Redcare Pharmacy wächst zweistellig, verbessert die Margen und gewinnt Kunden. Trotzdem steckt der Aktienkurs tief im roten Bereich. Der Grund liegt auf der Hand: Die operative Wende ist noch nicht geschafft – Anleger warten auf den Beweis, dass die Plattform endlich Gewinne abwirft.
Am Markt notiert die Aktie bei 45,28 Euro. Das sind 63 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 125,20 Euro. Seit Jahresbeginn verlor das Papier knapp ein Drittel an Wert.
Stärkere Margen, kräftiges Wachstum
Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Quartal um 58 Prozent auf 14,4 Millionen Euro. Die bereinigte Marge verbesserte sich von 1,3 auf 1,7 Prozent. Der Umsatz legte um 18,4 Prozent auf 849,5 Millionen Euro zu – getragen von einer Erholung des Nicht-Rezept-Geschäfts in Deutschland. Das Wachstum in diesem Segment betrug im ersten Quartal 9 Prozent und zog im April auf etwa 11 Prozent an.
Die aktive Kundenbasis wuchs netto auf 14,2 Millionen Nutzer – ein Plus von 1,1 Millionen im Jahresvergleich. Der durchschnittliche Warenkorb stieg um 9 Prozent auf 68 Euro.
Technologische Expansion und Investorenansprache
Ein zentraler Baustein der Strategie: die IT-Infrastruktur. Redcare hat neue TI-Zugangstechnologie integriert, die das E-Rezept beschleunigen soll. Die CardLink-Lösung ist lizenziert und bleibt bis Anfang 2027 ein Schlüsselelement für den digitalen Rezeptrollout in Deutschland.
Das Management nutzt Investorentage im Mai, darunter eine große Europakonferenz in Frankfurt, um diese Fortschritte zu präsentieren. Die Vision ist die „One-Stop-Pharmacy“: Hohe Kundenzufriedenheit – gemessen an einem Net Promoter Score von 76 bei E-Rezepten – soll größere Warenkörbe bringen.
Guidance und Markteinschätzung
Redcare bestätigt die Jahresprognose 2026 mit einem Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent. Die Basis: steigende Akzeptanz digitaler Gesundheitslösungen und diszipliniertes Kostenmanagement in allen sieben europäischen Märkten.
Analysten bleiben mehrheitlich positiv. Der Konsens lautet „Kaufen“ oder „Moderat Kaufen“. Mehrere Institute sehen eine deutliche Bewertungslücke zum langfristigen fairen Wert. Das Problem: Im ersten Quartal schrieb Redcare immer noch einen Nettoverlust von rund 10,5 Millionen Euro. Die enger werdende Schere zwischen Umsatz und bereinigtem Ergebnis ist aus Anlegersicht der entscheidende Indikator – sie zeigt, ob die Profitabilitätswende wirklich gelingt. Das Ziel: ein operativ nachhaltiges Geschäft. Der Weg dorthin bleibt das bestimmende Thema für den Aktienkurs.
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