Eine neue Einschätzung von JPMorgan hat der Renk-Aktie am Mittwoch kurzzeitig Auftrieb gegeben, den Abwärtstrend der vergangenen Woche aber nicht gestoppt. Analyst David Perry bestätigte am Mittwoch das Rating „Overweight“ mit einem Kursziel von 75 Euro und stufte den Panzergetriebe-Hersteller zugleich als attraktives Übernahmeziel ein.
Die europäische Verteidigungsindustrie stehe vor einer Konsolidierungswelle, so die Begründung – ein Szenario, in dem Renk als Kandidat gehandelt werden könnte.
Die Reaktion an der Börse fiel gemischt aus. Am Mittwochmorgen sprang die Aktie zeitweise um fast vier Prozent nach oben, schloss den Handelstag am Ende aber nur minimal höher.
Am heutigen Freitag notiert das Papier bei 47,67 Euro und gibt damit 1,1 Prozent nach, nachdem es bereits gestern von 48,21 Euro leicht nachgegeben hatte. Auf Wochensicht steht ein Minus von 7,8 Prozent zu Buche – die Übernahmefantasie konnte den Kurs damit nicht dauerhaft stabilisieren.
Gewinnschätzungen nach oben angepasst
Neben dem Übernahme-Narrativ hob JPMorgan auch die Gewinnschätzungen für Renk an. Grundlage dafür sind der erhöhte Ausblick für das laufende Geschäftsjahr sowie die am 3. Juli 2026 unterzeichnete, aber noch nicht abgeschlossene Übernahme von David Brown Defence, mit der sich Renk zusätzliche Kompetenzen im Getriebebau für Marine- und Landverteidigung sichern soll.
Der britische Spezialist bringt eine Projektpipeline von mehr als 700 Millionen Pfund für die Jahre 2026 bis 2030 mit und soll das Portfolio des Münchner Konzerns ergänzen.
Der fundamentale Hintergrund für den optimistischen Blick von JPMorgan liegt allerdings bereits einige Wochen zurück: Die im August vorgelegten Halbjahreszahlen zeigten einen Umsatzanstieg auf 637,2 Millionen Euro und ein bereinigtes EBIT von 98,2 Millionen Euro, ein Plus von gut zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die bereinigte EBIT-Marge kletterte von 14,4 auf 15,4 Prozent. Besonders der Auftragseingang stach hervor: Mit knapp 1,2 Milliarden Euro legte er um fast 30 Prozent zu. Renk bestätigte daraufhin die Jahresprognose mit einem erwarteten Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.
Kurs bewegt sich unter wichtigen Durchschnittslinien
Trotz der grundsätzlich positiven Geschäftsentwicklung und des hohen Kursziels von JPMorgan bleibt die Aktie technisch angeschlagen. Mit 47,67 Euro notiert sie rund neun Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 52,36 Euro und liegt damit weiterhin deutlich unter dem 52-Wochen-Hoch von 90,20 Euro, das Renk Anfang Oktober markiert hatte. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 12 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 18 Prozent.
Die Diskrepanz zwischen fundamentaler Analystenzuversicht und tatsächlicher Kursentwicklung wirft Fragen auf. Ein Kursziel von 75 Euro würde gegenüber dem aktuellen Niveau ein erhebliches Potenzial implizieren, doch der Markt scheint die Übernahmespekulation bislang nicht als tragfähigen Kurstreiber zu werten.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich die operative Stärke – sichtbar am Auftragsbestand von 7,4 Milliarden Euro – in den kommenden Monaten stärker im Kurs niederschlägt. Die nächste Gelegenheit dafür bieten die für den 5. November angekündigten Zahlen zum dritten Quartal.
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