Rheinmetall-Aktie: Der Fehler der Börse!

Trotz Rekordumsatz und Gewinnsprung fällt die Rheinmetall-Aktie deutlich. Analysten sehen den Rüstungskonzern weiterhin unterbewertet und halten an hohen Kurszielen fest.

Auf einen Blick:
  • Kursrutsch trotz starker Quartalszahlen
  • Operativer Gewinn übertrifft Erwartungen deutlich
  • Umsatzprognose nach F126-Storno gesenkt
  • Analysten sehen weiteres Kurspotenzial

Liebe Leserinnen und Leser,

einen sehr schwachen Tag hat gestern die Aktie von Rheinmetall hinter sich bringen müssen. Die Notierungen haben auf breiter Front enttäuscht. Die Aktie ist um 4,94 % nach unten gelaufen. Das war ein Abschlag von 60 Euro, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hatte. Die Notierungen sind auf 1.153,80 Euro gefallen. Im Tagesverlauf hatte die Aktie durchaus Kursniveaus von mehr als 1.220 Euro erreicht. Am späteren Nachmittag ging es dann allerdings deutlich nach unten.

Die Quartalszahlen haben keine Erleichterung für die aktuelle Stimmung gebracht

Überraschend war dies, weil das Unternehmen seine Quartalsergebnisse bekannt gegeben hatte. Diese wiederum waren zumindest nicht schwächer als gedacht, in manchen Punkten sogar etwas besser. Sie bestätigten im Wesentlichen das, was vorab diskutiert worden war.

Der operative Gewinn von Rheinmetall war im zweiten Quartal auf 562 Millionen Euro geklettert. Die Konsensschätzungen der Analysten lagen bei 470 Millionen Euro. Damit lag der operative Gewinn fast 20 % über den Erwartungen. Dies wurde mit den offiziellen Quartalszahlen bestätigt, und dennoch haben die Börsen darauf nicht positiv reagiert.

Der Quartalsumsatz ist im Jahresvergleich sogar um gut 69 % geklettert und erreichte 3,29 Milliarden Euro. Auch der Auftragsbestand wurde noch einmal bestätigt. Hier befinden sich Aufträge im Volumen von mehr als 80 Milliarden Euro im Portfolio. Nach dem ersten Quartal waren es noch rund 73 Milliarden Euro gewesen. Beide Werte lagen jeweils auf Rekordniveau.

Hoher Auftragsbestand durch überragende Auftragseingänge

Insofern hat Rheinmetall sicherlich nicht enttäuscht. Die Auftragseingänge im zweiten Quartal lagen bei gut 11,37 Milliarden Euro. Auch das ist eine starke Leistung von Rheinmetall gewesen.

Die Börsen haben sich dennoch auf andere Punkte konzentriert. Vor allem die Jahresprognose nach der Stornierung des F126-Fregattenprojekts Ende Juni sorgte weiterhin für Irritationen. Das Unternehmen hat seine Umsatzprognose um knapp 0,3 Milliarden Euro nach unten geschraubt. Jetzt rechnet Rheinmetall mit einem Umsatz von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Zuvor waren es rund 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro gewesen.

Das F126-Fregattenprogramm, welches das deutsche Verteidigungsministerium gestrichen hatte, ist allerdings an sich ein Faktor, der schon länger bekannt ist und eigentlich keine größere Rolle mehr spielen dürfte.

Free Cash Flow kann hier zum Engpass geworden sein

Ein zweites Problem, allerdings ebenfalls bereits bekannt, ist sicherlich der operative Free Cashflow. Dieser war im zweiten Quartal negativ und fiel auf minus 1,36 Milliarden Euro. Hier wurden Vorräte aufgebaut und entsprechend finanziert. Zudem haben Kunden Anzahlungen verschoben, bevor es zu Auslieferungen kam. Insofern lässt sich diese Entwicklung erklären. Eine besondere Gefahr für Rheinmetall ergibt sich daraus derzeit sicherlich nicht. Das Unternehmen müsste auf Basis der verschobenen Kundenzahlungen eigentlich künftig über hinreichend Finanzmittel verfügen können.

