Rheinmetall hat am Donnerstag mit den Halbjahreszahlen ein zweigeteiltes Bild geliefert: Das operative Geschäft wächst kräftig, doch der Konzern kappte gleichzeitig seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.145,40 Euro und hat sich damit binnen 30 Tagen um 7,71 Prozent erholt – seit dem 52-Wochen-Tief von Ende Juni liegt das Papier inzwischen 26,91 Prozent höher.
Kräftiges Wachstum, aber gekappte Prognose
Im zweiten Quartal steigerte der Düsseldorfer Rüstungskonzern den Umsatz um 69 Prozent auf 3.289 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro, die operative Marge verbesserte sich von 13,4 auf 17,1 Prozent. Für das erste Halbjahr insgesamt weist Rheinmetall einen Umsatzanstieg von 39 Prozent auf 5.227 Millionen Euro sowie ein um 74 Prozent höheres operatives Ergebnis von 786 Millionen Euro aus.
Trotz dieser Dynamik senkte der Konzern die Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor mindestens 14 Milliarden Euro in Aussicht standen. Grund ist die Stornierung des F126-Fregattenprogramms, die auf Konzern- und Marineebene mit rund 300 Millionen Euro Umsatzausfall zu Buche schlägt. Das organische Umsatzwachstum bleibt mit 28 bis 31 Prozent unverändert, auch die Prognose für die operative Marge blieb stabil – Rheinmetall bestätigte im Rahmen der Zahlen eine erwartete operative Konzernmarge von rund 19 Prozent für das Gesamtjahr.
Auffällig ist der Einbruch beim operativen Free Cashflow, der gegenüber dem Vorjahr um 985 Millionen Euro auf minus 1.616 Millionen Euro fiel. Rheinmetall begründet dies mit einer Verschiebung von Kundenanzahlungen. Der Auftragsbestand erreichte zum Ende des Halbjahres mit 80,5 Milliarden Euro dennoch einen Rekordwert und untermauert die langfristige Nachfrage nach Rüstungsgütern.
Analysten uneins über die richtige Bewertung
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen entsprechend unterschiedlich aus. Jefferies bekräftigte am Donnerstag die Einstufung „Kaufen“ mit einem unveränderten Kursziel von 1.300 Euro. Die DZ Bank beließ ihr Votum ebenfalls bei „Kaufen“ und ihr Kursziel bei 1.705 Euro – die Analysten verwiesen auf die aus ihrer Sicht sehr starke operative Entwicklung und werteten den schwächeren Free Cashflow nicht über.
Deutlich kritischer positionierte sich mwb research: Das Haus stufte die Aktie am Donnerstag von „Hold“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel von 1.150 auf 1.050 Euro. Als Begründung nannten die Analysten die gesenkte Umsatzprognose sowie die zugleich auf 8 bis 9 Prozent des Umsatzes halbierten geplanten Investitionen. Bereits Anfang August hatte Berenberg-Analyst George McWhirter sein Kursziel von 1.750 auf 1.600 Euro reduziert, die Einstufung „Buy“ aber beibehalten – als Reaktion auf die Stornierung des F-126-Projekts durch die Bundesregierung, die zuvor für einen massiven Kursrutsch gesorgt hatte.
Der breitere Rüstungssektor zeigte sich nach den Rheinmetall-Zahlen gemischt: Während Hensoldt und RENK die Schwäche am Donnerstag nicht auffangen konnten, drehten am Freitag alle drei Titel gemeinsam nach oben, wobei Hensoldt im Zentrum der Erholung stand. Hensoldt hatte eigene Halbjahreszahlen mit einem Auftragsbestand von 10,36 Milliarden Euro vorgelegt und einen Auftragseingang gemeldet, der sich im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt hat.
Drohnenabwehr und neue Fregatte als Wachstumsfelder
Neben den Zahlen setzte Konzernchef Armin Papperger gestern ein politisches Signal: Nach einem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle forderte er mehr Tempo beim Aufbau der Drohnenabwehr. Deutschland sei nicht ausreichend vor solchen Attacken geschützt, da Abwehrtechnologie noch nicht flächendeckend installiert sei – neben Flughäfen gebe es zahlreiche weitere kritische Infrastrukturziele. Rheinmetall arbeitet nach eigenen Angaben bei diesem Thema mit der Telekom zusammen.
Auch im Marineschiffbau bleibt der Konzern aktiv: Am Montag stellte Rheinmetall mit der GMF140 eine neue, mehr als 6.000 Tonnen verdrängende Fregatte für den weltweiten Hochseeeinsatz vor, die zunächst für ein Beschaffungsvorhaben in Nordamerika angeboten werden soll. Die Ankündigung sorgte laut Fachmedien kurzfristig für einen Kursanstieg von rund 2 Prozent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Auf der einen Seite steht ein Rekordauftragsbestand und ein zweistelliges operatives Wachstum, auf der anderen ein spürbarer Cashflow-Rückgang und eine gekürzte Umsatzprognose. Ob die für das laufende Geschäftsjahr von Marktbeobachtern taxierte Dividende von 15,60 Euro pro Aktie – ein Plus von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr – tatsächlich erreicht wird, dürfte sich erst im weiteren Jahresverlauf zeigen.
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