Starke Auftragsbücher, schwache Kurse. Bei der Renk Group klaffen operative Realität und Börsenbewertung weit auseinander. Das Management zieht nun die Reißleine. Eine Roadshow soll das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen.
Technischer Verkaufsdruck
Ein wesentlicher Grund für die Kursschwäche ist mechanischer Natur. Am kommenden Montag fliegt Renk aus dem Centenary-Select-Index von iSTOXX. Indexfonds müssen ihre Positionen zwangsweise auflösen. Dieser Verkaufsdruck belastet das Papier spürbar. Aktuell notiert die Aktie bei 46,90 Euro. Damit liegt sie gut 47 Prozent unter ihrem vergangenen Jahreshoch.
Parallel dazu passen Analysten ihre Modelle an. Die Investmentbank Jefferies senkte das Kursziel von 78 auf 70 Euro. Die Experten verweisen auf das herausfordernde Marktumfeld. Sie belassen die Einstufung aber auf „Buy“. Renk zähle weiterhin zu den attraktivsten Akteuren bei Landsystemen.
Milliarden-Aufträge als Argument
Gegen den Abwärtstrend startet das Management nun eine Offensive. Am 22. Juni stellt sich der Vorstand in London den Fragen institutioneller Investoren. Zwei Tage später folgt ein Termin in Baden-Baden. Das Ziel: Die Stärke des eigenen Geschäftsmodells beweisen.
Die Fundamentaldaten liefern dafür Munition. Im ersten Quartal erreichte der Auftragsbestand ein Rekordhoch von 6,9 Milliarden Euro. Davon sind 2,6 Milliarden Euro bereits fest zugesagt. Den geplanten Jahresumsatz von über 1,5 Milliarden Euro hat Renk damit fast vollständig abgesichert.
Weg vom reinen Zulieferer
Zeitgleich treibt das Unternehmen seinen strategischen Umbau voran. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentiert sich Renk aktuell als Systemintegrator. Ein neues Getriebe soll den Markt für gepanzerte Radfahrzeuge erschließen. Damit reduziert der Konzern seine Abhängigkeit vom klassischen Kettenfahrzeug-Geschäft.
Gemeinsam mit dem finnischen Partner Patria zeigt Renk ein unbemanntes schweres Bodenfahrzeug. Die integrierte Drive-by-Wire-Technologie steuert Antrieb und Bremsen rein elektronisch. Das gilt als Grundvoraussetzung für künftige autonome Landsysteme der NATO.
Operativ bleibt der Getriebespezialist auf Kurs. Für 2026 peilt das Management ein bereinigtes operatives Ergebnis zwischen 255 und 285 Millionen Euro an. Die kommende Woche entscheidet, ob diese Zahlen ausreichen. In London und Baden-Baden muss der Vorstand die institutionellen Verkäufer stoppen.
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