Die April-These klang eigentlich vernünftig: QuantumScape als Short, Solid Power als Long, beide in der gleichen Frühphase der Feststoffbatterie-Wette, beide dem gleichen Sektordruck ausgesetzt. Wer sich absichern will, nimmt das günstigere der beiden und wettet gegen das teurere. Sauber. Nur hat der Markt diese Logik seither gründlich ignoriert.
Das Hedge-Bein blutet auf der falschen Seite
Seit dem April-Call ist Solid Power um rund 28 Prozent gefallen. QuantumScape, das Sell-Bein des Trades, gab nur rund 16 Prozent nach und zeigte sich damit konsistent widerstandsfähiger. Wer das Paar hielt, verlor also auf beiden Seiten, nur nicht gleich viel.
Die Quartalszahlen erklären die Lücke kaum. QuantumScape meldete für Q1 einen operativen Verlust von rund 109 Mio. USD, Solid Power rund 26 Mio. USD, beide innerhalb der üblichen Bandbreite der vergangenen Quartale. Liquidität ebenfalls unauffällig. Was die Lücke öffnete, war kein Earnings-Schock.
Q2 kippt das Bild endgültig
Dann kamen die Q2-Zahlen von QuantumScape, und die sind tatsächlich stark. Das Jahresziel bei den Billings, mehr als die rund 19,5 Mio. USD aus 2025, ist bereits nach dem ersten Halbjahr erreicht: rund 21,8 Mio. USD in H1 2026. Die Kapitalausgaben-Guidance für das Gesamtjahr wurde von ursprünglich 40 bis 60 Mio. USD auf 27 bis 37 Mio. USD gesenkt. Und dann noch Honda: ein neuer Mehrjahrespartner nach mehreren Runden rigoroser Bewertungen. Das ist kein PR-Ereignis, das ist Validierung.
Solid Power hingegen hat seine wichtigste kurzfristige Erlösquelle, die Fortschrittszahlungen rund um die Site-Acceptance-Tests mit SK On, weitgehend hinter sich. Was bleibt, ist die Produktionslinie für kontinuierliche Elektrolytherstellung, die bis Jahresende hochlaufen soll. Ein „läuft nach Plan”-Update ist da bereits eingepreist, ein Rückschlag wäre das eigentliche Ereignis.
Finanzierungsqualität schlägt Bewertungsarithmetik
Der eigentliche Grund, warum der Pair-Trade in die falsche Richtung läuft, liegt laut der Analyse nicht in den Quartalszahlen, sondern in der Finanzierungsstruktur. QuantumScape hat seine Liquidität bislang ohne nennenswerte Aktienausgaben gehalten. Solid Power dagegen hat im Januar rund 121 Mio. USD über eine direkte Aktienplatzierung aufgenommen, und die ausgewiesene Liquidität von rund 435 Mio. USD enthält langfristige Investments, die kurzfristig nicht vollständig verfügbar sind. In einem Marktumfeld, das langes Warten mit wachsender Skepsis betrachtet, zählt das.
Die Aktienanzahl bei Solid Power ist in den vergangenen zwölf Monaten spürbar gestiegen. Für den Kurs pro Aktie ist das ein dauerhaftes Gegengewicht, das sich nicht wegdiskutieren lässt.
Volkswagen, Honda und was jetzt zählt
Im Hintergrund läuft noch die restrukturierte Vereinbarung mit Volkswagen PowerCo. Die möglichen Zahlungen sollen von rund 131 Mio. auf rund 75 Mio. USD sinken, das Management betonte aber, der Kasseneffekt werde gering bleiben, weil auch die Projektausgaben entsprechend fallen. Gewicht hat nun vor allem die Honda-Partnerschaft, deren Details in den kommenden Quartalen konkretisiert werden dürften.
Die Schlussfolgerung: QuantumScape wird auf Kauf gedreht, Solid Power auf Halten. Nicht weil die Bewertungslücke sich dramatisch verändert hätte, sondern weil Fortschritt und Finanzierungsqualität in diesem Regime mehr zählen als ein knappes Valuation-Spread. Und weil ein Pair-Trade, dessen Beine in die gleiche Richtung fallen, kein Hedge mehr ist, sondern schlicht ein teurer Irrtum auf zwei Positionen gleichzeitig.
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