Rheinmetall hat am Mittwoch in Aschau am Inn den Grundstein für eine der größten und modernsten Pulverfabriken Europas gelegt. Das Projekt trägt den Namen „Firepower“ und soll die Kapazitäten des Konzerns bei Treibladungsmodulen massiv ausweiten – auf über eine Million Stück pro Jahr. Der Ausbau reiht sich in eine Serie von Meldungen ein, die den Rüstungskonzern in den vergangenen Tagen begleitet haben.
Rüstungssparte füllt Auftragsbücher weiter
Parallel zur Grundsteinlegung meldete Rheinmetall am Dienstag den Erhalt eines weiteren Abrufs der Bundeswehr im Rahmen des Digitalisierungsprogramms D-LBO. Der Auftrag über 100 Millionen Euro betrifft Hardware- und Unterstützungsleistungen für die Fahrzeugflotte und ist Teil eines bestehenden Rahmenvertrags mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro. Solche Abrufe zeigen, wie kontinuierlich der Konzern aus laufenden Rahmenverträgen Umsatz generiert, ohne dass jede Einzelmeldung das Gesamtbild grundlegend verändert.
Ebenfalls am Dienstag wurde ein Rahmenvertrag zwischen Thales und Rheinmetall bekannt: Der französische Technologiekonzern liefert optronische Sichtsysteme für gepanzerte Fahrzeuge. Bereits am 15. Juli hatten Rheinmetall und Space Norway zudem eine Absichtserklärung zur Kooperation bei der maritimen Weltraumüberwachung in der Arktis unterzeichnet – abgewickelt über das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions. Der Konzern erweitert damit sein Portfolio über die klassische Landsystemtechnik hinaus in Richtung Weltraum- und Sensorik-Anwendungen.
Kursverlauf spiegelt Sektorkorrektur
An der Börse zeigt sich nach Wochen der Schwäche eine leichte Erholung. Zum Schluss des Freitagshandels notierte die Rheinmetall-Aktie bei 1.032,60 Euro, binnen 30 Tagen legte das Papier um 9,13 Prozent zu. Von seinem 52-Wochen-Hoch aus dem Oktober bleibt der Titel aber weiterhin deutlich entfernt – der Abstand beträgt 48,55 Prozent. Der jüngste Zuwachs fällt damit eher in die Kategorie technischer Stabilisierung als in die einer nachhaltigen Trendwende, zumal der Relative-Stärke-Index bei 47,2 auf eine neutrale Marktverfassung hindeutet.
Bereits Anfang Juli hatte Barclays sein Kursziel für Rheinmetall auf 2.000 Euro angepasst und dabei trotz der seinerzeit einsetzenden Sektorkorrektur an einer optimistischen Einschätzung festgehalten. Die aktuelle Nähe des Aktienkurses zu diesem Zielwert – aktuell liegt er bei rund der Hälfte davon – verdeutlicht, wie stark sich die Bewertung der Rüstungswerte seit dem Herbsthoch verschoben hat.
Ausblick auf Quartalszahlen
Anleger richten den Blick nun zunehmend auf den 6. August, wenn Rheinmetall seinen Bericht zum zweiten Quartal 2026 veröffentlicht. Die Zahlen dürften zeigen, ob sich die Serie an Neuaufträgen und Rahmenvertragsabrufen bereits in Umsatz und Marge niederschlägt – und ob der Ausbau von Projekten wie „Firepower“ die mittelfristigen Kapazitätsziele des Konzerns untermauert. Bis dahin bleibt die Aktie im Spannungsfeld zwischen operativer Auftragsdynamik und der spürbaren Bewertungskorrektur seit dem Jahreshoch.
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