Die Düsseldorfer Rheinmetall gab gesternnach einer Neueinstufung kräftig nach. Die Notierungen sind um -1,65 % nach unten durchgesackt und kommen auf ein Niveau von nur noch 1213,10 Euro. Damit hat die Aktie aus der Wahrnehmung der Beobachter einen heftigen Schlag erlitten. Denn die Erholung setzte erst vor wenigen Tagen etwas ein, ohne bis dato zu einem Durchbruch zu führen. Die Notierungen sind und bleiben im Abwärtstrend.
Die UBS senkt den Daumen
Die UBS senkte dabei den Daumen, stuft die Aktie der Rheinmetall allerdings noch immer auf „buy“ ein. Das neue Kursziel sieht die UBS nun bei 1.600 Euro.
Rheinmetall Aktie Chart
Zur Einordnung: Bis dato hatte die UBS das künftige Kursniveau der Rheinmetall auf 2.200 Euro taxiert. Der Analyst, Sven Weier, befasst sich auch mit der Strategie des Konzerns. Der konzentriert sich auf Munition und Fahrzeuge (und hat damit sein früheres Betätigungsfeld deutlich verändert). Weier nun betont, dass die Rüstungsausgaben verstärkt in neue Technologie fließen würden. Rheinmetall aber könne „in der Zwischenzeit immer noch von hybriden Lösungen profitieren“.
Dies wiederum wäre nicht eingepreist. Der Kurs würde kein Wachstum im Munitionsgeschäft mehr über das laufende Jahr hinaus berücksichtigen.
Die Analysten insgesamt aber sind noch immer zuversichtlich. Die durchschnittlichen Schätzungen für den Konzern bewegen sich auf einem Niveau von gut 1.950 Euro. Damit hätte die Aktie noch erhebliche Chancen. Mindestens 50 % Kursplus wären grob kalkuliert von dieser Aktie demnach noch immer zu erwarten.
Der Markt sieht das offenbar anders. Es fehlt aus Sicht der technischen Analyse eindeutig an Kraft. Es fehlen aktuell noch immer rund 400 Euro bis zum GD200, der die technische Wende aus langfristiger Sicht einläuten könnte.
Grundlage der so deutlichen Kursverluste sind wohl in erster Linie zwei Befürchtungen. Und das seit Monaten. Sehen wir uns die Entwicklung also an.
Rheinmetall: Frieden wäre für die Düsseldorfer eher kein Problem
Die Märkte haben den Rüstungsunternehmen allgemein und der Rheinmetall speziell auch immer dann die kalte Schulter gezeigt, wenn wieder massive Ängste vor einem „Frieden“ auftauchten. Dies gilt sowohl für den Nahen und den Mittleren Osten als auch für die Ukraine. Nun hat die Sorge vor einem möglichen Frieden derzeit vielleicht auch neue Nahrung erhalten. Denn in Russland scheint sich die Opposition gegen Präsident Putiin aufzustellen.
Ob die Gerüchte, die teils nur in der deutschen Klatschpresse zu sehen sind, am Ende tatsächlich stimmen, ist noch offen. Würde es zu Friedensverhandlungen kommen oder aber sogar zu einem dauerhaften Frieden, wäre Rheinmetall als Rüstungsunternehmen dennoch kaum betroffen. Denn die aktuellen Debatten gehen daran vorbei, dass die Düsseldorfer längst schon sehr prominent in der Ukraine vertreten sind. Mit Fabriken zum Beispiel.
In einer Nachkriegsphase dann würden die Ukraine über lange Zeit den Aufbau des Landes und vor allem der Militärausrüstung betreiben müssen. Es gilt, auch im Namen der EU, auf Bewertungen eines Friedens zu verzichten: Es wird mit hoher Sicherheit schlicht aufgerüstet. Die Angst für die Rheinmetall ist demnach also vollkommen unbegründet (oder auch: Leider). Sei es drum, die Märkte werden eines Tages genau dies feststellen, wenn sie sich die Entwicklung in der Bilanz betrachten. Die Auftragswelle, auch aus der Ukraine, rollt immer weiter.
Die zweite Sorge: Die Kapazitäten
Zudem aber haben die Börsen die Kurse (der gesamten Rüstungsindustrie) gen Süden geschickt, weil die Angst besteht, die Aufträge nicht verarbeiten zu können. Die Rheinmetall hat ein Auftragsvolumen in Höhe von 73 Mrd. Euro bei aktuell erwartbaren Jahresumsätzen zwischen 14 und 14,5 Mrd. Euro. Der Betrieb also muss größer werden. Rheinmetall lässt erkennen, dass das Unternehmen genau darüber schon lange verhandelt. Es gibt keinen größeren Anlass, dass ausgerechnet die Kapazitäten zum Problem würden.
Daher gilt noch immer das Wort von Analysten insgesamt: Mehr als 1.970 Euro sind im Mittel danach bei der Aktie noch drin. Das wäre ein Aufschlag von über 700 Euro!
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