Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Rheinmetall ist zum Wochenstart wieder deutlich unter die Marke von 1.000 Euro gefallen. Dass sie sich in der Vorwoche noch einigermaßen stabil zeigte, hatte zweifellos mit einem gemeldeten Neuauftrag zu tun. Ein echter Ausbruch allerdings gelang ihr nicht. Nun aber reagieren die Anleger auf eine weitere Nachricht weitaus energischer: Auslöser für den Rückfall der Rheinmetall-Aktie waren Berichte über eine mögliche Verzögerung bei einer Großbestellung der Bundeswehr.
Rheinmetall-Auftrag verzögert sich offenbar
Die im Rahmen des Vorhabens „Arminius“ geplante Festbestellung unterschiedlicher Boxer-Radfahrzeugvarianten für die Bundeswehr im Gesamtwert von etwas mehr als 20 Milliarden Euro werde offenbar nicht vor Februar 2027 erfolgen können, meldet hartpunkt. Dies bestätigen dem Bericht zufolge „gut unterrichtete Kreise“ gegenüber dem Fachportal. Das Verteidigungsministerium wollte sich zum Sachverhalt auf Anfrage von hartpunkt demnach jedoch nicht äußern.
Im Sommer hieß es noch, dass die Beschaffung der Fahrzeuge Anfang Dezember 2026 erfolgen solle. Damit wäre der Auftrag noch im laufenden Geschäftsjahr in die Bücher von Rheinmetall aufgetaucht. „Sollte sich die Bestellung tatsächlich auf Februar verschieben, könnte sich das entsprechend auf den Auftragseingang und die kurzfristigen Geschäftserwartungen auswirken“, heißt es bei der Stuttgarter Zeitung.
- Die zuletz ohnehin kritischen Anleger nahmen das zum Anlass, die Aktie verstärkt auf die Verkaufsliste zu nehmen
- Der Aufschwung aus der Vorwoche, als die Papiere kurzzeitig auf 1.060 Euro stiegen, ist damit bereits wieder verpufft
Rheinmetall erhielt weiteren Schakal-Auftrag
Es war eine Meldung vom Donnerstag, die den Papieren wieder etwas Leben einzuhauchen schien: Rheinmetall habe erneut einen bedeutenden Auftrag im Bereich der 8×8-Gefechtsfahrzeuge erhalten, hieß es. „So hat die europäische Rüstungsagentur OCCAR (Organisation Conjointe de Coopération en Matière d’Armement) die Artec GmbH damit beauftragt, weitere Radschützenpanzer Schakal für die deutschen und die niederländischen Streitkräfte zu liefern – 35 für die Bundeswehr und 34 für die Königlich Niederländische Landmacht“, so die Rheinmetall-Mitteilung.
Die Artec GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland, ist nach Unternehmensangaben Hauptauftragnehmer für den Boxer. Rheinmetall leiste „als wesentlicher Industriepartner einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung des Programms“. Für die Düsseldorfer verbindet sich mit beiden Optionsauslösungen ein Auftragswert im mittleren dreistelligen Millionen-Bereich, so die Mitteilung.
- Der Radschützenpanzer Schakal kombiniert das Fahrgestell des Radpanzers Boxer mit dem Turm des Schützenpanzers Puma
- Die Fahrzeuge sollen nach derzeitiger Planung laut Rheinmetall zwischen Mai 2032 und November 2033 ausgeliefert werden
Rheinmetall erkennt „Vertrauen unserer Kunden“
Am 24. Juni 2026 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages laut Rheinmetall die Auslösung eines ersten Teils der vertraglich vereinbarten Optionen für den Radschützenpanzer Schakal gebilligt. Der im Oktober 2025 erteilte Hauptauftrag umfasse bereits 222 Radschützenpanzer und sehe eine Option für bis zu 200 weitere Schakale vor. Mit der jetzt erfolgten ersten Optionsauslösung erhöhte sich die Anzahl der auszuliefernden Radschützenpanzer Schakal demnach auf insgesamt 291.
„Die Aktivierung weiterer Optionen für den Schakal bestätigt das Vertrauen unserer Kunden in dieses hochmoderne System“, so Björn Bernhard, Leiter der Reinmetall-Division Vehicle Systems. Und weiter: „Gemeinsam mit unseren Partnern leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der europäischen Landstreitkräfte und zur Stärkung der industriellen Leistungsfähigkeit in Europa.“
Hohe Rheinmetall-Kursziele vor den Quartalszahlen
Ob das ausreicht? Mit Spannung warten die Anleger vor allem auf den Donnerstag, denn am 5. November will der Rüstungskonzern seine Zahlen aus dem dritten Quartal vorlegen. Die Analysten indes glauben im Vorfeld nach wie vor an Rheinmetall. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut aktien.guide aktuell bei 1.530 Euro, wofür sich die Aktie um wieder mehr als 50 Prozent steigern müsste.
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