daran, dass die Staaten immer mehr Geld in die Rüstung investieren werden. Sie haben selbst weniger Geld, z. B. in Deutschland. Das Sondervermögen der Regierung, an sich als Rüstungsbudget missverstanden, wird derzeit durch diverse Verwendungen geradezu filetiert. Das heißt: Dem Markt fehlt das Vertrauen, dass z. B. Deutschland so fleißig wie behauptet investieren wird.
  • Wetiere Zweifel herrschen, weil die Aktie wohl auch in den Augen diverser Investoren zu teuer ist. KGVs von teils 60 sind nicht durchhaltbar, wenn das Gefühl entsteht, dass keine Überraschungen mehr eintreten werden. Die Story war schon erzählt. Deshalb sind auch offensichtlich über längere Wochen und Monate Gewinne mitgenommen worden.
Rheinmetall Aktie Chart

Rheinmetall hatte auch enttäuscht

Verstärkend kam zuletzt dazu, dass die Düsseldorfer an den Märkten auch enttäuscht haben. Die Quartalsergebnisse zum 1. Quartal haben den Erwartungen nicht entsprochen. Der Umsatz war zu schwach.

Rheinmetall argumentierte damit, dass einige der Umsätze zu einem späteren Zeitpunkt verbucht würden, auf jeden Fall aber für das laufende Geschäftsjahr. Dies hat nur bedingt gezogen.

Die Punkte gelten, allerdings gibt es immer noch eine Mehrheit an Analysten, die alles anders sehen. Auch nach dem Wochenende. Die durchschnittlichen Kursziele liegen bei mehr als 1.950 Euro. Dies wären über 700 Euro und damit weit mehr als 50 % Kursgewinn.

Die Aktie ist also in dieser Sicht noch unterbewertet. Es gibt durchaus Gründe für diese Einschätzung. Im laufenden Geschäftsjahr wird der Umsatz trotz der Bedenken um über 40 % auf mehr als 14 Mrd. Euro klettern. Zudem wird die Rheinmetall am Markt so eingeschätzt, dass der Umsatz im kommenden Jahr auf 19 Mrd. Euro klettert. Die Margen liegen über 10 %, womit auch die Nettogewinne steigen werden.

Effektiv also wird die Rheinmetall wahrscheinlich auf Nettogewinne von deutlich mehr als 2 Mrd. Euro kommen (im kommenden Jahr). Nach Meinung von Analysten reicht das für eine positive Bewertung durchaus aus. Hier müsste nur eine Umkehr stattfinden.

Effektiv ist allerdings derzeit der Markt noch nicht ganz so weit. Es lässt sich mehr oder weniger bestimmt sagen, dass die technische Analyse erst ab 1.400 Euro, vielleicht etwas darüber eine Trendumkehr behaupten oder annehmen würde. Daher gilt noch immer Vorsicht. Nur:

Wenn die Rheinmetall den Weg der vergangenen Tage fortsetzt,könnte es aus Sicht von Beobachtern auch schnell aufwärts gehen. Die Tiefpunkte sind zumindest überwunden. Ein Absturz auf 1.000 Euro oder weniger steht derzeit nicht auf der Börsenagenda.

Die Angst vor zu viel Macht

Wenn schon die Trendanalyse grünes Licht gibt, jedenfalls für den Fall weiter steigender Kurse, dann sieht es zumindest nicht mehr ganz so düster aus wie noch vor 1,2 Wochen. Noch aber bleiben Zweifel: Nun spekulieren die Medien darüber, dass das Bundesverfassungsgericht das Beschaffungsgesetz prüfe und auch die Risiken, dass Rheinmetall zu mächtig wird. Das heißt: Dieses Gerücht kann die kurzfristige leichte Erholung wieder etwas bremsen.

Wenn der Markt über diesen juristischen Stolperstein hinwegsieht (in diesen Tagen) und technisch etwas nach vorne kommt, dann dürfte die größte Krise zunächst insgesamt überwunden sein. Dann werden vielleicht auch wieder jene Analysten sich Geltung verschaffen können, die oben zitiert worden sind. Die durchschnittlichen Kursziele, dies zur Erinnerung, sind weiterhin mit mehr als 1.950 Euro ausgesprochen attraktiv. Nur muss sich dies in diesen Tagen auch wieder in einer kürzerfristigen Erholung zeigen. Daher sind die kommenden Handelstage für die Aktie der Rheinmetall so eminent wichtig und auch wegweisend.

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