Rheinmetall-Aktie: 1.000-Euro-Kracher!

Rheinmetall-Aktie fällt auf 1.012 Euro, Analysten sehen trotz Verlusten hohes Kurspotenzial von über 60 Prozent.

Auf einen Blick:
  • Wöchentlicher Kursverlust von 9,4 Prozent
  • Verlust des F126-Fregattenauftrags belastet
  • Neuer Marineauftrag für Laserwaffensystem
  • Analysten sehen Aufwärtspotenzial von 60 Prozent

Liebe Leserinnen und Leser,

die Rüstungsindustrie ist wieder auf dem Weg nach unten. Ein sehr schwaches Ergebnis legten gestern sowohl Renk als auch Rheinmetall vor. Renk verabschiedete sich mit einem Minus von 3,92 % aus dem Handel, Rheinmetall verlor 4,3 %. Die Rüstungsindustrie ist insgesamt in sehr schwacher Verfassung, auch wenn die Auftragsbücher voll sind. Die haben sich auf Basis der schon seit längerem laufenden Aufrüstungsdebatten in den zurückliegenden Monaten gefüllt.

Die verschiedenen Rüstungsunternehmen mit erstaunlichen Problemen

Nehmen wir Rheinmetall als Beispiel dafür, dass die Rüstungsindustrie derzeit überraschend stark unter Druck geraten ist. Die Aktie fiel auf 1.012,90 Euro. Damit hat das Papier innerhalb einer Woche 9,4 % verloren, auf Sicht von vier Wochen sind es 17,2 %. Aus Sicht der Charttechniker befindet sich Rheinmetall damit erneut in einer kritischen Situation.

Schon am Vortag hatte die Aktie aus Düsseldorf 4,75 % verloren. Mit einem Kurs von knapp über 1.000 Euro ist sie nur noch wenig von der wichtigen Marke von 1.000 Euro entfernt. Charttechnisch stellt sich damit die Frage, ob der ohnehin erkennbare Abwärtstrend weiter an Dynamik gewinnt. Dies würde die Skeptiker bestätigen, die die gesamte Rüstungsbranche zuletzt deutlich kritischer beurteilt haben.

Rheinmetall Aktie Chart

Auftragslage ist aktuell besonders gut

Eigentlich müsste die Branche angesichts ihrer Auftragslage deutlich besser bewertet werden. Tatsächlich steht Rheinmetall stellvertretend dafür, dass die Aktie trotz grundsätzlich guter Nachrichten seit Monaten unter Druck steht.

Den Höhepunkt dieser Entwicklung markierte der Verlust des F126-Fregattenauftrags vor rund zwei Wochen. Der Markt hatte diesen Auftrag offenbar bereits weitgehend eingepreist. Die Folge war ein Tagesverlust von mehr als 18 %.

Anschließend wurde Rheinmetall von zahlreichen Analysten neu bewertet. Der durch den entgangenen Auftrag erwartete Umsatzverlust für das laufende Jahr wurde auf bis zu 300 Millionen Euro beziffert. Gemessen an einem erwarteten Jahresumsatz von rund 14,2 Milliarden Euro erschien vielen Analysten ein Kurseinbruch von mehr als 18 % als überzogen. Entsprechend wurden die Kursziele zwar teilweise angepasst, insgesamt aber weiterhin auf einem hohen Niveau belassen.

Dennoch setzte sich die Schwäche fort. Auch am Donnerstag verlor die Aktie, obwohl Rheinmetall gemeinsam mit MBDA Deutschland einen wichtigen Auftrag der Deutschen Marine erhalten hat. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr vergab den Auftrag zur Entwicklung eines Hochenergie-Laserwaffensystems. Das Projekt hat nach Unternehmensangaben ein Volumen von mehreren hundert Millionen Euro und soll von einem Joint Venture der beiden Unternehmen umgesetzt werden. Die Indienststellung ist für 2029 vorgesehen.

Fregattenauftrag ist deutliches Problem gewesen

Dieser Auftrag kann den verlorenen Fregattenauftrag zwar nicht unmittelbar ersetzen. Er zeigt jedoch, dass Rheinmetall weiterhin in der Lage ist, bedeutende neue Projekte zu gewinnen. An der Börse spielte diese Nachricht jedoch kaum eine Rolle.

Stattdessen belastete eine neue Einschätzung von MWB Research die Stimmung. Das Analysehaus strich seine Kaufempfehlung für Rheinmetall mit der Begründung, dass die NATO ihre Ausgabenschwerpunkte zunehmend in Richtung Luftverteidigung, weitreichende Waffensysteme, Drohnen und Aufklärung verlagere.

Diese Argumentation wirkt allerdings nicht in allen Punkten überzeugend. Der neue Marineauftrag betrifft gerade den Bereich der Drohnenabwehr und passt damit durchaus zu den künftig erwarteten Beschaffungsschwerpunkten.

Wie gut sind die Rüstungsunternehmen auf den Kapazitätsausbau vorbereitet

Die eigentliche Herausforderung für Rheinmetall liegt derzeit an anderer Stelle. So stellte unter anderem Goldman Sachs die Frage, ob das Unternehmen seine Aufträge im Umfang von mehr als 70 Milliarden Euro effizient genug abarbeiten kann, um das Vertrauen der Investoren dauerhaft zu stärken.

Genau darin sehen viele Beobachter den entscheidenden Engpass. Dies gilt nicht nur bei Rheinmetall, sondern in der gesamten Rüstungsindustrie. Auch die NATO hatte zuletzt deutlich gemacht, dass die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten stärker aus eigener Kraft ausbauen sollten, anstatt sich auf staatliche Unterstützung zu verlassen. Der notwendige Kapazitätsaufbau erfordert erhebliche Investitionen und belastet kurzfristig das Vertrauen der Investoren.

Die Auftragsbücher der Branche sind weiterhin gut gefüllt. Die eigentliche Frage lautet jedoch, ob diese Aufträge schnell genug abgearbeitet und die erforderlichen Produktionskapazitäten rechtzeitig geschaffen werden können. Dieses Thema prägt derzeit die Stimmung gegenüber der gesamten Branche.

Analysten sind aktuell noch immer gut gelaunt

Trotzdem bleiben die Analysten ausgesprochen optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel für Rheinmetall liegt inzwischen bei 1.721,35 Euro. Gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von mehr als 60 %.

Damit steht der Markt derzeit zwischen zwei Einschätzungen: auf der einen Seite die sehr positiven Bewertungen vieler Analysten, auf der anderen Seite die anhaltenden Zweifel der Anleger am Tempo des Kapazitätsaufbaus. Genau dieser Zielkonflikt bestimmt derzeit die Bewertung von Rheinmetall.

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