Liebe Leserinnen und Leser,
Vor der neuen Woche sieht es für Rheinmetall ausgesprochen abenteuerlich aus. Die Notierungen sind am Freitag erneut um 1,01 % nach unten gelaufen. Das ist insofern eine Enttäuschung gewesen, als man an den Börsen die leise Hoffnung hatte, dass es bergauf gehen könnte. Das ist zum Wochenende tatsächlich erst einmal nicht geschehen.
Auch die Entwicklung am Nachrichtenmarkt war nicht so gut, dass man jetzt glauben würde, der nächste Durchbruch stünde direkt bevor. Rheinmetall hat zwar neue Ankündigungen in Aussicht gestellt. Das allerdings ist naturgemäß noch ein offener Prozess.
Worum geht es?
Die Aktie hat am Freitag einen Kurs in Höhe von 1.037,56 Euro erreicht. Das ist viel zu schwach, um davon auszugehen, dass der Aufwärtstrend direkt vor der Tür stünde. Ganz konkret fehlt sogar noch zum GD100 ein kleiner Kursgewinn. Vor allem aber ist die 200-Tage-Linie weit entfernt. Sie verläuft bei 1.268,44 Euro. Das ist viel zu weit entfernt.
Was man der Aktie bezogen auf den Kursverlauf positiv zuschreiben kann und muss, ist der Umstand, dass sie zwei Unterstützungen verteidigen konnte. Diese Unterstützungen waren jeweils in der ersten Oktoberhälfte bei circa 926 Euro und zuvor Mitte Juli erreicht worden. Sie wurden in dieser Woche nicht annähernd angegriffen.
Das bedeutet, die Aktie befindet sich zumindest noch in einem kleinen charttechnischen Erholungsmodus. Das ist derzeit alles, was direkt nach steigenden Kursen aussehen könnte. Statistiker führen allerdings an, dass die Aktie innerhalb der vergangenen vier Wochen immerhin noch ein Plus von 9,4 % schaffte.
Das alles ist noch nicht hinreichend, um hier einen Stimmungswechsel zu attestieren. Die Trendwechsel sind viel zu weit entfernt.
Einen Stimmungswechsel könnte die Aktie möglicherweise durch wirtschaftlich interessante Nachrichten auslösen. Die allerdings haben in den vergangenen Tagen und Wochen oftmals nicht geholfen.
Rheinmetall hat zuletzt einen Optionsauftrag präsentieren können, der an den Börsen gleichfalls nicht für nachhaltig gute Stimmung sorgte. Ganz konkret hat das Unternehmen einen Optionsauftrag über 69 weitere radbasierte Schützenpanzer vom Typ Schakal erhalten.
Das bedeutet, dass Rheinmetall hier tatsächlich ausliefern darf. Optionsprogramm heißt, dass die Auftraggeber, nämlich Deutschland und die Niederlande, bereits einen Vertrag mit Rheinmetall geschlossen hatten, wonach solche Panzer abgerufen werden dürfen. Genau das ist jetzt geschehen.
Die Zahl der Panzer, die auf der sogenannten Boxer-Plattform gebaut werden, hat sich damit bezogen auf die Bestellungen auf 291 erhöht.
Das wiederum ist nicht direkt ergebniswirksam. Die Auslieferung der jetzt im Rahmen des Optionsprogramms neu bestellten Fahrzeuge wird von 2032 bis 2033 erfolgen. Und dennoch ist dies bei einem Auftrag im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich zumindest eine Nachricht gewesen, die durchaus für Interesse hätte sorgen können.
Zwar stiegen die Kurse am Donnerstag, allerdings kam am Freitag entsprechend gleich wieder der Rückschlag.
Rheinmetall hatte zuvor zusammen mit Leonardo einen Auftrag aus Italien erhalten. Hier geht es um die Lieferung von Panzern im Umfang von 3,7 Milliarden Euro. Mit Leonardo hat Rheinmetall eine Kooperation, die genau für Aufträge aus Italien konzipiert worden war.
