Rheinmetall-Aktie: Ganz kurz vor dem Knall!

Rheinmetall überwindet die 1.200-Euro-Marke und verzeichnet einen Rekordauftragsbestand von über 80 Milliarden Euro. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Auf einen Blick:
  • Kursanstieg um 3,2 Prozent
  • Rekordauftragsbestand von 80 Milliarden Euro
  • Umsatzsprung von 70 Prozent im Q2
  • Negativer Free Cashflow von 1,6 Milliarden Euro

Liebe Leserinnen und Leser,

die neue Woche wird für die Aktie von Rheinmetall wie für andere Unternehmen der Rüstungsbranche sehr spannend. Rheinmetall konnte sich am Freitag um 3,2 % nach oben schieben. Renk hatte 3,4 % gewonnen. Das zeigt schon, dass die Rüstungsbranche insgesamt in besserer Verfassung ist als zuvor.

1.202 Euro werden derzeit für Rheinmetall aufgerufen. Das kann in der neuen Woche nach Meinung verschiedener Beobachter durchaus etwas mehr werden, weil sich die Stimmung wieder etwas verbessert hat. In der zurückliegenden Woche konnte sich Rheinmetall um 4,7 % aufwärts schieben. Das zeigt bereits, dass die Märkte hier etwas mehr Vertrauen gewonnen haben.

Rheinmetall wird stärker

Im Zeitraum der vergangenen vier Wochen ging es um 24,7 % aufwärts, sogar um 238,10 Euro. Das zeigt wiederum, dass die Aktie nicht nur kurzfristig, sondern zumindest auch über einige Wochen hinweg wieder bessere Entwicklungen realisiert.

Rheinmetall Aktie Chart

Mit den jüngsten Kursgewinnen konnte die Aktie auch die aus charttechnischer Sicht wichtige Grenze von 1.200 Euro etwas nach oben durchkreuzen. Das wiederum gilt als erstes Signal dafür, dass es eine Erholung gibt. Charttechniker wissen allerdings auch, dass die Marke von 1.200 Euro noch immer hart umkämpft ist. Rheinmetall muss sich also strecken, um weiter nach oben zu klettern.

Analysten sind weiterhin der Meinung, dass die Aktie deutlich steigen kann. 1.690 Euro lautet in etwa das durchschnittliche Kursziel, das Rheinmetall noch erreichen müsste, um den Erwartungen der Analysten gerecht zu werden. Das alles steht derzeit noch im Raum.

Quartalszahlen waren insgesamt recht gut angekommen

Jüngst gab es wenig neue Nachrichten, nachdem das Unternehmen vor inzwischen circa anderthalb Wochen seine Quartalszahlen publiziert hatte. Aber es gibt einige Indikatoren dafür, dass die Geschäfte weiterhin recht gut laufen. So wurde bei den Zahlen bekannt, dass dem Unternehmen aus Düsseldorf im zweiten Quartal ein Umsatzsprung in Höhe von annähernd 70 % gelungen war. Das operative Ergebnis hat sich sogar um über 100 % positiv entwickelt.

Das Konzernergebnis für das laufende Jahr wird damit sicherlich zumindest die Erwartungen erfüllen. So jedenfalls lassen es die derzeitigen Kommentare erwarten. Das Umsatzproblem durch den Wegfall des F126-Marineprogramms durch die Bundesregierung Ende Juni scheint zumindest nicht ganz so groß zu sein. Bis zu 300 Millionen Euro werden hier als Umsatzverlust vermeldet.

Das allerdings führt Rheinmetall auch aus eigener Sicht weiterhin in einen Bereich von circa 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz. Das ist etwas weniger, als zuvor postuliert worden war, allerdings deutlich mehr als im vergangenen Jahr. 40 % Umsatzanstieg über das Gesamtjahr sind weiterhin ein Pfund für die Aktie.

Auftragsbestand ist noch einmal höher

Positiv wird weiterhin vermerkt und auch am Wochenende teils noch kommentiert, dass das Unternehmen im zweiten Quartal einen Auftragsbestand in Höhe von mehr als 80 Milliarden Euro angesammelt hat. Das wiederum ist der höchste Auftragsbestand der Unternehmensgeschichte und im Übrigen auch noch eine Steigerung um annähernd 10 % gegenüber dem Ende des ersten Quartals.

Das bestätigt wiederum, dass Rheinmetall trotz des, wie beschrieben, weggefallenen Auftrags in der Lage ist, weitere Aufträge zu akquirieren. Dies ist auf Vertragsmodalitäten mit der Bundeswehr zurückzuführen, die einige Projekte jetzt tatsächlich abgerufen hat, und insgesamt auf den weiterlaufenden europäischen Wiederaufrüstungszyklus, wie es heißt.

Das wiederum ist auch nicht unwichtig, denn Rheinmetall weist einen besonderen Makel aus Sicht der wirtschaftlich orientierten Beobachter auf. Das Unternehmen musste im zweiten Quartal einen negativen Free Cashflow vermelden. Das wiederum passt an sich gar nicht zum Umsatz, den das Unternehmen vermelden konnte.

