Liebe Leserinnen und Leser,
vor der neuen Woche sieht es für die Rheinmetall aus Düsseldorf weiterhin nicht besonders gut aus. Die Aktie schloss am Freitag bei 992 Euro. Damit war das Papier um 2,9 % nach unten gelaufen. Zwar hatte sich die Aktie zwischenzeitlich leicht erholt und rund 980 Euro erreicht, sie schaffte es jedoch nicht mehr über die wichtige Marke von 1.000 Euro. Das ist bezeichnend für die aktuelle Situation. Die Rheinmetall kommt derzeit nicht entscheidend von der 1.000-Euro-Marke weg.
1.000 Euro ein Bremsklotz
Nun wird die Frage sein, wie sich das Papier unter diesem charttechnischen Druck weiterentwickeln kann. Zur Einordnung: Anfang März hatte die Aktie noch einen Wert von über 1.600 Euro. In der Spitze zu Jahresbeginn war der Kurs sogar auf annähernd 1.950 Euro geklettert. Ausgehend vom Hoch hat sich die Aktie damit über mehrere Monate hinweg nahezu halbiert.
Neue Nachrichten rund um Rheinmetall gab es zuletzt nur wenige. Die Stimmung wird derzeit weiterhin von den Diskussionen um den Verlust des F126-Fregattenauftrags geprägt, der vor rund zwei Wochen bekannt wurde. Andere positive Nachrichten konnten der Aktie bislang ebenfalls nicht helfen.
Memorandum mit Lockheed Martin
So reagierten die Börsen kaum auf die neue Zusammenarbeit mit Lockheed Martin. Im Rahmen eines Memorandum of Understanding, das beim NATO-Treffen in Ankara vereinbart wurde, wollen beide Unternehmen künftig ATACMS-Lenkwaffen gemeinsam produzieren. Die Fertigung soll am Rheinmetall-Standort Unterlüß erfolgen. Bemerkenswert ist dabei, dass dies die erste Produktionsstätte für diese Systeme außerhalb der USA sein wird.
Ab Anfang 2027 soll dort die Produktion von Lenkkomponenten und Raketentriebwerken beginnen. Ebenfalls 2027 soll die vollständige Fertigung anlaufen. Bis 2029 soll die Produktion weiter ausgebaut werden. Dann sollen nach derzeitigen Planungen jährlich 600 bis 800 Einheiten gefertigt werden, um den Bedarf in Europa und der Ukraine zu decken. Mit dieser Vereinbarung möchte Rheinmetall seine Sparte für taktische Raketensysteme langfristig auslasten. Die Systeme sind vor allem für die NATO-Ostflanke vorgesehen, unter anderem für die baltischen Staaten und Finnland.
Diese Vereinbarung hat an den Börsen allerdings ebenso wenig Eindruck hinterlassen wie andere Nachrichten, die grundsätzlich für die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens sprechen. So möchte Rheinmetall gemeinsam mit Airbus ein nationales militärisches Satellitennetzwerk für Deutschland aufbauen. Ziel ist eine souveräne und hochsichere Kommunikation. Das Projekt passt zu den Plänen der Bundesregierung, künftig Milliardenbeträge in den Ausbau der Weltrauminfrastruktur zu investieren.
Börsen sind kritischer bei Rüstungswerten
Die Börsen verfolgen derzeit jedoch offenbar eine andere Sichtweise. Nicht nur Rheinmetall, sondern auch Renk werden seit Monaten kritischer bewertet. Ein Grund dürfte sein, dass die Märkte Zweifel haben, ob die Unternehmen die notwendigen Kapazitäten rechtzeitig aufbauen können. Rheinmetall verfügt inzwischen über einen Auftragsbestand von mehr als 70 Milliarden Euro.
Diese Aufträge müssen in den kommenden Jahren abgearbeitet werden. Dafür sind erhebliche Investitionen in zusätzliche Kapazitäten erforderlich. Genau daran entzünden sich derzeit die Zweifel vieler Investoren.
Ob diese Skepsis gerechtfertigt ist, bleibt offen. Wirtschaftlich dürfte Rheinmetall weiterhin gute Zahlen liefern. Bei einem erwarteten Jahresumsatz von rund 14 Milliarden Euro wird das Unternehmen derzeit mit etwa 46,4 Milliarden Euro bewertet. Daraus ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwas über drei.
Analysten halten die Aktie dennoch für deutlich unterbewertet. Nach ihrer Einschätzung rechtfertigt der entgangene F126-Auftrag die Kursverluste keineswegs. Zwar wird Rheinmetall dadurch Umsätze verlieren, jedoch nicht in einer Größenordnung, die den starken Kursrückgang erklären würde.
Rheinmetall Aktie Chart
Analysten sind durchaus sehr zuversichtlich!
Die durchschnittlichen Kursziele liegen derzeit bei rund 1.720 Euro. Damit notiert die Aktie deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Der Ausblick auf die neue Woche bleibt deshalb zweigeteilt: Aus charttechnischer Sicht befindet sich Rheinmetall klar im Abwärtstrend und ist unterhalb der Marke von 1.000 Euro angeschlagen. Aus Sicht der Analysten ist die Aktie dagegen weiterhin massiv unterbewertet. Wenn aktuell über 700 Euro fehlen, sind demnach mindestens 70 % Kurspotenzial drin. Das hängt indes von der Laune bei den Rüstungsaktien insgesamt ab.
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