Bei Renk entscheidet nicht allein die niedrigere Prognose über die operative Einordnung. Entscheidend ist auch, welche Geschäfte sie umfasst. Nach dem angekündigten Verkauf der Gleitlagersparte beziehen sich die Ziele auf einen kleineren Konzernumfang. Die neue Prognose ist deshalb nicht direkt mit der bisherigen vergleichbar. Zugleich liegen die Erwartungen von Jefferies auch für das verbleibende Geschäft höher als die Unternehmensziele.
Ziviles Geschäft bleibt teilweise erhalten
Der angekündigte Verkauf an Miba bedeutet keinen vollständigen Abschied von zivilen Aktivitäten. Laut Renk bleibt das zivile Geschäft der Division Marine & Industry von der Transaktion unberührt. Anleger sollten deshalb zwischen der abgegebenen Gleitlagersparte und den fortgeführten Aktivitäten unterscheiden.
Die strategische Richtung ist dennoch eindeutig: Renk will den Verteidigungsanteil am Gesamtumsatz bis 2030 auf rund 90 % steigern. Das ist ein Unternehmensziel, kein bereits erreichter Umsatzmix.
Die Abgabe verändert damit das Profil des Konzerns. Sie beseitigt aber nicht sämtliche industriellen Einflussfaktoren. Gerade dieser Unterschied ist für die Bewertung wichtig: Ein stärkerer Verteidigungsfokus bedeutet nicht, dass die Entwicklung ziviler Märkte für Renk bedeutungslos wird.
Das zum Verkauf stehende Geschäft erzielt nach Angaben von Miba rund 130 Mio. € Jahresumsatz. Es umfasst rund 500 Beschäftigte an fünf Produktionsstandorten.
Der Abschluss steht weiterhin unter dem Vorbehalt der üblichen behördlichen Genehmigungen. Der verbindliche Vertrag ist daher nicht mit dem vollzogenen Eigentümerwechsel gleichzusetzen.
Prognose mit verändertem Umfang
Ab dem vierten Quartal 2026 wird Renk die Gleitlagersparte nach IFRS 5 als nicht fortgeführten Geschäftsbereich ausweisen. Die aktualisierte Jahresprognose gilt für die fortgeführten Bereiche VMS und Marine & Industry.
Dafür erwartet Renk rund 1,4 Mrd. € Umsatz sowie ein bereinigtes EBIT von 240–255 Mio. €.
Die bisherige Konzernprognose hatte einen anderen Umfang. Ein unmittelbarer Vergleich würde den Effekt der herausgelösten Sparte mit der Entwicklung des verbleibenden Geschäfts vermischen.
Zuvor hatte Renk mehr als 1,5 Mrd. € Umsatz und ein bereinigtes EBIT von 255–285 Mio. € in Aussicht gestellt.
Für Anleger folgt daraus: Die niedrigeren Zielwerte allein belegen keine entsprechende operative Verschlechterung. Aussagekräftiger ist der Vergleich mit Erwartungen, die ebenfalls ohne das Gleitlagergeschäft gerechnet sind.
Analystenschätzungen setzen einen höheren Maßstab
Genau einen solchen Vergleich liefert Jefferies. Das Analysehaus kalkuliert ohne die Sparte mit 1,45 Mrd. € Umsatz und 261 Mio. € bereinigtem EBIT. Das Kursziel beträgt 60 €.
Damit liegen beide Geschäftsschätzungen über den Unternehmenszielen. Jefferies hält dennoch an der Kaufempfehlung fest. Der veränderte Konzernumfang erklärt somit die eingeschränkte Vergleichbarkeit der Prognosen, nicht aber den gesamten Abstand zu den Analystenerwartungen.
JPMorgan hat unterdessen seine Gewinnschätzungen je Aktie für 2027–2030 reduziert. Analyst David H. Perry begründet dies mit einem langsameren Hochlauf deutscher Panzerfahrzeugprogramme und schwächeren Industrieaussichten.
Die zentrale Bewertungsfrage lautet deshalb nicht nur, wie stark Renk auf Verteidigung ausgerichtet ist. Ebenso wichtig ist, wie schnell die verbleibenden Programme anlaufen und welchen Ergebnisbeitrag das fortgeführte Geschäft tatsächlich liefert.
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