Zwei Welten im NASDAQ-100: Während KI-Chips und Discount-Einzelhandel frische Höchststände markieren, drücken Regulierungssorgen und Breitbandverluste andere Titel tief ins Minus. Ein Blick auf die größten Gewinner und Verlierer der vergangenen Handelswoche.
Die Gewinner der Woche
| Asset | Kurs | Veränderung (Woche) | Sektor |
|---|---|---|---|
| Qualcomm | 205,35 € | +11,8 % | Technology |
| Ross Stores | 201,45 € | +7,8 % | Consumer Cyclical |
| Zscaler | 157,42 € | +7,0 % | Technology |
Die Verlierer der Woche
| Asset | Kurs | Veränderung (Woche) | Sektor |
|---|---|---|---|
| Pinduoduo | 81,00 € | -3,8 % | Consumer Cyclical |
| Strategy | 137,68 € | -2,9 % | Technology |
| Charter Communications | 124,76 € | -2,6 % | Communication Services |
Qualcomm: KI-Fantasie treibt den Chip-Riesen auf Jahreshoch
Qualcomm lieferte vergangene Woche den stärksten Einzelimpuls im gesamten NASDAQ-100. Der Kurssprung auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 205,35 Euro hatte gleich zwei Treiber: eine ausgeweitete Partnerschaft mit Stellantis im Automobilbereich und die beschleunigte Nachfrage nach On-Device-KI in Smartphones und vernetzten Fahrzeugen.
Stellantis wird Qualcomms Snapdragon-Prozessoren künftig über mehrere Fahrzeugdomänen hinweg einsetzen. Parallel arbeitet OpenAI mit Qualcomm an einem KI-Chip für ein geplantes Verbrauchergerät. Beide Partnerschaften unterstreichen die strategische Neupositionierung — weg vom reinen Smartphone-Zulieferer, hin zum zentralen Akteur im Edge-KI-Ökosystem.
Die Quartalszahlen liefern das fundamentale Fundament: Der Automotive-Umsatz erreichte mit 1,33 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord, ein Plus von 38 Prozent im Jahresvergleich. Der Gesamtumsatz lag bei 10,60 Milliarden US-Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie bei 2,65 US-Dollar — beides über Konsens.
- Wochenperformance: +17,4 %
- Monatsperformance: +60,7 %
- Strategische Katalysatoren: Stellantis-Deal, OpenAI-Kooperation, Wiedereintritt in den Rechenzentrum-CPU-Markt
Der Anstieg von fast 20 Prozent allein in den letzten drei Handelssitzungen ist mehr als ein kurzfristiges Strohfeuer. Wall Street bewertet Qualcomm zunehmend als Plattform-Player, der Hardware-Grundlagen für mehrere OEM-Segmente gleichzeitig liefert.
Ross Stores: Rekordumsätze befeuern die Off-Price-Story
Selten überrascht ein Einzelhändler so deutlich wie Ross Stores in der vergangenen Woche. Die Aktie sprang auf ein neues 52-Wochen-Hoch bei 201,45 Euro — getrieben von einem Quartalsergebnis, das selbst optimistische Erwartungen in den Schatten stellte.
Der Gesamtumsatz erreichte 6,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die herausragende Kennzahl: Das Wachstum der vergleichbaren Filialumsätze betrug 17 Prozent — der stärkste Wert in der 40-jährigen Unternehmensgeschichte.
Die operative Marge kletterte auf 13,4 Prozent und übertraf die eigene Planung deutlich. Entscheidend für die Kursreaktion war aber weniger das abgelaufene Quartal als die Anhebung des Jahresausblicks: Ross Stores erwartet nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von 6 bis 7 Prozent statt der zuvor avisierten 3 bis 4 Prozent.
Analysten reagierten prompt. Truist Securities hob das Kursziel auf 290 US-Dollar an, Wells Fargo bestätigte Overweight mit einem neuen Ziel von 245 US-Dollar. Die Stärke beflügelte im Nachhandel auch Rivalen wie TJX Companies und Burlington Stores — Investoren werten das Ergebnis als sektorweiten Erfolg für den Discount-Einzelhandel.
Zscaler: Übernahme und Sektorerholung als Doppelimpuls
Zscaler profitierte von einer strategischen Akquisition und einer positiven Stimmungswende im Cybersicherheitssektor. Die Aktie stieg um 7 Prozent, nachdem das Unternehmen die geplante Übernahme von Symmetry Systems bekanntgegeben hatte.
Symmetry Systems ist auf die Kartierung spezialisiert, wie verschiedene Identitäten — Mitarbeiter, KI-Agenten, Anwendungen — mit sensiblen Unternehmensdaten interagieren. Diese Technologie ergänzt Zscalers Zero-Trust-Plattform um eine Governance-Schicht für den Umgang von KI mit kritischen Informationen. Ein strategisch kluger Zug, der genau den Nerv der aktuellen Debatte trifft.
Gleichzeitig erholte sich der gesamte Cybersecurity-Sektor. KI wird am Markt zunehmend als positiver Faktor für Sicherheitsunternehmen wahrgenommen — mehr Einsatz von KI-Tools in Unternehmen bedeutet mehr Bedarf an Schutz. Analyst Erik Suppiger von B.Riley sieht die Nachfrage nach Zscalers Secure-Access-Produkten weiter gesund.
