612,8 Millionen Euro Auftragseingang in einem einzigen Quartal. Das hat RENK noch nie geschafft. Und die Aktie? Liegt am heutigen Donnerstag rund 2,5 Prozent im Minus. So ist das halt manchmal mit Rekorden, die der Markt schon erwartet hatte.
Zahlen, die sich sehen lassen
RENK hat die Halbjahreszahlen für 2026 vorgelegt, und die sind ordentlich. Der Auftragseingang kletterte in den ersten sechs Monaten auf rund 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,9x bedeutet: Für jeden Euro Umsatz kommen fast zwei Euro neue Aufträge rein. Der Gesamtauftragsbestand steht nun bei 7,4 Milliarden Euro, ein neues Allzeithoch.
CEO Dr. Alexander Sagel brachte es so auf den Punkt: „Mit knapp 1,2 Milliarden Euro Auftragseingang haben wir bereits nach sechs Monaten nahezu das Niveau der ersten neun Monate des Vorjahres erreicht.“ Das ist kein Understatement.
VMS zieht, der Rest kämpft
Wer genauer hinschaut, sieht allerdings ein zweigeteiltes Unternehmen. Die Division Vehicle Mobility Solutions, also alles rund um Getriebe und Antriebe für Militärfahrzeuge, läuft auf Hochtouren. Auftragseingang plus 42,6 Prozent auf 970,4 Millionen Euro, bereinigte EBIT-Marge von 19,2 Prozent nach 17,1 Prozent im Vorjahr. Treiber waren unter anderem ein Folgeauftrag der U.S. Army für das HMPT 800 Getriebe über den THOR-IV-Rahmenvertrag mit einem Gesamtvolumen von bis zu 691 Millionen US-Dollar sowie die Verlängerung des Rahmenvertrags mit Rheinmetall für das Programm KF41 Lynx im Wert von rund 270 Millionen Euro.
Die Divisionen Marine & Industry und Slide Bearings hingegen kämpfen. Der schwache Industriesektor drückt auf die Margen, und bei Slide Bearings kommen noch die deutlich höheren US-Zölle obendrauf. Die bereinigte EBIT-Marge in diesem Bereich fiel von 16,6 auf 12,5 Prozent.
David Brown und der lange Horizont
Neben den Halbjahreszahlen treibt RENK die geplante Übernahme von David Brown Defence voran. Das Closing ist für das vierte Quartal 2026 geplant, regulatorische Genehmigungen stehen noch aus. Strategisch interessant ist dabei vor allem der Zugang zu den Five-Eyes-Märkten und zu großen Marineprogrammen, darunter das Global Combat Ship mit bis zu 34 Schiffen für Kanada, Großbritannien, Australien und Norwegen.
CFO Anja Mänz-Siebje nannte die Finanzlage „eine gute Basis, um unsere strategischen Ambitionen bezüglich profitablen Wachstums und M&A weiter zu verfolgen.“
Prognose bestätigt, Kurs trotzdem schwach
Die Jahresprognose bleibt stehen: Umsatz über 1,5 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Das klingt solide. YTD liegt die Renk-Aktie dennoch gut 12 Prozent im Minus, obwohl die 52-Wochen-Spanne von 40,48 bis 90,16 Euro zeigt, wie viel Bewegung in dem Papier steckt. Rekordauftragseingang, bestätigte Prognose, Allzeithoch im Auftragsbestand. Und trotzdem rot. Der Markt will offenbar mehr als das, was er schon wusste.
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