Liebe Leserinnen und Leser,
auf einem Kursniveau von 984,20 Euro beendete die Aktie von Rheinmetall den Freitagshandel auf Xetra. In der neuen Woche dürfte es für den Rüstungskonzern um einiges gehen. Teilweise ist am Wochenende bereits von einer möglichen Trendwende im gesamten Rüstungssektor die Rede. Technische Analysten dürften diese Einschätzung im Fall von Rheinmetall allerdings nicht uneingeschränkt teilen.
Rheinmetall: Was für eine Einschätzung zur Bundesregierung!
Die Aktie bewegt sich derzeit in einem anspruchsvollen Umfeld. So wurde am Freitag bekannt, dass Zweifel an der künftigen Ausrichtung der deutschen Rüstungsausgaben aufgekommen sind. Nach Einschätzung von MWB Research liefert der geplante Bundeshaushalt 2027 neue Argumente für eine vorsichtigere Bewertung von Rüstungsaktien.
Die Analysten gehen davon aus, dass die Bundesregierung Mittel aus dem klassischen Landsystemgeschäft umschichten könnte. Davon wären unter anderem Panzerprogramme betroffen. Nach Auffassung von MWB Research zeigt der bekannt gewordene Haushaltsentwurf für 2027 gegenüber 2026 deutliche Verschiebungen. Demnach könnten die Ausgaben für Munition, Kampf- und Truppenfahrzeuge geringer ausfallen. Gleichzeitig sollen die Investitionen in den Schützenpanzer Puma, in die Raumfahrt sowie in den maritimen Bereich steigen.
Für Rheinmetall könnte dies einen Nachteil bedeuten, da das Unternehmen bislang einen erheblichen Teil seines Geschäfts im Bereich Landsysteme erzielt. Nach Auffassung von MWB Research ist diese mögliche Verschiebung in den Markterwartungen bislang noch nicht vollständig berücksichtigt. Entsprechend sieht das Bankhaus weiteres Rückschlagpotenzial für die Aktie.
Rheinmetall Aktie Chart
Weitere Risiken für die Rheinmetall
Langfristig wird die Unternehmensbewertung vor allem von den erwarteten Umsätzen abhängen. Der Markt geht derzeit davon aus, dass Rheinmetall bis zum Jahr 2030 einen Jahresumsatz von deutlich mehr als 40 Milliarden Euro erreichen kann. Für das laufende Jahr werden aktuell rund 14 Milliarden Euro erwartet, für 2027 etwa 18,8 Milliarden Euro. Für 2028 rechnen die Analysten im Durchschnitt mit rund 24,8 Milliarden Euro Umsatz.
MWB Research bleibt hier etwas vorsichtiger und erwartet für 2028 Erlöse von rund 24,1 Milliarden Euro. Das wären etwa 700 Millionen Euro weniger als im Marktkonsens. Daran zeigt sich, wie stark die Prognosen für die kommenden Jahre auseinandergehen.
Der Markt rechnet derzeit mit einem Umsatzwachstum von rund 41 % im laufenden Jahr, von 33,7 % im Jahr 2027 und von 32,3 % im Jahr 2028. Entsprechend hoch sind auch die Erwartungen an die Ergebnisentwicklung. Das EBITDA soll nach Konsensschätzungen 2026 um 46,1 % wachsen, im Jahr 2027 um weitere 36,6 % und 2028 nochmals um 36,5 %. MWB Research hält diese Entwicklung für etwas zu optimistisch.
Bei der EBIT-Marge geht das Institut hingegen weiterhin von einer Verbesserung aus. Nach den aktuellen Schätzungen könnte sie von rund 17 % auf etwa 20,7 % steigen. Andere Analysten rechnen allerdings mit niedrigeren Margen. Gerade bei langfristigen Prognosen unterscheiden sich die Bewertungsmodelle naturgemäß deutlich.
