Juli deutlich gesenkt – von 1.770 auf 1.300 Euro. Die Kaufempfehlung bestätigten die Analysten dennoch. Der Schritt fällt in eine Woche, in der der Rüstungskonzern zugleich einen milliardenschweren Digitalisierungsauftrag aus Großbritannien meldete und sein Vorstandschef erneut eigene Aktien kaufte. Die Gemengelage zeigt, wie gespalten der Markt derzeit auf den einstigen Kursstar blickt.
Warum Bank of America den Optimismus dämpft
Als Begründung für die Kürzung führt Bank of America einen strukturellen Wandel im Rüstungsgeschäft an: Der Trend gehe zunehmend zu Drohnen und Präzisionswaffen, was das klassische Munitionsgeschäft dämpfe. Hinzu kommt ein konkretes Umsatzrisiko: Der Verlust des Marineauftrags F126, den die Bundesregierung Ende Juni gestrichen hatte, könnte Rheinmetall nach Einschätzung der Analysten bis zu 300 Millionen Euro Umsatz kosten. Auch andere Häuser reagierten zuletzt mit Kürzungen, blieben aber ebenfalls bei Kaufvoten: Berenberg senkte sein Ziel bereits am 8. Juli auf 1.600 Euro, Jefferies folgte am 10. Juli mit 1.300 Euro, UBS hatte schon am 7. Juli 1.600 Euro als neue Marke ausgegeben. Ein weiterer Dämpfer kam von mwb research: Ein geleakter Entwurf des Rüstungshaushalts 2027 deutet auf einen Mittelabzug aus dem Landsystemgeschäft hin – das Analysehaus beließ seine Einschätzung deshalb auf „Hold“.
An der Börse reagierte die Aktie auf die Kursziel-Kürzung zunächst mit Erholung statt Enttäuschung. Am Freitag schloss das Papier bei 980,30 Euro, ein Plus von 2,37 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 36,88 Prozent, und zum 52-Wochen-Hoch von 1.995,00 Euro aus dem vergangenen September fehlen der Aktie derzeit 50,86 Prozent.
Operatives Geschäft läuft weiter – trotz F126-Rückschlag
Während die Analysten über die strategische Ausrichtung diskutieren, meldete Rheinmetall neue Aufträge. Größter Brocken ist ein auf 15 Jahre angelegter Digitalisierungsauftrag der britischen Streitkräfte im Volumen von rund einer Milliarde Euro. Daneben laufen die Co-Produktion von ATACMS-Raketen mit Lockheed Martin, die Entwicklung von Laserwaffensystemen im mittleren dreistelligen Millionenbereich, eine Weltraum-Kooperation mit Space Norway sowie ein Gemeinschaftsunternehmen mit DOK-ING. Aus dem erweiterten Werk Unterlüß ist zudem die erste Lieferung des neuen 155-mm-Kalibers erfolgt: eine niedrige fünfstellige Anzahl Geschosse für die Ukraine, der zugehörige Gesamtauftrag soll noch 2026 vollständig abgearbeitet sein. Ein NATO-Staat hat zudem Munition des Typs ER02A1 B/B für die Ukraine im mittleren zweistelligen Millionenbereich bestellt.
Für das zweite Quartal rechnet das Unternehmen beim Auftragseingang nur noch mit einem niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag – zuvor waren rund 20 Milliarden Euro avisiert worden. Die Jahresprognose insgesamt bleibt jedoch bestätigt. Die Zahlen zum zweiten Quartal will Rheinmetall am 6. August vorlegen.
Insiderkäufe als Vertrauenssignal
Parallel zur Kurszielkürzung wurden Insiderkäufe bekannt: Vorstandschef Armin Papperger erwarb Aktien im Wert von 3,04 Millionen Euro, Aufsichtsratsmitglied Georgi kaufte für 47.665 Euro zu. Solche Käufe aus der Führungsebene gelten häufig als Signal, dass das Management den Kursrückgang für übertrieben hält. Papperger selbst äußerte sich zudem zu den Plänen für den Standort Neuss, den Rheinmetall zu einer Hybrid-Fabrik mit ziviler und militärischer Fertigung umbauen will – geplant sind unter anderem Satellitenproduktion, Bauteile für Kamikaze-Drohnen und gepanzerte Lkw-Kabinen.
Der Kursrückgang trifft Rheinmetall nicht isoliert: Der gesamte deutsche Rüstungssektor korrigiert derzeit, Konkurrent Renk verlor seit Jahresbeginn 22 Prozent, Hensoldt 5 Prozent. Für Rheinmetall bleibt die Frage, wie schnell neue Wachstumsfelder wie Drohnentechnik und Digitalisierung den Wegfall klassischer Großaufträge wie F126 kompensieren können.
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