Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Renk kommt einfach nicht mehr in die Spur. Zwar haben sich die Papiere des Rüstungskonzerns etwas vom Jahrestief, ausgebildet am 13. Mai bei 42,12 Euro, auf aktuell rund 46 Euro absetzen können. Doch aufs Jahr gesehen hat der Getriebespezialist noch immer mehr als ein Drittel seines Börsenwerts eingebüßt. Das hat das Unternehmen im Übrigen mit dem großen Wettbewerber Rheinmetall gemein, der sich trotz zahlreicher gemeldeter Kooperationen an der Börse ebenfalls schwertut. Und auch bei Renk hatte die jüngste Meldung über eine solche nicht den erhofften Effekt.
Renk Aktie Chart
Renk entwickelt Fahrzeugkonzept mit Patria
Denn wie die Augsburger zum Wochenstart mitgeteilt hatten, stellen Renk und das Verteidigungs- und Technologieunternehmen Patria auf der Eurosatory 2026 in Paris gemeinsam ein Konzept für ein Heavy Unmanned Ground Vehicle (UGV) der nächsten Generation vor. Das am Renk-Stand präsentierte Demonstrationsmodell vereine „die modulare TRACKX-Fahrzeugplattform von Patria mit dem neu entwickelten HSWL 076-Getriebe von Renk und der Drive-by-Wire-Mobilitätsarchitektur“. Gemeinsam zeigen die Unternehmen noch bis Donnerstag, „wie fortschrittliche Antriebslösungen und modulare Fahrzeugplattformen den Übergang zu ferngesteuerten und künftig autonomen Landsystemen beschleunigen können“, wie es heißt.
„Die Zukunft der Landoperationen wird von digital vernetzten und skalierbaren Fahrzeugarchitekturen abhängen“, davon ist Alexander Sagel, CEO der Renk Group AG, überzeugt. Gemeinsam mit Patria zeigen man, wie europäische Verteidigungskooperation „Innovationen schnell in skalierbare und zukunftsfähige Lösungen für unbemannte Landsysteme überführen kann“.
Ein „Meilenstein“ für die Zusammenarbeit
Panu Routila, Präsident und CEO von Patria pflichtet ihm bei: Patria TRACKX sei ein außergewöhnliches gepanzertes Kettenfahrzeug für anspruchsvolle Geländeeinsätze und biete eine optimale Lösung für verschiedenste Anwendungen mit hohen Mobilitätsanforderungen militärischer Nutzer, so Routila. Dieser Meilenstein unterstreiche „die strategische Tiefe der Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen“, heißt es.
- Anfang 2026 erteilte Patria Renk den Auftrag für eine Vorserienlieferung von HSWL 076-Getrieben für die TRACKX-Fahrzeugfamilie
- Es wurde laut Renk in weniger als zwei Jahren nach militärischen Standards entwickelt und validiert
Renk sieht großen Bedarf beim Militär
Mit seiner kompakten Bauweise, dem geringen Gewicht von circa 700 kg, der hohen Leistungsdichte und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h eignet sich das HSWL 076 laut Mitteilung speziell für leichte Kettenfahrzeuge im Bereich von 10 bis 20 Tonnen. Das Getriebe vereine Lenk-, Brems- und Antriebsfunktionen in einer digital gesteuerten Antriebsstrangarchitektur.
„Das System schafft die Grundlage für fortschrittliche Funktionen wie Fernsteuerung, Platooning, Crew-Sharing-Konzepte sowie zukünftige autonome Fähigkeiten – ohne dass ein grundlegendes Redesign der Fahrzeugplattform erforderlich ist“, heißt es. Und der Bedarf ist offenbar da: Die jüngsten Konflikte, insbesondere in der Ukraine, hätten deutlich gemacht, wie wichtig unbemannte und optional bemannte Systeme für Einsätze in stark umkämpften Gebieten seien, so Renk.
Renk-Aktie weit unter jüngsten Kurszielen
An den Aktienmärkten indes blieb die Nachricht ohne große Wirkung. Dabei hatten auch die Analysten laut finanzen.net zuletzt hohe Kursziele für die Renk-Aktie aufgerufen. Ein Überblick:
- Jefferies: 70,00 EUR, +54,24%
- Goldman Sachs: 65,00 EUR, +43,22%
- Deutsche Bank: 73,00 EUR, +60,85%
- Berenberg-Bank: 76,00 EUR, +67,46%
Besonders zuversichtlich zeigte sich die Privatbank Berenberg: Analyst George McWhirter hatte die Einstufung für Renk auf „Buy“ mit einem Kursziel von 76 Euro belassen und lobte nach den Quartalszahlen vor allem den Auftragseingang und das operative Ergebnis des Panzergetriebeherstellers. Sowohl das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern im ersten Jahresviertel als auch der redkordhohe Auftragseingang seien besser als erwartet ausgefallen. Doch seit dem Analysetag Anfang Mai hat die Renk-Aktie nicht etwa zugelegt, sondern rund 20 Prozent nachgegeben.
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