Grundsätzlich ist die Richtung gut
Die grundsätzliche Richtung bleibt dennoch positiv. Zwar dürfte Rheinmetall im laufenden Jahr etwas geringere Umsätze erzielen als zu Jahresbeginn erwartet. Zuletzt hatte das Unternehmen die Auswirkungen des verschobenen F126-Fregattenauftrags mit rund 300 Millionen Euro weniger Umsatz für das laufende Jahr beziffert. Abgesehen davon dürften die übrigen Finanzkennzahlen jedoch weitgehend im Rahmen der bisherigen Erwartungen liegen.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zumindest auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar. Innerhalb der vergangenen vier Wochen verlor die Aktie rund 17,8 %, seit Jahresbeginn rund 36,7 %. Damit steht Rheinmetall erheblich unter Druck.
Diese Entwicklung betrifft allerdings nicht nur Rheinmetall, sondern den gesamten Rüstungssektor. Auch die Aktie von Renk hat seit Jahresbeginn deutlich nachgegeben, wenn auch weniger stark. Offenbar hat sich die Stimmung gegenüber Rüstungswerten insgesamt eingetrübt.
Dabei mangelt es den Unternehmen keineswegs an Aufträgen. Vielmehr stellen sich die Märkte zunehmend die Frage, ob Rheinmetall und andere Hersteller ihre Produktionskapazitäten schnell genug ausbauen können. Gleichzeitig bestehen Zweifel, ob die Finanzierung dieses Wachstums sowie die Entwicklung der Cashflows und Margen wie geplant gelingen.
Kapazitäten müssen teuer ausgebaut werden!
Genau hier liegt derzeit der Schwerpunkt der Diskussion. Weniger einzelne Großaufträge als vielmehr die Fähigkeit zum Kapazitätsausbau und die Entwicklung der operativen Marge stehen im Mittelpunkt. Das Margenziel für das Gesamtjahr liegt derzeit bei rund 19 %. Im ersten Quartal hatte Rheinmetall eine operative Marge von 11,6 % ausgewiesen.
Der Blick richtet sich deshalb auf die Quartalszahlen, die Rheinmetall am 6. August vorlegen wird. Sie dürften maßgeblich darüber entscheiden, wie der Markt den weiteren Kursverlauf einschätzt. Aktuell erwarten Analysten für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 3,02 und 3,05 Milliarden Euro sowie einen Gewinn je Aktie von rund 7,10 Euro.
Der Gewinn je Aktie wird für das zweite Quartal derzeit in einer Spanne zwischen 7,10 und 7,17 Euro erwartet. Das Umsatzwachstum wird bei etwa 50 bis 60 % gesehen. Dies dürfte der erste wichtige Maßstab für die Bewertung der Aktie sein.
Der zweite Maßstab wird in den begleitenden Aussagen des Unternehmens liegen. Beobachter und Analysten werden ihren Blick vor allem darauf richten, wie sich die Margen tatsächlich entwickeln. Bislang zeigen sich die wirtschaftlichen Beobachter weiterhin relativ zuversichtlich.
Hohe Kursziele der Analysten sind gewiss
Die durchschnittlichen Kursziele der Analysten liegen derzeit bei rund 1.692,85 Euro. Daraus ergibt sich gegenüber dem aktuellen Kursniveau ein Aufwärtspotenzial von rund 72 %. Zwar wurden zuletzt einige Kursziele nach unten angepasst. Allerdings liegen selbst diese reduzierten Ziele weiterhin deutlich über den aktuellen Notierungen.
Wichtig wäre es nun, in der neuen Woche möglichst zügig die Marke von 1.000 Euro zurückzuerobern. Damit könnte zumindest aus charttechnischer Sicht wieder etwas mehr Zuversicht entstehen. Erst dann dürfte sich der Blick des Marktes wieder stärker auf die Quartalszahlen richten, die Rheinmetall am 6. August vorlegen wird.
Rheinmetall-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Rheinmetall-Analyse vom 21. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Rheinmetall-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Rheinmetall-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 21. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
