Liebe Leserinnen und Leser,
am Donnerstagabend konnte sich die Aktie von Rheinmetall wieder etwas zurückkämpfen. Die Notierungen erreichten 938,12 Euro und gewannen 1,21 %. Dennoch hat sich die Situation kaum verändert.
Bei weniger als 940 Euro ist die Aktie charttechnisch in einer desolaten Verfassung. Ein Rückstand von 14,11 % auf den GD 100 und von 29,57 % auf die 200-Tage-Linie dokumentiert aus Sicht der technischen Analysten, dass der Wert weiterhin tief im Abwärtstrend verläuft.
Marktkapitalisierung ist mächtig gesunken
Rheinmetall weist nur noch eine Marktkapitalisierung in Höhe von 43,05 Milliarden Euro auf. Das ist insofern bemerkenswert, als für das Unternehmen im laufenden Jahr ein Umsatz von etwa 14 Milliarden Euro erwartet wird. Das bedeutet, dass der Umsatz quasi nur noch mit dem Faktor 3 bewertet wird.
Hier sahen die Börsen schon ganz andere Relationen. Der Umsatz ist zeitweise mit einem Faktor von mehr als 6 bewertet worden. Das ist jetzt schon lange Geschichte. Rheinmetall ist seit einiger Zeit dabei, immer mehr Vertrauen an den Börsen zu verlieren.
Rheinmetall Aktie Chart
Dabei sind die Düsseldorfer trotz aller Kritik sehr gut im Rennen. Tatsächlich hat Rheinmetall jetzt seine finanzielle Flexibilität verbessert, wie es in vielen Analysen heißt. Eine syndizierte Kreditlinie wurde vorzeitig erneuert und dabei verdoppelt. Statt gut 750 Millionen Euro stehen nun rund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung.
Die Liquiditätsbasis ist insofern wichtig, als das Unternehmen weiter in den Kapazitätsaufbau investieren muss. Das ist eine der großen Schwächen des Düsseldorfer Unternehmens. Der Kapazitätsaufbau wird an den Börsen immer wieder in Zweifel gezogen.
Auftragsbuch war mit 80 Mrd. Euro gut gefüllt
Tatsächlich hat das Unternehmen im ersten Halbjahr sein Auftragsbuch auf einen Bestand von mehr als 80 Milliarden Euro füllen können. Das reicht offensichtlich nicht, um die Börsen zu überzeugen. Denn die Kapazitäten wachsen nicht schnell genug, so die immer wieder geäußerte Kritik in zahlreichen Kommentaren.
Dabei war der reale Umsatz im ersten Halbjahr bereits um etwa 39 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Er erreichte einen Wert von 5,2 Milliarden Euro. Das war mehr, als die Analysten erwartet hatten.
Das operative Ergebnis ist dabei sogar um 74 % geklettert. Dies wiederum hat die operative Marge auf einen Wert von circa 15 % gebracht. Das reicht noch nicht ganz. Die Börsen erwarten hier am Ende sicherlich eine Marge von 19 %. Insofern ist auch hier noch eine gewisse Schwäche für die Düsseldorfer vorhanden.
Umsatzprognose fiel etwas
Dennoch musste das Unternehmen im Juni die Umsatzprognose wegen der Stornierung des F-126-Frigattenprogramms durch das Bundesministerium der Verteidigung deutlich nach unten korrigieren. Statt der bis dahin erwarteten 14 bis 14,5 Milliarden Euro Umsatz wurden für das gesamte Jahr nur noch 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro taxiert.
Allerdings relativiert sich die Stornierung insofern, als das Unternehmen, wie die Zahlen zeigen, immer noch eine sehr starke Umsatzentwicklung aufweist. Durch die neue Kreditlinie erhöhen sich sogar die Chancen, hier noch einmal deutlich schneller zu agieren.
Das zweite grundsätzliche Problem des Unternehmens, das unter anderem auch für die Kursentwicklung verantwortlich gewesen sein dürfte, war im zweiten Quartal deutlich geworden. Hier war der freie Cashflow auf minus 1,33 Milliarden Euro gesunken.
Rheinmetall selbst hatte dies damit begründet, dass der Lageraufbau deutlich vorangetrieben worden sei. Das bedeutet, man hat in Waren investiert, die wiederum den Umsatz sichern sollen.
Verzögerungen haben geschadet
Weitere Projekte allerdings hatten sich verzögert. Dazu gehörte zum Beispiel ein Munitionswerk in der Ukraine. Die Verzögerungen bewegen sich in diesem Fall auf bis zu zwei Jahre zu.
Das bedeutet allerdings auch, dass die Umsätze später fließen. Dies ist nicht nur für den Cashflow ärgerlich, sondern reduziert theoretisch auch den Kapazitätsaufbau etwas.
Darüber hinaus sorgt es dafür, dass Rheinmetall, wenn das Unternehmen wegen solcher fehlenden Umsatzerlöse, die erst später kommen, Geld benötigt, entsprechend Zinsen zahlen muss. Bei steigenden Zinsen am Markt ist dies ein größeres Problem, als es vielleicht auf den ersten Blick erschien.
Insofern gibt es auch von dieser Seite Kritik, die eigentlich nicht allzu groß sein dürfte, denn Rheinmetall selbst baut immer wieder neue Projekte auf.
So ist jetzt über das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions für die Bundeswehr per Vertrag ein exklusiver Zugang zu SAR-Aufklärungssatelliten geschaffen worden.
Es geht um über 12 Milliarden Euro
Das größte Thema der vergangenen Wochen ist sicherlich ein Großauftrag zum sogenannten Boxer-Programm. Hier wartet Rheinmetall auf den Abschluss eines Auftrags im Wert von mehr als 12 Milliarden Euro. Genau das sollte dann für Rheinmetall einer der Garanten dafür sein, dass es tatsächlich noch weiter aufwärtsgeht.
Die genannten Faktoren sprechen jedenfalls deutlich für Rheinmetall. Das Wachstum ist gesichert worden. Die Umsatzsteigerung von 39 % im ersten Halbjahr war sehr stark. Das operative Ergebnis kletterte schnell nach oben, und die neuen Verträge bringen Rheinmetall mehr Flexibilität.
Das Unternehmen ist aus Sicht der Trendindikatoren allerdings immer noch weit davon entfernt, einen Aufwärtstrend zu realisieren. Mindestens 1.000 Euro müssten erreicht werden, um hier etwas bessere Stimmung zu bekommen.
Analysten sind unverändert zuversichtlich
Analysten haben ihre Kursziele indes kaum verändert. Immer noch wird im Durchschnitt ein Kursziel von etwas mehr als 1.600 Euro vermutet.
Rheinmetall bleibt also in erstklassiger Verfassung, so jedenfalls der Eindruck bei den Analysten. Wann es jetzt massiv nach oben gehen könnte, ist weiterhin offen.
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