Der Kurs liegt nach wie vor rund 46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 292 Euro. Die Erholung um 37,5 Prozent im letzten Monat signalisiert aber eine Trendwende. Entscheidend wird der Earnings-Call heute am 26. Mai: Bestätigen die Zahlen den Aufwärtstrend, könnte die Rally weiter Fahrt aufnehmen.
Pinduoduo: Regulierungsdruck auf allen Kontinenten
PDD Holdings markierte am Freitag ein neues 52-Wochen-Tief bei 81,00 Euro. Drei Belastungsfaktoren wirkten gleichzeitig: eine regulatorische Offensive chinesischer Behörden gegen grenzüberschreitende Geschäftsaktivitäten, Vorsicht vor den Quartalszahlen am 27. Mai und strukturelle Margenbedenken.
Die internationale E-Commerce-Plattform Temu steht im Zentrum der Probleme. Die Europäische Kommission untersucht die Einhaltung des Digital Services Act, in den USA drohen Klagen. Der jüngste Jahresbericht listet zahlreiche laufende rechtliche Verfahren auf. Selbst in China verschärfen die Behörden die Gangart.
Das Ergebnis ist ein Tauziehen: Auf der einen Seite stehen projiziertes zweistelliges Umsatzwachstum und aggressive Expansion in ländliche Logistik. Auf der anderen Seite drücken steigende Compliance-Kosten auf die Margen. Viele Investoren reduzieren ihr Exposure vor dem Earnings-Report und warten auf Klarheit über die Profitabilitätsentwicklung. Seit Jahresanfang hat die Aktie 18 Prozent verloren.
Strategy: Bitcoin-Proxy unter Druck
Strategy — das als Bitcoin-Treasury-Unternehmen bekannte frühere MicroStrategy — verlor vergangene Woche knapp 4 Prozent. Mit mehr als 818.000 Bitcoin in der Bilanz handelt die Aktie faktisch als gehebelte Wette auf die Kryptowährung. Fällt Bitcoin, fällt Strategy in der Regel noch stärker.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte der jüngste Hinweis von Chairman Michael Saylor, das Unternehmen könnte erstmals einen Teil seiner Bitcoin verkaufen, um Dividenden zu finanzieren. Eine bemerkenswerte Abkehr von der jahrelangen „Never Sell“-Doktrin.
Die Quartalszahlen verstärkten die Skepsis: Strategy meldete für das erste Quartal einen Nettoverlust von 12,54 Milliarden US-Dollar, hauptsächlich verursacht durch nicht realisierte Verluste auf die Bitcoin-Bestände. Hinzu kam der abgeschlossene Rückkauf von Wandelanleihen im Volumen von rund 1,38 Milliarden US-Dollar in bar — ein Schritt, der die Liquidität belastet.
Die Kombination aus Bitcoin-Preisdruck, Bilanzrisiken und strategischem Paradigmenwechsel hält die Aktie in einer schwierigen Zone. Seit dem 52-Wochen-Hoch hat der Kurs fast 65 Prozent eingebüßt.
Charter Communications: Der Kabelriese im freien Fall
Charter Communications setzt seinen langen Abwärtstrend ungebremst fort. Die Aktie notiert bei 124,76 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief und rund 65 Prozent unter dem Hoch vom vergangenen Mai.
Der Auslöser der Talfahrt liegt Wochen zurück, wirkt aber nach: Die Q1-Zahlen hatten den größten Tagesverlust der Unternehmensgeschichte ausgelöst. Der Gewinn je Aktie von 9,17 US-Dollar verfehlte den Konsens von 10,63 US-Dollar deutlich. Der Gesamtumsatz sank um ein Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar.
Die kritischste Kennzahl: 120.000 verlorene Breitbandkunden in einem einzigen Quartal — mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. MoffettNathanson verwies neben dem Kundenschwund auf die enttäuschenden Erwartungen beim durchschnittlichen Breitbandumsatz pro Nutzer.
Der US-Kabelmarkt sieht sich intensiviertem Wettbewerb von AT&T Fiber, Verizon Fios und den Fixed-Wireless-Angeboten von T-Mobile ausgesetzt. Solange Charter keine überzeugenden Signale einer Trendwende beim Abonnentenrückgang liefert, bleibt der Gegenwind struktureller Natur. Seit Jahresanfang hat die Aktie 30 Prozent verloren.
NASDAQ-100: Strukturelle Spreizung nimmt zu
Die vergangene Handelswoche verdeutlicht die wachsende Kluft innerhalb des Index. KI-Halbleiter und Off-Price-Einzelhandel profitieren von strukturellem Rückenwind — Qualcomm und Ross Stores stehen stellvertretend für Geschäftsmodelle, die aktuell mehrere positive Katalysatoren gleichzeitig bündeln.
Auf der Gegenseite kämpfen Charter und Pinduoduo mit hausgemachten Problemen, die sich kurzfristig kaum lösen lassen. Bei Strategy und Pinduoduo hängt vieles von externen Faktoren ab — Bitcoin-Kurs und regulatorische Entwicklungen können sich schnell drehen, in beide Richtungen.
Für Zscaler wird der heutige Earnings-Call zum Gradmesser: Bestätigen die Zahlen die Erholungsbewegung der letzten Wochen, könnte sich die Cybersecurity-Rally verstetigen. Die Woche startet mit offenen Fragen — und reichlich Potenzial für Bewegung.
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