Liebe Leserinnen und Leser,
mehr als 80 Milliarden Euro Auftragsbestand, 13,7 bis 14 Milliarden Euro erwarteter Jahresumsatz und eine operative Marge, die zum Jahresende auf gut 19 % steigen soll: Wirtschaftlich liefert Rheinmetall weiterhin starke Zahlen. An der Börse sieht das Bild völlig anders aus. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 38,7 % verloren und ist inzwischen unter 1.000 Euro gerutscht.
Rheinmetall ist inzwischen statistisch betrachtet fast verloren
Neue Nachrichten, die diese Entwicklung erklären könnten, gab es am Wochenende nicht. Der Markt arbeitet sich weiter an den bekannten Fragen ab. Dazu gehört das ausgebliebene F126 Fregattenprogramm der Bundeswehr. Rheinmetall hatte sich von diesem Geschäft erhebliche Umsätze versprochen. Nach dem Ausfall wurden die Erwartungen für den Jahresumsatz von ursprünglich 14 bis 14,5 Milliarden Euro auf 13,7 bis 14 Milliarden Euro zurückgenommen.
Gemessen am Kursverlust ist dieser Rückgang überschaubar. Zumal der Auftragsbestand weiter wächst. Nach rund 73 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals meldete Rheinmetall zuletzt mehr als 80 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von annähernd 10 %. CEO Armin Papperger hält zum Jahresende sogar einen Auftragsbestand von 100 Milliarden Euro oder etwas mehr für möglich.
Sollte Rheinmetall diese Größenordnung erreichen, würde einem Jahresumsatz von circa 14 Milliarden Euro ein Auftragsbestand von rund 100 Milliarden Euro gegenüberstehen. Das wäre mehr als das Siebenfache des Jahresumsatzes.
Margen sind von der Rheinmetall gleichfalls zumindest positiv gestaltet
Auch bei den Margen ging es kräftig voran. Im ersten Quartal lag die operative Marge noch bei 11,6 %. Im zweiten Quartal wurden bereits 17,1 % erreicht. Die höhere Auslastung und die wachsende Produktion bei Fahrzeugen und Munition machen sich bemerkbar. Zum Jahresende hält Papperger gut 19 % für möglich. Im vergangenen Jahr waren es 18,5 %.
Damit würde Rheinmetall im laufenden Jahr den Umsatz um circa 40 % steigern und gleichzeitig die operative Marge weiter verbessern. Bis 2030 reichen die Ziele noch erheblich weiter. Bei einem angestrebten Umsatz von gut 50 Milliarden Euro soll die operative Marge auf mehr als 20 % steigen. Gegenüber einem Jahresumsatz von derzeit rund 14 Milliarden Euro würde sich der Umsatz damit mehr als verdreifachen.
Analysten bleiben ruhig
Die Analysten lassen sich von der Kursschwäche bislang ebenfalls kaum umstimmen. Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei etwas mehr als 1.640 Euro. Einzelne Schätzungen reichen bis ungefähr 2.300 Euro. Selbst die niedrigsten Kursziele bewegen sich je nach Analyst zwischen etwa 1.050 Euro und 1.350 Euro. Vom aktuellen Kursniveau aus ergibt sich beim durchschnittlichen Kursziel damit weiterhin ein erhebliches rechnerisches Potenzial.
Rheinmetall Aktie Chart
Die Börse interessiert sich derzeit allerdings stärker für die Risiken. Das betrifft nicht nur Rheinmetall. Auch andere Rüstungsaktien sind erheblich unter Druck geraten. Ein wesentlicher Zweifel betrifft die Frage, wie schnell die Unternehmen ihre Kapazitäten ausbauen können, um die riesigen Auftragsbestände tatsächlich abzuarbeiten.
Bei Rheinmetall kommt der zuletzt negative Free Cashflow hinzu. Das Unternehmen begründet ihn unter anderem mit dem Aufbau von Vorräten und verzögerten Aufträgen, durch die sich auch Zahlungen nach hinten verschieben. Gerade in einer Phase, in der hohe Investitionen für zusätzliche Produktionskapazitäten notwendig sind, schaut die Börse auf den Cashflow besonders kritisch.
Zinsen können zur Belastung werden
Auch die höheren Zinsen spielen eine Rolle. Sie verteuern die Finanzierung für Unternehmen und erhöhen gleichzeitig die Finanzierungskosten der Staaten. Damit wird auch die Frage wichtiger, wie schnell die angekündigten Verteidigungsausgaben tatsächlich in neue Aufträge umgesetzt werden.
An der Börse hat diese Skepsis inzwischen deutliche Spuren hinterlassen. Rheinmetall liegt 11,8 % unter dem GD100 und 27,9 % unter der 200 Tage Linie. Mit dem Fall unter 1.000 Euro hat sich auch das Chartbild verschlechtert. Als nächste Unterstützung gilt der Bereich zwischen 960 Euro und 970 Euro. Darunter würde aus Sicht der Charttechnik weiterer Druck drohen.
1.000 Euro werden jetzt zu einem wichtigen Zwischenziel für die Rheinmetall
Für eine erste Entspannung müsste die Aktie zunächst wieder über 1.000 Euro steigen. Für eine größere technische Wende wäre deutlich mehr notwendig. Die 200 Tage Linie liegt inzwischen in einer Größenordnung von fast 1.300 Euro.
Damit bleibt Rheinmetall an der Börse unter erheblichem Druck. Mehr als 80 Milliarden Euro Auftragsbestand, ein mögliches Jahresendziel von 100 Milliarden Euro, bis zu 14 Milliarden Euro Umsatz und eine erwartete operative Marge von gut 19 % stehen derzeit einer Aktie gegenüber, die 38,7 % seit Jahresbeginn verloren hat und 27,9 % unter ihrer 200 Tage Linie notiert.
Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 28. September liefert die Antwort:
Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
