Liebe Leserinnen und Leser,
eine aufregende Woche ging zuletzt für die Düsseldorfer Rheinmetall zu Ende. Die Notierungen waren am Ende des wohl schlimmsten Wochenhandels seit Langem am Freitag zwar nur minimal gesunken: 0,02 Minus% waren es auf der Börse Xetra. Die Börse München wies sogar ein Plus von 0,21 % aus. Allerdings blieb die Aktie bei 947,30 Euro stehen.
Die Notierungen sind innerhalb der vergangenen fünf Tage um über 19,6 % gesunken. Damit ist der Abwärtstrend inzwischen fundamental. Dazu einige Zahlen, bevor es an die Einordnung geht.
Rheinmetall: Die Bilanz der vergangenen Wochen ist an sich schon erschütternd!
In den zurückliegenden sechs Monaten ist die Aktie damit inzwischen sogar um 38,4 % gesunken, im laufenden Jahr um 39,06 %. Und innerhalb von zwölf Monaten verlor Rheinmetall 48,77 %. Das heißt, die Aktie befindet sich sehr klar in einem Abwärtstrend.
Weitere Zahlen zeigen: Der Marktwert ist auf 44,1 Milliarden Euro gesunken. Das ist bei einem Umsatzvolumen von 9,935 Milliarden Euro pro Jahr auf den ersten Blick gar nicht so wenig. Auf den zweiten Blick allerdings war der Konzern an den Börsen schon über 70 Milliarden Euro wert.
Die Aktie ist, bedingt durch die massiv fallenden Kurse zuletzt, unter alle Unterstützungen gefallen, die überhaupt eine Trendwende einleiten könnten. Ganz konkret ist die Aktie am Mittwoch der vergangenen Woche an der Börse in München um 18,62 % gesunken. Daran zeigt sich, wie massiv die Börsen auf einen bestimmten Umstand reagiert haben.
Die Rheinmetall hat einen wichtigen Auftrag abschreiben müssen
Denn noch am Dienstag der vergangenen Woche waren 10.859 Papiere der Aktie gehandelt worden. Am Mittwoch waren es 85.922 sowie am Donnerstag 52.219. Das bedeutet, dass die Aktie einen massiven und geradezu panikartigen Ausverkauf erlebt hat.
Rheinmetall Aktie Chart
Der Grund ist sehr schnell identifiziert. Rheinmetall hatte in der vergangenen Woche eine Schocknachricht am Markt hinnehmen müssen. Dabei war bekannt geworden, dass Rheinmetall einen bis dato erhofften Auftrag für die Werft NVL nicht bekommen würde. Der Bund hat diesen Auftrag quasi von der Agenda gestrichen, ohne dass er bereits erteilt worden wäre. Stattdessen verteilte der Bund kleinere Auftragsvolumina an TKMS.
Tatsächlich ist Rheinmetall damit an den Börsen schwer getroffen worden. Die Aktie hat am Mittwoch eine massive Abwärtsspirale hinnehmen müssen. Die Marktkapitalisierung ist um ca. 10 Milliarden Euro zurückgegangen. Das ist im Lichte der oben genannten Marktkapitalisierung von nunmehr gut 44 Milliarden Euro ein heftiger Rückschlag gewesen.
Analysten zweifeln auch am Wochenende weniger
Wie weit dieser Rückschlag dann tatsächlich aus wirtschaftlicher Sicht gerechtfertigt ist, sei insofern dahingestellt, als es sicher verschiedene Sichtweisen gibt. Hier ist allerdings interessant, wie die DZ Bank den Schaden tatsächlich bewerten will.
Die DZ Bank hat die nunmehr veränderte Auftragslage dazu benutzt, um den fairen Wert für das Papier herabzusetzen. 1.705 Euro gab die DZ Bank noch als Kursziel aus. Zuvor waren es 2.188 Euro. Damit allerdings ergibt sich immer noch eine Kaufempfehlung, denn 1.705 Euro sind immerhin um ca. 750 Euro mehr, als die Aktie derzeit wert ist.
Die Notierungen also sind möglicherweise zu stark gesunken. Die Analysten des Hauses haben beschrieben, dass der Rückgang an den Aktienbörsen den Barwert des entgangenen Auftrags deutlich übersteigen würde. Denn der entgangene operative Gewinn aus der Rücknahme des F126-Fregatten-Auftrags des Bundes würde sich auf zusammen gut 1,5 Milliarden Euro belaufen, die zudem über mehrere Jahre verteilt würden.
Selbstverständlich ist der Auftragsverlust für Rheinmetall auch aus der Sicht der DZ Bank ein, wie es hieß, empfindlicher Dämpfer im Marinegeschäft. Allerdings ergäbe sich damit keine existenzielle Bedrohung für den Konzern. Dies sei eine temporäre Belastung eines ansonsten robusten Geschäftsmodells.
Auftragsvolumen ist noch immer sehr hoch
Tatsächlich hat Rheinmetall zum Ende des ersten Quartals bekannt gegeben, dass das Auftragsvolumen, das bereits eingeworben worden war, bei ungefähr 73 Milliarden Euro liegt. Zudem waren dann in den Wochen danach zwei weitere Aufträge seitens der Bundeswehr bekannt geworden. Hier ging es zum Beispiel um die Lieferung von Munition. Auch hat Rheinmetall einen Auftrag aus Rumänien erhalten, der über 5 Milliarden Euro schwer ist.
Insofern sind die Modelle der Analysten, die sich mit wirtschaftlichen Gegebenheiten beschäftigen, sicherlich geeignet, um die Rücknahme des erwarteten Auftrags durch die Bundesregierung vernünftig einzuordnen.
Wie weit sich die Aktie allerdings tatsächlich schnell erholen kann, bleibt selbstverständlich fraglich. Technische Analysten beschäftigen sich wenig mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten. Sie behaupten, dass die Unterstützung von 1.000 Euro nicht gehalten hat und von daher negative Impulse davon ausgingen.
Technische Voraussetzungen sind nicht gut
Chartanalysten sind der Auffassung, dass die Aktie nach unten kaum abgesichert ist. Auf der anderen Seite verweisen auch technische Analysten immer darauf, dass der GD100 und der GD200 sehr weit entfernt sind. Die Aktie müsste kräftig aufholen, um in den Bereich dieser Linien zu kommen.
Bei Rheinmetall liegt der GD100 inzwischen 33 % weiter oben und die 200-Tage-Linie sogar 40 % darüber. Deshalb bleibt folgendes Bild:
Die wirtschaftlich orientierten Analysten gehen immer noch davon aus, dass die Aktie massiv steigen wird. Die Kursziele liegen im Mittel bei etwa 1.800 Euro. Die technischen und charttechnischen Analysten hingegen gehen davon aus, dass die Aktie derzeit in einem Abwärtstrend verläuft. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Notierungen auch weiterhin schwächeln.
Wenngleich technische und charttechnische Analysten sicherlich nicht davon ausgehen würden, dass die Aktie von Rheinmetall damit auf jeden Fall weiter nachgeben wird. Wie beschrieben, sind wirtschaftlich orientierte Analysten selbst nach der Horrorwoche bei Weitem nicht so skeptisch eingestellt.
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