Renk Aktie: NATO-Gipfel belastet Kurs

Renk-Aktie bricht nach NATO-Prioritätenverschiebung ein. Analysten senken Kursziel, trotz neuem Großauftrag von Rheinmetall.

Auf einen Blick:
  • Kursrutsch um über fünf Prozent
  • NATO fokussiert auf Luftverteidigung
  • Analysten stufen Aktie herab
  • Großauftrag von Rheinmetall verpufft

Rüstungsaktien gelten als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Ausgerechnet jetzt, während der Nahe Osten in Flammen steht und Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper kauft, bricht der Kurs eines deutschen Rüstungskonzerns ein. Wer geglaubt hat, Rüstungswerte seien ein Selbstläufer, wird gerade eines Besseren belehrt.

Renk fällt am Donnerstag um 5,14 Prozent auf 43,91 Euro.

Wer im Oktober zum Höchstkurs gekauft hat, sitzt heute auf herben Verlusten.

Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 88,73 Euro liegt inzwischen bei 50,52 Prozent.

Die NATO dreht die Prioritäten

Der Grund liegt nicht in fehlenden Aufträgen. Der NATO-Gipfel in Ankara hat die Prioritäten verschoben: weg von schweren Landsystemen, hin zu Luftverteidigung, Drohnen und elektronischer Aufklärung. Für einen Getriebespezialisten wie Renk ist das eine unbequeme Botschaft.

Analysten von MWB Research reagierten prompt. Sie senkten die Einstufung von „Buy“ auf „Hold“ und kappten das Kursziel auf 50 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 20,43 Prozent verloren.

Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Die hohen Wachstumserwartungen der vergangenen Jahre könnten zu optimistisch gewesen sein.

Ein Großauftrag ohne Wirkung

Dabei lief operativ am Donnerstag einiges richtig. Renk erweiterte den Rahmenvertrag mit Rheinmetall für den Schützenpanzer Lynx KF41. Das Volumen inklusive Optionen liegt bei über 270 Millionen Euro.

Geliefert werden das Getriebe HSWL 256C und die passenden Seitenvorgelege. CEO Michael Masur bezeichnet die Komponenten als das „Herzstück“ des Antriebssystems.

An der Börse verpuffte die Meldung wirkungslos. Reicht ein Auftrag von 270 Millionen Euro aus, um den Strategiewandel der gesamten NATO auszugleichen?

Zwölf NATO-Staaten investieren aktuell gemeinsam in ein Programm für weitreichende Präzisionswaffen. Das Volumen beläuft sich auf 50,66 Milliarden US-Dollar. Die „Deep Precision Strike“-Initiative zielt auf Reichweiten von bis zu 2.000 Kilometern.

In dieser Welt der Hyperschallwaffen und Langstreckenraketen wirkt ein Kettenfahrzeug-Getriebe wie Technik von gestern. Investoren richten den Blick auf Reichweite und Präzision, nicht auf Bodentruppen. Genau das trifft Renks Kerngeschäft direkt.

Charttechnisch tief im Keller

Die Zahlen bestätigen die Verunsicherung. Auf Sicht von zwölf Monaten verliert die Aktie 39,96 Prozent. Damit gehört sie zu den schwächsten Werten im Sektor.

Die annualisierte Volatilität liegt bei 53,87 Prozent. Das zeigt, wie nervös Anleger bei jedem Gegenwind reagieren.

Immerhin: Der Kurs liegt noch 8,66 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 40,41 Euro. Der Trend zeigt trotzdem klar nach unten.

Kurzfristige Erholungsversuche verpuffen bislang schnell.

Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt hat sich auf 20,34 Prozent ausgeweitet. Der RSI von 42,3 signalisiert weiterhin fehlenden Kaufdruck.

Renk durchläuft gerade eine Neubewertung. Die Auftragsbücher sind voll, die fundamentale Substanz ist unbestritten vorhanden. Trotzdem fragen sich Marktteilnehmer, ob ein Getriebehersteller in einer zunehmend luftgestützten und digitalisierten Kriegsführung noch dieselbe Rolle spielt wie früher.

Rüstung ist eben nicht gleich Rüstung. Raketenspezialisten und Drohnenhersteller boomen, während Renk erst beweisen muss, dass seine Technologie auch künftig unverzichtbar bleibt. Bei einer Marktkapitalisierung von 4,65 Milliarden Euro bewertet der Markt diese Frage derzeit mit spürbarer Skepsis.

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