Insofern ist diese Milliardennachricht nicht extrem unerwartet eingetroffen. Allerdings kam sie zu einem recht günstigen Zeitpunkt, da die Aktie, wie oben beschrieben, in einem Abwärtstrend verläuft und sich eigentlich stabilisieren sollte.
Tatsächlich gelang all dies jetzt nicht.
Die Notierungen werden in den kommenden Tagen sicherlich aus einem anderen Grund heiß diskutiert werden. Am 5. November stehen die nächsten Quartalszahlen an. Rheinmetall wird für das dritte Quartal 2026 berichten.
Dies dürfte zumindest keine negativen Überraschungen bringen. Rheinmetall hatte im Laufe dieses Jahres die Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr minimal korrigiert. Es sollen nur noch 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt werden statt 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro, wie zuvor geschätzt worden war.
Hintergrund war hier die Absage des Auftrags für F126-Fregatten durch das Verteidigungsministerium Ende Juni. Das allerdings ist längst in die Kursentwicklung eingearbeitet. Die Aktie leidet sicher nicht mehr unter den Umsatzerwartungen.
Insofern sind die Quartalszahlen sicherlich eine gute Gelegenheit, möglicherweise sogar steigende Kurse zu initiieren.
Tatsächlich wird Rheinmetall für eine hohe Marge sorgen. Das Ziel für das laufende Jahr liegt bei gut 19 %. Genau daran glauben die Düsseldorfer offensichtlich. Sie müssen dies in den Quartalszahlen bestätigen.
Wahrscheinlich wird auch der Auftragseingang dafür sorgen, dass das Auftragsvolumen einen neuen Rekordbestand erreicht. Am Ende des vergangenen Quartals waren es etwas über 80 Milliarden Euro. Das Jahresziel liegt inzwischen laut dem CEO des Unternehmens bei 100 Milliarden Euro.
Das heißt, hier wird erneut ein interessanter Auftragseingang vermeldet werden. Das rundet das Geschehen insgesamt ab. Die Erwartungen dürften also letztlich sogar positiv ausfallen für die Quartalszahlen am 5. November.
Die Börsen lassen sich dennoch nichts anmerken.
Was ist derzeit das Problem?
Wahrscheinlich zum einen der fehlende Glaube an das Unternehmen, bezogen auf den Ausbau der Kapazitäten. Tatsächlich brauchen Unternehmen wie Rheinmetall und andere Rüstungsunternehmen steigende Kapazitäten. Erst dann wird es möglich sein, die hohen Auftragsvolumina tatsächlich zu bearbeiten.
Das Misstrauen scheint am Markt immer noch hoch zu sein.
Dazu kommen hohe Zinsen, die möglicherweise langfristig die Auftragsvergabe durch verschiedene Staaten etwas reduzieren. Die Aktie von Rheinmetall hat jedenfalls seit einigen Wochen erleben müssen, dass die Börsen ausgesprochen zinssensitiv reagiert haben.
Zuletzt waren immerhin in den USA durch die Fed die Zinsen nicht mehr erhöht worden. Das ist ein kleines, ordentliches Zeichen. Allerdings sind die Renditen am Anleihenmarkt weiterhin so hoch, dass man vermuten muss, dass die Zinsen insgesamt steigen werden.
Letztlich spielt das Rheinmetall nicht in die Karten. Rheinmetall wird in diesem Punkt also immer noch skeptisch betrachtet, wie auch andere Rüstungsunternehmen.
Die hohen Zinsen, die relativ schwachen Erwartungen zum Cash-Bestand des Unternehmens und die fehlenden Kapazitäten, die immer wieder thematisiert werden, verhindern derzeit noch einen Ausbruch nach oben.
Rheinmetall Aktie Chart
Am 5. November allerdings steht die Aktie jetzt mit den Quartalszahlen auf dem Prüfstand. Die Aussichten gelten insgesamt als gut. Analysten haben zuletzt die Kursziele im Kern bestätigt.
Die durchschnittlichen Ziele liegen bei über 1.550 Euro. Die Aktie hätte also noch über 500 Euro Spielraum nach oben.
Die neue Woche wird damit extrem spannend für Rheinmetall und möglicherweise sehr aussichtsreich.
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