Die Renk Group hat am Donnerstag ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt – und liefert damit den bislang deutlichsten Beleg für die anhaltende Nachfrage im europäischen Rüstungsgeschäft. Der Auftragseingang kletterte auf rund 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 29,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal gingen Bestellungen im Volumen von 612,8 Millionen Euro ein, das höchste Einzelquartal in der Firmengeschichte. Die Aktie reagierte kräftig: Am Donnerstag schloss sie mit einem Plus von 5,10 Prozent bei 51,29 Euro.
Auftragsbestand auf Allzeithoch, Marge zieht an
Das Book-to-Bill-Verhältnis stieg auf 1,9x nach 1,5x im Vorjahreshalbjahr – ein Indikator dafür, dass Renk deutlich mehr Aufträge hereinholt, als es abarbeitet. In der Folge wuchs der gesamte Auftragsbestand auf ein neues Allzeithoch von 7,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte dagegen nur moderat um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro zu, während das bereinigte EBIT um 10,1 Prozent auf 98,2 Millionen Euro anstieg. Die operative Marge kletterte damit auf 15,4 Prozent.
CEO Alexander Sagel brachte die Dynamik auf den Punkt: „Mit knapp 1,2 Milliarden Euro Auftragseingang haben wir bereits nach sechs Monaten nahezu das Niveau der ersten neun Monate des Vorjahres erreicht.“ Zugleich bestätigte er die Jahresziele: Der Umsatz 2026 soll weiterhin auf mehr als 1,5 Milliarden Euro steigen, beim bereinigten EBIT peilt der Konzern eine Spanne von 255 bis 285 Millionen Euro an – und will dabei die obere Hälfte erreichen.
Nicht alle Bereiche liefen rund. Die Sparte Slide Bearings kämpfte weiter mit einem schwierigen Marktumfeld, der Auftragseingang sank dort um 3,2 Prozent auf 64,2 Millionen Euro. Auch Mechanical & Industrial spürte den schwachen Industriesektor, der Umsatz fiel um 6,1 Prozent auf 165,1 Millionen Euro. Beide Segmente bleiben damit deutlich kleinere Bremsklötze gegenüber dem boomenden Verteidigungsgeschäft.
Rheinmetall, US Army und Patria treiben die Nachfrage
Getragen wurde das starke zweite Quartal von mehreren Großaufträgen. Renk verlängerte den Rahmenvertrag mit Rheinmetall für das Programm KF41 Lynx und liefert Getriebe sowie Seitenvorgelege im Wert von rund 270 Millionen Euro inklusive Optionen über 63 Millionen Euro. Parallel sicherte sich die US-Tochter RENK America den vierten Folgeauftrag der THOR-IV-Serie von der US Army für das Getriebe HMPT 800 – ein fünfjähriger Rahmenvertrag mit einem Volumen von bis zu 691 Millionen US-Dollar, von dem rund 121 Millionen Euro bereits im zweiten Quartal als Auftragseingang verbucht wurden. Zusätzlich erhielt das Unternehmen erste Serienaufträge für Antriebssysteme des gepanzerten Kettenfahrzeugs Patria TRACKX.
Bereits Anfang Juli hatte Renk mit der Übernahme von David Brown Defence aus Huddersfield in Großbritannien für Aufmerksamkeit gesorgt. Das Unternehmen mit rund 530 Beschäftigten gilt als Schlüssellieferant für bedeutende Rüstungsprogramme der britischen, australischen und kanadischen Marine. Sein Auftragsbestand samt Pipeline liegt bei über 700 Millionen britischen Pfund für den Zeitraum 2026 bis 2030. Bloomberg bezifferte den Transaktionswert auf schätzungsweise 200 bis 250 Millionen US-Dollar, offizielle Finanzdetails nannte Renk nicht. Der Abschluss wird nach den üblichen behördlichen Genehmigungen für das vierte Quartal 2026 erwartet.
Analysten bleiben optimistisch, Sektor differenziert sich
JPMorgan-Analyst David Perry bestätigte am Donnerstag nach den Zahlen seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 75 Euro. Das zweite Quartal habe im Rahmen der Markterwartungen gelegen, zudem peile Renk beim operativen Ergebnis nun ausdrücklich die obere Hälfte der Zielspanne an. Ende Juli hatte mwb Research sein Kursziel von 50 auf 48 Euro gesenkt, an der Einstufung „Halten“ aber festgehalten – die Aktie legte damals dennoch zu.
Der Rüstungssektor zeigte sich am Donnerstag gespalten: Während Rheinmetall nach dem Ausscheiden aus dem Fregattenprojekt F126 seine Umsatzprognose senkte und ohne klare Richtung notierte, entwickelten sich Renk und Hensoldt laut dpa-AFX deutlich stärker.
Trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 90,20 Euro vom 6. Oktober 2025 weit entfernt, der Abstand beträgt 43,14 Prozent. Auch zum 200-Tage-Durchschnitt notiert das Papier noch 3,37 Prozent im Minus. Die zuletzt stark gestiegenen Order- und Ergebniszahlen liefern Anlegern damit Argumente für eine fortgesetzte Erholung, während die Bewertung im historischen Vergleich noch Spielraum lässt.
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