Dennoch haben sich die Börsen dafür entschieden, Rheinmetall deutlich nach unten zu schicken. Die Schlagzeilen hatten es entsprechend in sich. So wurde etwa die Frage gestellt, ob nach den heftigen Kursgewinnen der vergangenen Zeit die Munition bereits wieder verschossen sei.

Rheinmetall Aktie Chart

Das Unternehmen selbst dürfte einer solchen Einschätzung kaum zustimmen, denn an den Ausgangsbedingungen hat sich tatsächlich wenig geändert. Die NATO hatte noch vor wenigen Wochen bei ihrem Treffen in Ankara darauf hingewiesen, dass die Rüstungsindustrie weiterhin mit neuen Aufträgen rechnen kann. Ebenso ist klar, dass Rheinmetall davon insbesondere in Europa massiv profitieren dürfte.

Rheinmetall: Immer weiter

Rheinmetall hat zudem in jüngster Zeit mehrere große Projekte angestoßen. Dazu zählen beispielsweise Vereinbarungen mit einem norwegischen Staatsunternehmen im Bereich der maritimen Überwachung.

Rheinmetall hat zudem Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Herstellung amerikanischer Raketen in Deutschland getroffen. Hinzu kommen weitere Munitionsaufträge sowohl aus Deutschland wie auch aus der Ukraine und zudem ein milliardenschwerer Großauftrag aus Rumänien.

Analysten bleiben bei ihren hohen Kurszielen!

Damit hat sich für das Unternehmen im Wesentlichen recht wenig geändert. Aus Sicht der Analysten wird Rheinmetall weiterhin unterschätzt. Die Kursziele haben sich im Grunde genommen kaum verändert. Derzeit gehen die Analysten im Durchschnitt weiterhin davon aus, dass ein Kursziel von etwa 1.695 Euro gerechtfertigt ist.

Fraglich ist natürlich, woher der nächste Impuls kommen soll, wenn es selbst nach diesen Quartalszahlen noch nicht zu einem Ausbruch kommt. Trotz allem bleibt Rheinmetall einer der Favoriten der Branche, selbst wenn die Börsen derzeit nicht entsprechend reagieren.

Operative Ergebnismarge: Gute Chancen

Einige Fakten unterstreichen diese Einschätzung. Rheinmetall hatte sich für das laufende Jahr eine operative Ergebnismarge von 18 bis 19 % zum Ziel gesetzt. Im ersten Quartal lag diese bei 15 %. Im nun berichteten zweiten Quartal waren es bereits 17,1 %. Rheinmetall bestätigte zudem erneut, dass die operative Ergebnismarge im Gesamtjahr bei 19 % liegen soll.

Darüber hinaus hat das Unternehmen zuletzt auch das operative Konzernergebnis um 333 Millionen Euro steigern können. Es ging von 453 Millionen Euro auf 786 Millionen Euro nach oben. Das entspricht einem Zuwachs von 74 %. Insofern gibt es auch hier weiterhin nur eine Richtung, und die zeigt nach oben.

Das Unternehmen wies schließlich darauf hin, dass die Book-to-Bill-Ratio einen Wert von mehr als 3 erreicht habe. Dies sei, so erklärte CEO Papperger, bemerkenswert hoch, auch im Vergleich zum Wettbewerb.

Der Ausblick bleibt positiv

Insgesamt hat sich das Bild für das Unternehmen damit unter dem Strich sogar noch leicht verbessert. Die beiden größten und wichtigsten Punkte für die kommenden Wochen und Monate sind nun nicht die Umsätze, die sicherlich weiter steigen werden, sondern zum einen die operative Ergebnismarge, die tatsächlich 19 % erreichen muss, und zum anderen der Free Cashflow.

Sollte Rheinmetall hier nicht enttäuschen, dürfte die Mehrheit der Börsianer irgendwann zu der Einschätzung gelangen, dass das Unternehmen deutlich mehr wert ist. Dann wäre sicherlich auch ein Ausbruch möglich, wie ihn die Analysten derzeit offensichtlich weiterhin erwarten.

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