Rheinmetall bereitet sich einem Medienbericht zufolge auf einen historischen Großauftrag vor. Der Konzern plane den Ausbau seines Standorts Kassel zum größten Panzerwerk Europas, um eine erwartete Bestellung der Bundeswehr für den Radpanzer „Boxer“ zu bewältigen. Das Gesamtvolumen des Programms könne sich auf bis zu 40 Milliarden Euro belaufen, berichteten Handelsblatt und Business Insider am Samstag.
Erste Tranche mit 1.500 Fahrzeugen im September erwartet
Konkret geht es um eine Entscheidung über die erste Tranche von 1.500 Boxer-Fahrzeugen im Wert von rund 12,4 Milliarden Euro, die bereits im September fallen könnte. Das Fahrzeug wird im Joint Venture mit KNDS Deutschland gefertigt. Sollte der Bundestag zustimmen, dürfte die Beschlussvorlage für die eigentliche Großbeschaffung frühestens im Dezember im Haushaltsausschuss landen – für den 9. Dezember ist dort ein möglicher Termin vorgesehen.
Der Umbau des Standorts Kassel reiht sich in eine ganze Serie von Kapazitätserweiterungen ein, mit denen Rheinmetall auf die steigende Nachfrage aus Berlin reagiert. Erst am Donnerstag hatte der Konzern eine Absichtserklärung mit dem Land Hessen über den Ausbau des „Defence-Hub Nordhessen“ unterzeichnet, mit dem die Panzerproduktion und ein Logistikzentrum in der Region gestärkt werden sollen.
Auftragsbestand soll die 100-Milliarden-Marke knacken
Konzernchef Armin Papperger hatte erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass der Auftragsbestand des Unternehmens im laufenden Jahr die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten dürfte. Diese Prognose gewinnt vor dem Hintergrund der möglichen Boxer-Order zusätzliches Gewicht: Allein die erste Tranche würde einen zweistelligen Milliardenbetrag zum Bestand hinzufügen.
Auch abseits der Panzerbeschaffung häufen sich die Aufträge. Die Bundeswehr rief kürzlich ein modulares Camp für 2.000 Soldaten in Litauen ab, das dem Unternehmen 250 Millionen Euro für den Aufbau sowie jährlich rund 40 Millionen Euro für den späteren Betrieb einbringt. Zuvor hatte die Rheinmetall Project Solutions GmbH bereits einen Abruf über 149 mobile Rettungsstationen im Wert von mehr als 500 Millionen Euro erhalten.
Kurs bleibt unter Druck – Bewertung der Wachstumsstory entscheidend
Trotz der Auftragsflut hat sich die Aktie zuletzt deutlich von ihren Höchstständen entfernt. Am Freitag schloss das Papier bei 1.152,40 Euro, ein Minus von 2,1 Prozent auf Tagesbasis. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde, klafft damit eine Lücke von 43 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 26 Prozent zu Buche.
Marktbeobachter führen die Konsolidierung der vergangenen Wochen, in der die Aktie zeitweise ihre 100-Tage-Linie testete, auf eine gewisse Verunsicherung zurück: Der Ausblick des Unternehmens sei im Vergleich zu den zuletzt gemeldeten Wachstumszahlen als eher verhalten wahrgenommen worden.
Das Analysehaus JPMorgan stufte die Aktie am Donnerstag mit „Neutral“ und einem Kursziel von 1.350 Euro ein – ein Niveau, das trotz der jüngsten Schwäche noch deutlich über dem aktuellen Kurs liegt.
Die entscheidende Frage für Anleger dürfte sein, ob sich das gewaltige Auftragspotenzial aus dem Boxer-Programm tatsächlich in belastbare Zahlen übersetzt, sobald die politischen Gremien im Herbst und Winter ihre Entscheidungen treffen.
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