Europas größte Online-Apotheke hat im zweiten Quartal genau das geliefert, was der Markt hören wollte: mehr Wachstum, mehr Profitabilität, und das auch noch gleichzeitig. Redcare Pharmacy legte am Mittwoch Zahlen vor, die die Erwartungen der Analysten klar übertrafen und die im Juni angehobene Jahresprognose bestätigten. Die Aktie reagierte mit einem Plus von rund 2,8 Prozent auf 69,75 Euro im Xetra-Handel.
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro — eine Beschleunigung gegenüber den 18 Prozent aus dem ersten Quartal. Das bereinigte EBITDA sprang um 63 Prozent auf 29,6 Millionen Euro und lag damit deutlich über der Analystenschätzung von rund 23,5 Millionen Euro. Die entsprechende Marge stieg auf 3,5 Prozent — der höchste Wert seit zehn Jahren.
Rx-Geschäft bleibt der Motor
Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten treibt Redcare weiterhin an. In Deutschland wuchs der Rx-Umsatz um 58 Prozent auf 180 Millionen Euro, konzernweit legte das Segment um 34 Prozent auf 339 Millionen Euro zu. Die Zahl aktiver Rx-Kunden in Deutschland stieg um 16 Prozent auf 1,7 Millionen, der durchschnittliche Bestellwert kletterte um 14 Prozent auf 138 Euro.
Auch die Kundenzufriedenheit zieht mit: Der Net Promoter Score erreichte 77 Punkte, den höchsten Stand seit dem Rx-Start. Das nicht-verschreibungspflichtige Geschäft (Non-Rx) fasste nach mehreren schwächeren Quartalen wieder Tritt und wuchs um 13 Prozent auf 515 Millionen Euro, gestützt durch Preismaßnahmen und eine Erholung des breiteren deutschen Apothekenmarkts.
Auslandsgeschäft dreht erstmals profitabel
Ein Meilenstein war das internationale Segment. Es erzielte erstmals eine positive EBITDA-Marge von 0,9 Prozent, nach minus 1,5 Prozent im Vorjahresquartal. CEO Olaf Heinrich bezeichnete dies als wichtigen Beleg dafür, dass sich das deutsche Erfolgsmodell auf andere europäische Märkte übertragen lässt.
Möglich wurde die Verbesserung vor allem durch geringere Marketingausgaben. Der Anteil am Umsatz sank auf 5,1 Prozent von 7,2 Prozent im Vorjahr — der Höchststand lag Ende 2024 noch bei über 8 Prozent. Management deutete an, die Marketingquote im zweiten Halbjahr bei rund 5 Prozent zu halten. Der Nettogewinn drehte auf 4 Millionen Euro, nach einem Verlust im Vorjahresquartal.
Die Bruttomarge geriet dabei unter Druck, weil Rx-Produkte margenärmer sind als das klassische Non-Rx-Sortiment. In der DACH-Region fiel sie von 23,3 auf 21,3 Prozent — die operative Marge verbesserte sich trotzdem von 3,5 auf 4,0 Prozent, weil Skaleneffekte und Marketingeffizienz den Rückgang mehr als ausglichen.
Prognose bestätigt, Herbst als Testfall
Redcare bestätigte die im Juni angehobenen Jahresziele: ein Umsatzwachstum von 15 bis 17 Prozent, ein Rx-Umsatz in Deutschland zwischen 680 und 720 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 2,5 bis 3,0 Prozent. Das Management verwies auf anhaltende Rx-Dynamik, höhere Bestellwerte und Effizienzgewinne als Treiber der Anhebung.
Für das dritte Quartal dämpfte das Unternehmen die Erwartungen leicht: Das Julli-Wachstum lag konzernweit unter 20 Prozent, das Non-Rx-Wachstum in Deutschland nur im niedrigen einstelligen Bereich. Das dritte Quartal ist wegen der Sommerferien saisonal das schwächste im Jahr, zudem läuft im September der Vergleichseffekt aus der Einführung der Rx-Boni aus. Der freie Cashflow blieb mit minus 17 Millionen Euro negativ, belastet durch temporäre Working-Capital-Effekte und das laufende Automatisierungsprojekt in Sevenum, das bis Januar oder Februar 2027 abgeschlossen sein soll.
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