Rheinmetall-Aktie: Ab jetzt geht es hier um alles!

Rheinmetall notiert bei 991,56 Euro, während Auftragsbestand, Margen und US-Projekte Chancen bieten, aber hohe Investitionen erfordern.

Auf einen Blick:
  • Aktie fällt erneut unter 1.000 Euro
  • Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
  • Zweites Quartal mit über 17 Prozent Marge
  • US-Auftrag über 7,28 Millionen Dollar

Liebe Leserinnen und Leser,

der Rutsch unter 1.000 Euro vom vergangenen Freitag nun verschärft bei Rheinmetall das angeschlagene Kursbild. Am Freitag fiel die Aktie auf 991,56 Euro und erreichte damit zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zone unterhalb dieser psychologisch wichtigen Marke. Gerade Charttechniker behaupten, dass jetzt weitere Algorithmen auf die Situation aufmerksam werden können. Dies verschärft grundsätzlich das große Problem der Rheinmetall. Wenn die charttechnischen Analysten und Investoren auf die Vorstellung kämen, bei weniger als 1.000 Euro sei ein Verkaufssignal geworden, kann das teuer werden. Zu bedenken ist: Vom im Herbst 2025 erreichten Allzeithoch bei 2.008 Euro hat sich der Börsenwert damit mehr als halbiert.

Rheinmetall ist in einer Dauerschleife schwächer geworden

Rheinmetall Aktie Chart

Die Analysten haben ihre Erwartungen wesentlich weniger stark zurückgenommen. Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei rund 1.660 Euro. Zwischen dem Freitagsschluss und diesem Niveau liegen gut 668 Euro oder rund 67 %. Die Ziele lagen vor einigen Monaten noch höher, sind aber bei weitem nicht so stark gesunken wie der Aktienkurs der Düsseldorfer.

Allerdings beschäftigen sich die Analysehäuser inzwischen stärker mit der Frage, welche Margen Rheinmetall mit seinem künftigen Umsatzmix erreichen kann. JPMorgan hatte zuletzt insbesondere diesen Punkt aufgegriffen. Sprich: Es geht nicht nur um die Umsätze allgemein, sondern auch um die Zusammensetzung dieser Umsätze und damit die wirtschaftlichen Folgen.

Rheinmetall erzielt einen großen Teil seines Geschäfts bislang mit Munition und bemannten Militärfahrzeugen. Künftig sollen Drohnen, autonome Systeme und weltraumgestützte Anwendungen stärker zum Umsatz beitragen. Dazu gehören auch Gespräche mit OHB über Satellitenprojekte, die vor einiger Zeit in der Öffentlichkeit bekannt geworden waren.

Wachsende Nachfrage nach dem nicht-klassischen Geschäftsfeld für die Rheinmetall

Die Erweiterung folgt der wachsenden Nachfrage nach neuen militärischen Technologien und den entsprechenden Beschaffungsplänen in Europa. Für die Ergebnisentwicklung wird damit wichtiger, welche Margen die einzelnen Produktbereiche erreichen.

Die zweite große Aufgabe liegt bei den Produktionskapazitäten. Ende des zweiten Quartals verfügte Rheinmetall über einen Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro. Dem steht für das laufende Jahr eine Umsatzprognose von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gegenüber. Rechnerisch entspricht der Auftragsbestand damit fast sechs Jahresumsätzen auf Basis der aktuellen Prognose.

Um steigende Bestellungen schneller abarbeiten zu können, muss Rheinmetall weitere Kapazitäten schaffen. Wie wichtig das ist, zeigten zuletzt Verzögerungen bei einem Bundeswehrprogramm. Das Verteidigungsministerium kritisierte den Zeitplan und die Umsetzung, Rheinmetall verwies seinerseits auf eine Verzögerung von lediglich einigen Monaten. Für einen Konzern mit stark wachsendem Auftragsvolumen bekommt die termingerechte Auslieferung damit zusätzliches Gewicht.

Das Unternehmen muss viel investieren

Der Ausbau benötigt erhebliche Investitionen. Steigende Anleiherenditen verteuern dabei die Finanzierung neuer Kapazitäten. Höhere Kapitalmarktzinsen betreffen nicht nur Rheinmetall selbst.

Auch Staaten müssen für neue Schulden höhere Finanzierungskosten tragen, was bei stark wachsenden Verteidigungsbudgets eine zusätzliche Belastung darstellt.

Neue Aufträge verbessern die Aussichten für die Rheinmetall

Neue Aufträge kommen dennoch laufend hinzu. American Rheinmetall erhielt vom US Marine Corps einen Auftrag über 7,28 Millionen Dollar für zwölf Mission Master SP-Fahrzeuge und fünf amphibische Kits. Das Volumen ist gemessen am gesamten Auftragsbestand klein, erweitert aber die Präsenz des Konzerns im US-Verteidigungsgeschäft.

Größere Möglichkeiten eröffnet das Lynx-XM30-Programm. Der erste Prototyp wurde inzwischen an die US Army ausgeliefert, sieben weitere könnten folgen. Rheinmetall positioniert sich damit in einem Markt, für den in den kommenden Jahren Verteidigungsausgaben von mehr als einer Billion Dollar jährlich vorgesehen sind.

Rheinmetall ersichtlich auch in Europa weiter neu aktiv

Auch in Europa baut der Konzern seine Aktivitäten aus. In Polen entstehen regionale Wartungs- und Reparaturzentren für Landsysteme. Hinzu kommen die Geschäfte in der Ukraine sowie weitere europäische Beschaffungsprogramme, unter anderem auch für die deutsche Bundeswehr, die teils aus schon bestehenden Allgemeinverabredungen heraus jetzt nach und nach abgerufen werden.

Die internationale Auftragsbasis reicht damit weit über den deutschen Markt hinaus. Wie oben beschrieben haben sich über 80 Mrd. Auftragsvolumen bei dem Unternehmen eingefunden, das damit kaum in Bedrängnis geraten sollte. Allen Unkenrufen zum Trotz hat auch die Umsatzentwicklung im laufenden Jahr überzeugt, wie die jüngsten Quartalszahlen belegt hatten. Dort war zudem deutlich geworden, dass die Rheinmetall ausgehend von 15 % Marge im 1. Quartal die Marge im 2. Quartal auf über 17 % steigern konnte und sich auf gutem Pfad befindet. Am Ende des Jahres sollen es bei steigenden Auftragsvolumina (auf 100 bis 120 Mrd. Euro Bestand) und kletternden Umsätzen dann 19 % Marge werden. Daher:

Für die neue Woche bildet die Marke von 1.000 Euro zunächst die unmittelbar sichtbare Schwelle. Rheinmetall startet darunter bei 991,56 Euro, verfügt über mehr als 80 Milliarden Euro Auftragsbestand und steht vor erheblichen Investitionen in zusätzliche Kapazitäten und neue Produktbereiche. Das durchschnittliche Analystenziel von rund 1.660 Euro liegt weiterhin mehr als 670 Euro über dem aktuellen Kurs.

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