Negativer Free Cashflow ist eine Belastung

Der negative Free Cashflow wurde vom Unternehmen allerdings ausführlich begründet. Die minus 1,616 Milliarden Euro klingen zunächst nach einem enormen Problem. Allerdings hat das Unternehmen darauf verwiesen, dass der Vorratsaufbau massiv vorangetrieben worden war. Hier ging es darum, dass Rheinmetall Liefergarantien absichern wollte und auch die großen Auftragsbestände zügig abarbeiten möchte.

Dafür wurde unter anderem auch die Produktion stark hochgefahren, wie es hieß, was wiederum dazu führt, dass erheblich Geld investiert wurde, sowohl in die Produktion als auch in den Aufbau von Lagerbeständen. Aus kaufmännischer Sicht ist dieser Ablauf nachvollziehbar. Bevor ausgeliefert wird, muss erst einmal produziert und gelagert werden. Die Rechnungen werden in späteren Zeitabschnitten gestellt, also fehlen hier zunächst die Mittel.

Zum Zweiten allerdings wies Rheinmetall darauf hin, dass sich vertraglich vereinbarte Kundenzahlungen zeitlich verschoben hätten. Dies wiederum hätte zu dem Gap zwischen Einzahlungen und Auszahlungen geführt. Die Vorabkosten, wie es hieß, für Material und Produktion waren bereits angefallen, auch wenn der Mittelzufluss stockte.

Diese Nachricht ist nicht ganz typisch und nicht ganz nachvollziehbar, weil Materialkosten und Produktionskosten ohnehin tatsächlich immer bereits getragen werden müssten. Wenn Rheinmetall die Probleme mindern wollte, müsste man die Kundenzahlungen rechtzeitig eintreiben. Insofern ist die Antwort minimal unbefriedigend.

Tatsächlich allerdings ist das Hauptproblem für Rheinmetall bei der Bewertung des Free Cashflows der Umstand, dass es hohe Investitionen, CapEx, in die Kapazitätserweiterung gab. Das ist, wie oben angedeutet, ein zwingendes Verfahren, um die Auftragsbestände tatsächlich abzuarbeiten. Es geht darum, die bestehenden Standorte auszubauen, neue Werke zu errichten oder auch Kooperationen voranzutreiben.

Reichen die Kapazitäten aus?

Das wiederum ist von den Märkten teilweise kritisch begleitet worden, insofern es über die vergangenen Monate hinweg immer wieder Fragen danach gab, ob das Unternehmen die hohen Auftragsbestände überhaupt abarbeiten könne. Die Kapazitäten reichen dafür nicht aus. Insofern ist der negative Free Cashflow wiederum auch ein Indikator dafür, dass Rheinmetall durchaus daran arbeitet, die Kapazitäten auszubauen.

Insofern fällt die in diesem Punkt etwas negative Entwicklung wohl auch weg. Es bleibt am Ende, dass das Unternehmen eher die Fantasie anregt, wonach die ohnehin feststehenden Aufträge tatsächlich in Umsätze transformiert werden können, weil die Ergebnismargen inzwischen steigen.

Ergebnismarge ist erfreulich

Im ersten Quartal noch lag die Ergebnismarge bei circa 15 %. Im zweiten Quartal konnte Rheinmetall diese Marge auf 17,1 % nach oben hieven. Steigende Umsätze sind damit mit noch höheren Gewinnen assoziiert, was bedeutet, dass Rheinmetall absolut und relativ in Zukunft noch besser verdienen wird.

Schon deshalb haben die meisten Analysten ihre jüngsten Schätzungen tatsächlich aufrechterhalten und sind auch guter Stimmung, was die Kursziele betrifft. RBC hat zum Beispiel ein neues Coverage begonnen und das Kursziel bei 1.600 Euro formuliert. Goldman Sachs hat seine Studie mit einem Kursziel von 2.300 Euro versehen. Die Deutsche Bank kam auf ein Kursziel von 1.800 Euro.

Insofern hat sich bei Rheinmetall relativ wenig geändert. Die Analysten beziehen sich bei ihren Schätzungen jeweils auf die eigenen Modelle, was bedeutet, dass vor allem die wirtschaftlichen Kennziffern und hier die Daten aus dem Quartalsbericht eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Kursziele spielen. Hier geht es ausdrücklich nicht um Trendentwicklungen.

Kursziele sind hoch

In Summe lässt sich derzeit immer noch feststellen, dass der Trend bei Charttechnikern kurzfristig schon positiv ist. Technische Analysten sehen hier noch mindestens 200 Euro, die fehlen, um wichtigste Indikatoren nach oben zu drehen. Der Trend ist also seitwärts gerichtet und vielleicht sogar etwas negativ, obwohl die Aktie zuletzt gewonnen hat.

Wirtschaftliche Modelle zeigen indes deutlich höhere Kursziele, die weit über den aktuellen Kurs hinaus gehen. Es ist durchaus möglich, dass der Markt jetzt langsam die Skepsis gegenüber Rüstungsunternehmen wieder etwas reduziert, nachdem offenbar verschiedene Unternehmen mit steigenden Kursen bewertet worden sind.

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