Redcare Pharmacy hat im ersten Quartal 2026 kräftig zugelegt. Der Konzernumsatz stieg um 18,4 Prozent auf 849,5 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Besonders das deutsche Rx-Geschäft, also der Versand rezeptpflichtiger Medikamente, legte mit einem Plus von 55 Prozent deutlich zu und bestätigt damit den Trend, dass das elektronische Rezept den Online-Handel mit verschreibungspflichtigen Arzneien in Deutschland beschleunigt.
Auch auf der Ertragsseite zeigte sich Fortschritt: Das bereinigte EBITDA kletterte um 58 Prozent auf 14,4 Millionen Euro. Die Zahl der aktiven Kunden erhöhte sich binnen Jahresfrist um 1,1 Millionen auf 14,2 Millionen. Auf Basis dieser Entwicklung hob das Management die Jahresprognose an, ohne dass konkrete neue Zielwerte für den Gesamtkonzern genannt wurden.
Kurs erholt sich von Tiefstständen
Die Aktie hat auf die operative Erholung reagiert. Zum Handelsschluss am Freitag notierte das Papier bei 66,05 Euro und damit weit über dem 52-Wochen-Tief von 30,06 Euro, das am 30. März markiert wurde. Der Kurs liegt inzwischen 15,06 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt, ein Indiz dafür, dass sich der mittelfristige Trend gedreht hat. Vom Rekordhoch aus dem vergangenen Sommer bleibt die Aktie dennoch spürbar entfernt – die Erholung der vergangenen Monate hat den Kursverlust der zurückliegenden zwölf Monate erst teilweise wettgemacht.
Die kurzfristige Handelsdynamik wirkt inzwischen ausgeglichen: Auf Wochensicht und auf Monatssicht gab der Kurs jeweils leicht nach, während er seit Jahresbeginn nahezu unverändert notiert. Das deutet darauf hin, dass die große Rallye der vergangenen Monate zunächst pausiert, ohne dass neue Verkaufsdynamik entstanden wäre.
Konsolidierung im deutschen Apothekenmarkt
Der Wachstumsschub bei Redcare fällt in eine Phase, in der der stationäre wie auch der digitale Apothekenmarkt in Deutschland unter Druck steht. Mitte Juli meldete die Sanicare-Gruppe, die unter anderem als BS-Apotheken OHG firmiert, beim Amtsgericht Osnabrück ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung an. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro und 74 Mitarbeitern begründete den Schritt mit sinkenden Umsätzen und hohen Investitionen; der Betrieb läuft vorerst weiter.
Auch im stationären Geschäft verschärft sich die Lage: In Düsseldorf schlossen im ersten Halbjahr zwei Apotheken, während nur vier Neueröffnungen registriert wurden. Zum 1. Juli stieg das Apothekenhonorar von 8,35 auf 9 Euro je Packung, gleichzeitig soll der Zwangsrabatt für Apotheken 2027 um weitere 30 Cent zulegen – ein Nettoeffekt, den Apothekervertreter kritisch sehen. Für Online-Anbieter wie Redcare verschiebt sich die Wettbewerbslage damit tendenziell zu ihren Gunsten, da kleinere stationäre Betriebe unter den steigenden Kostenstrukturen leiden.
Wachstumstreiber E-Rezept bleibt entscheidend
Der zentrale Werttreiber für Redcare bleibt die Durchdringung des E-Rezepts im deutschen Markt. Der Sprung des Rx-Umsatzes um 55 Prozent im ersten Quartal zeigt, dass sich die regulatorische Öffnung des Marktes zunehmend in Umsatz übersetzt. Sollte sich dieses Tempo fortsetzen, dürfte die im laufenden Jahr angehobene Prognose realistisch erreichbar sein. Anleger werden in den kommenden Wochen genau beobachten, ob sich die operative Dynamik in den Halbjahreszahlen bestätigt und ob die Kurserholung seit dem Tief im März auf diesem Fundament weiter tragfähig bleibt.
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