Liebe Leserinnen und Leser,
für Rheinmetall sieht es derzeit etwas schwieriger aus. Die Notierung der Düsseldorfer ist zuletzt auf 1.155,70 Euro heruntergeklappt. Damit ist die Aktie wieder deutlicher im Abwärtstrend und muss darum kämpfen, den Anschluss nach oben wieder schnell herzustellen. Die konkrete Ausgangsposition ist vor allem aus Sicht der Chartanalysten wieder etwas fragiler. Die Aktie müsste mindestens auf über 1.200 Euro steigen, wenn es hier einen Turnaround geben sollte. Das allerdings ist derzeit müßig.
Rheinmetall: Die Branche ist insgesamt massiv unter Druck greaten und kämpft um den Anschluss
Rheinmetall kann derzeit auf der realen Seite sozusagen machen, was es will: Die Börsen reagieren allenfalls sehr schleppend auf die Entwicklungen aus Düsseldorf. Schlechte Nachrichten allerdings werden sofort bestraft. So hat jüngst das Verteidigungsministerium eine Verzögerung zum Anlass für eine Beschwerde über die Rheinmetall genommen.
Die Düsseldorfer liefern „Skyranger“ zur Dronenabwehr nicht wie ursprünglich avisiert 2026 aus, sondern den jüngsten Erklärungen nach 2027. Das Unternehmen sprach in einer Replik auf die Beschwerder der Bundesregierung davon, dass die Verzögerung sich auf nur fünf Monate beziehe. Zudem sei dies auf Änderungen im Auftrag des Auftraggebers zurückzuführen, sprich: Hier der Bundeswehr bzw. des Verteidigungsministeriums. Dennoch scheinen die Börsen u.a. auch dies nicht goutiert zu haben, die Aktie wurde schwächer.
Dabei scheint das Geschäft der Rheinmetall unabhängig davon weiter zu laufen. Zuletzt war ein Auftrag von der Bundeswehr bekannt geworden. Hier war ein Abruf aus einem festen Auftragsbestand gestartet worden. Das Auftragsvolumen in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro spielt offensichtlich an den Börsen wiederum keine Rolle. Es wird weiter verkauft.
Rheinmetall Aktie Chart
Dies ist eher auf die gesamte Schwäche der Branche zurückzuführen. Auch Rheinmetall hatte sich schwächer gezeigt, sowohl charttechnisch wie auch technisch insgesamt. Das deutet auf ein größeres Problem der Branche an den Aktienmärkten hin. Ganz konkret geht es darum, dass immer noch die Frage auftaucht, ob die großen Auftragsvolumina der Unternehmen hier von den Kapazitäten her tatsächlich abgearbeitet werden können.
Rheinmetall zum Beispiel hat einen Rekordauftragsbestand in Höhe von rund 80 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende sollen es nach Unternehmensangaben 100 Milliarden Euro oder sogar noch mehr werden. Diese Zahl war bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen vor kurzem genannt worden. Damit hat die Rheinmetall das Tempo bei der Auftragsakquise aktuell sogar noch einmal erhöhen können. Aus Sicht der Börsen ist dies wohl einerlei.
Doch dies wäre ein enormer Schritt für die Rheinmetall. Denn damit wäre bei einem aktuellen Gesamtumsatz im laufenden Jahr von circa 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro rechnerisch der Umsatz in den kommenden Jahren gesichert. Im Jahr 2030 sollen nach vorhergehenden Schätzungen die Umsatzvolumina sogar einen Umfang von 40 bis 45 Mrd. Euro erreichen. All das wäre jetzt in der Pipeline bereits sichtbar.
Voraussetzung aber ist, wie geschrieben, dass die Kapazitäten aufgebaut werden. Und um die Kapazitäten aufzubauen, braucht es hinreichend Zahlungsmittel.
Free Cash Flow scheint noch immer ein Problem für die Rheinmetall zu sein
Rheinmetall hat allerdings zum zweiten Quartal einen negativen Free Cashflow gemeldet. Das war auf bestimmte Aktivitäten zurückzuführen, die wiederum erklärbar sind. So hat Rheinmetall unter anderem Lagerbevorratung betrieben, um die Auftragsvolumina schnell abarbeiten zu können.
Die Märkte stören sich allerdings weiterhin an der reinen Kennzahl. Es ist offensichtlich, dass es noch größere Zweifel gibt, dass die Aufträge tatsächlich abgearbeitet werden.
Wie diese Zweifel beseitigt werden können, ist offen. Der Markt insgesamt hat bei verschiedenen Unternehmen auf die Bremse getreten. Auch bei der Renk scheint es ähnliche Zweifel zu geben, bei der Hensoldt waren teils ähnliche Bedenken geäußert worden (wenngleich die Aktie deutlich stärker geworden ist).
Marge bei der Rheinmetall ist noch einmal deutlich höher
Zur schlechten Stimmung indes hat die Rheinmetall recht wenig beigetragen. Die Schätzungen fürs laufende Jahr, bezogen auf die Ergebnismargen, sind recht ordentlich. Die Düsseldorfer möchten eine Margen von 19 % erreichen. 17,1 % waren es im zweiten Quartal, was wiederum eine deutliche Steigerung gegenüber dem ersten Quartal gewesen ist. Für das erste Vierteljahr hatte die Rheinmetall eine Ergebnismarge von lediglich 15,0 % gemeldet. Die Düsseldorfer sind gerade bezogen auf die Profitabilität auf dem richtigen Weg.
Kein Durchbruch an der Börse in Sicht
Die Aktie von Rheinmetall ist daraufhin minimal gestiegen. Allerdings gab es noch keinen wesentlichen Durchbruch für das Papier. Insofern scheint der Markt derzeit die tatsächlich bestehenden Finanzkennzahlen kaum zu berücksichtigen. Rheinmetall selbst bleibt damit, wie geschrieben, im Abwärtstrend.
Analysten sind ganz anderer Meinung. Es gibt zwar auch Kursziele in der Range zwischen 1.300 und 1.350 Euro. Allerdings sind die durchschnittlichen Kursziele der Analysten auch in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder bestätigt worden. Die durchschnittlichen Kursziele liegen auch weiterhin bei fast 1.700 Euro. 1.690 Euro werden angezeigt.
Ob dies in den kommenden Wochen hilft, die Aktie tatsächlich wieder aus dem Abwärtstrend nach oben zu führen, muss als offen gelten. Insofern sieht die Situation derzeit nicht so rosig aus. Analysten lassen sich davon bei ihren Kurszielen jedoch nicht abschrecken.
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