Zehn Analysten, neun Kaufempfehlungen, ein Kursziel von durchschnittlich 97 Euro. Die Aktie selbst notiert bei 62,25 Euro. Diese Lücke zwischen Bankenmeinung und Börsenrealität treibt Redcare Pharmacy derzeit um.
Kurs fällt, Kursziele steigen
Die Aktie des Online-Apothekers verliert am Mittwoch weitere 2,05 Prozent. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Rückgang auf knapp zehn Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 104,80 Euro, erreicht vor fast genau einem Jahr, trennen das Papier inzwischen mehr als 40 Prozent.
Ausgerechnet in dieser schwachen Phase aktualisierten mehrere große Banken am 4. August ihre Einschätzungen — und zwar nach oben. Warburg Research ruft ein Kursziel von 116 Euro aus, Deutsche Bank sieht 103 Euro, Berenberg 94 Euro. Baader Bank und UBS liegen mit 85 beziehungsweise 74 Euro am unteren Ende der Spanne, bestätigen aber ebenfalls das Aufwärtspotenzial.
Der Optimismus fußt auf den Quartalszahlen von Ende Juli. Sie lieferten der Aktie zunächst keinen Schub, überzeugten aber offenbar die Researchabteilungen.
Das E-Rezept treibt das Geschäft
Der zentrale Wachstumstreiber bleibt das digitale Rezeptgeschäft in Deutschland. Nach der breiten Einführung der CardLink-Lösung Anfang des Jahres verzeichnet Redcare deutliche Zuwächse im verschreibungspflichtigen Segment. Im zweiten Quartal erreichte der Umsatz rund 854 Millionen Euro und traf damit die Markterwartungen.
Wichtiger als der Umsatz selbst ist für viele Analysten die Verlustentwicklung. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Marktkonsens mit einem Umsatz von 3,41 Milliarden Euro. Die erwarteten Nettoverluste sollen dabei um rund 70 Prozent gegenüber den Vorjahreswerten schrumpfen.
Hinzu kommt zweistelliges Wachstum im rezeptfreien Geschäft (OTC). CEO Olaf Heinrich und CFO Jasper Eenhorst betonten zuletzt, der Konzern liege auf Kurs zur Jahresprognose.
Abwarten statt Zugreifen
Die aktive Kundenbasis von Redcare erreichte zu Jahresbeginn 13,1 Millionen Nutzer. Der Markt beobachtet nun genau, ob sich dieses Wachstum in echte Profitabilität übersetzen lässt. Private Anleger zeigen sich bislang zurückhaltend — die Kursentwicklung der vergangenen Wochen spricht eine andere Sprache als die Analystenmodelle.
Seit Jahresbeginn steht für die Aktie ein Minus von 5,4 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es fast 40 Prozent. Die Diskrepanz zwischen Kursverlauf und Kurszielen bleibt damit vorerst bestehen. Ob die für 2026 erwartete deutliche Verlustreduzierung reicht, um diese Lücke zu schließen, dürfte sich an den kommenden Quartalsberichten zeigen.
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