Binnen weniger Tage kamen Verträge aus Großbritannien, Kuwait, Norwegen und dem Bereich Marinelaser hinzu. An der Börse zeigt das bislang kaum Wirkung: Die Aktie schloss am Freitag bei 978,00 Euro, nach einem Tagesplus von 1,85 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 37,03 Prozent zu Buche.
Sieben Meldungen in zwei Wochen
Den Auftakt machte am 7. Juli eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin: Beide Unternehmen wollen am Standort Unterlüß eine europäische Co-Produktion von ATACMS-Raketen aufbauen. Zwei Tage später unterzeichneten Rheinmetall und MBDA Deutschland einen Vertrag mit dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) über ein Hochenergie-Laserwaffensystem für die Marine, das Volumen liegt laut FOCUS online im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Am 10. Juli folgte ein Großauftrag der kuwaitischen Seestreitkräfte für das Täuschkörperwerfer-System MASS.
Mitte Juli verdichtete sich die Nachrichtenlage weiter. Am 13. Juli sicherte sich der Konzern einen Anteil von knapp einer Milliarde Euro innerhalb des von Raytheon UK geführten „Omnia-Training-Konsortiums“, das die Gefechtsausbildung der britischen Armee über 15 Jahre digitalisieren soll. Am selben Tag übernahm die Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles im Auftrag des BAAINBw die Projektverantwortung für „InterRoC VII“, ein Forschungsvorhaben zu hochautomatisierten, interoperablen Militärkonvois. Am 14. Juli meldete Rheinmetall die erste Auslieferung von Artilleriemunition aus dem neuen Werk Unterlüß zur Unterstützung der Ukraine und begann parallel Schulungen der britischen Streitkräfte für autonome HX-Logistikfahrzeuge. Am 15. Juli unterzeichneten Rheinmetall und Space Norway eine Absichtserklärung für weltraumgestützte maritime Überwachung mittels C-Band-SAR-Satelliten.
F126-Stornierung wirkt nach
Dass die Aktie trotz dieser Fülle an Vertragsmeldungen nicht abhebt, hat einen konkreten Auslöser aus dem Vormonat. Anfang Juli informierte Rheinmetall per Ad-hoc-Mitteilung über die Stornierung des F126-Fregattenprogramms durch die Bundeswehr. Für das Geschäftsjahr 2026 rechnet der Konzern dadurch mit einem Umsatzverlust von bis zu 300 Millionen Euro. Diese Meldung sitzt dem Markt offenbar noch in den Knochen und überlagert die Wirkung der zahlreichen neuen Order.
Charttechnik zeigt überverkaufte Lage
Die Marktdaten spiegeln den Stimmungsumschwung deutlich wider. Der 14-Tage-RSI notiert bei 37,5 und signalisiert damit eine überverkaufte Situation. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem September 2025 hat sich der Kurs praktisch halbiert, während die Marktkapitalisierung aktuell bei 44,70 Milliarden Euro liegt. Auf Sicht von zwölf Monaten türmte sich zusätzlicher Verlustdruck auf, der Blick der Anleger richtet sich damit zunehmend auf harte Zahlen statt auf Auftragsschlagzeilen.
Diese Zahlen liefert der Konzern am 6. August 2026 mit dem Zwischenbericht für das erste Halbjahr. Erst dort dürfte sich zeigen, wie stark das F126-Aus tatsächlich auf Umsatz und Marge durchschlägt und ob die Serie an internationalen Aufträgen – von London über Kuwait bis Oslo – die Auftragsbücher schon im laufenden Jahr sichtbar stützt. Bis dahin bleibt der Gegensatz zwischen operativer Auftragsdynamik und Kursverfall das prägende Bild für die Rheinmetall-Aktie.
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