Rheinmetall bremst die Erwartungen an sein Präzisionswaffen-Geschäft. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern erklärte, dass der Ausbau der ATACMS-Produktion gemeinsam mit Lockheed Martin mehrere Jahre in Anspruch nehmen werde. Die neuen Fertigungslinien im niedersächsischen Unterlüs sollen erst 2027 anlaufen, erste Erlöse aus dem Programm erwartet der Konzern nicht vor 2028. Die weltweite Nachfrage nach Präzisionswaffen wachse zwar seit Jahren und werde dies laut Rheinmetall auch über einen Zeithorizont von 15 Jahren weiter tun – doch zwischen Auftragseingang und Umsatzwirkung liegt bei solchen Großprojekten eine erhebliche Zeitverzögerung.
Boxer-Großauftrag und Leonardo-Gespräche in der Pipeline
Parallel zur ATACMS-Meldung rückte ein weiteres Milliardenprojekt in den Fokus: Der Rheinmetall-Anteil am Boxer-Programm soll sich auf rund 12,4 Milliarden Euro belaufen, der entsprechende Vertragsabschluss wird bis Ende 2026 erwartet. Erst am Freitag hatten die Beschaffungsorganisation Occar sowie Bundeswehr und Niederlande eine Erweiterung ihrer Bestellung um 60 zusätzliche Boxer RCT 30 bekanntgegeben – die Bundeswehr kommt damit auf 150 Fahrzeuge dieses Typs, die Niederlande auf 34. Occar hat die Gesamtoption inzwischen auf 222 Panzer ausgeweitet. Zusätzlich verhandelt Rheinmetall über eine Übernahme des Militärlastwagen-Geschäfts von Leonardo, was die Wachstumsstrategie des Konzerns über klassische Landsysteme hinaus erweitern würde.
Diese Nachrichten zeigen: Der Auftragsbestand wächst weiter, doch der Weg vom Vertrag zur Kasse bleibt lang. Genau das nehmen Analysten bei JPMorgan zum Anlass für Zurückhaltung. Das Analysehaus rechnet für die Jahre 2027 und 2028 mit einem langsameren Fortschritt als bislang angenommen – eine Einschätzung, die zur jüngst gesenkten Umsatzprognose des Konzerns passt.
Politischer Gegenwind aus Wolgast
Während die Landsysteme-Sparte neue Aufträge sammelt, wächst an anderer Stelle der Unternehmensstruktur der Druck. Wolgasts Bürgermeister Martin Schröter kritisierte Verteidigungsminister Pistorius scharf wegen des Stopps des Fregattenprojekts F126. Die Peene-Werft, größter Arbeitgeber der Region, habe bereits 2,3 Milliarden Euro in das Vorhaben investiert – nun stünden Hunderte Arbeitsplätze auf der Kippe. Schröter forderte einen Ersatzauftrag und verwies auf einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2018, als ein Exportstopp nach Saudi-Arabien die Werft bereits einmal getroffen hatte. Der Fall zeigt, dass der Rüstungskonzern trotz voller Auftragsbücher nicht vor Rückschlägen einzelner Programme gefeit ist.
Aktie bleibt volatil, Meinungen gehen auseinander
An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in einer gespaltenen Stimmung wider: Befürworter verweisen auf den nach wie vor prall gefüllten Auftragsbestand und die langfristige Nachfrage nach Rüstungsgütern, Skeptiker auf die verzögerte Umsatzwirkung neuer Programme und die gesenkte Prognose. Am Freitag schloss die Rheinmetall-Aktie bei 1.145,40 Euro. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 7,71 Prozent, das Papier notiert außerdem 4,13 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Kurzfristig hat sich der Titel damit stabilisiert, auch wenn die grundsätzliche Debatte um Tempo und Zeithorizont der Wachstumsprogramme weiterläuft.
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