Qualcomm Aktie: Zwischen KI-Fantasie und Apple-Risiko

Qualcomm verzeichnet trotz KI-Potenzial sinkende Umsatzerwartungen und das wachsende Risiko durch Apples eigene Modemchips.

Auf einen Blick:
  • KI-Wachstum als Hoffnungsträger
  • Apple-Risiko durch Eigenentwicklung
  • Enttäuschende Umsatzprognose für Q2
  • Niedrige Bewertung lockt Anleger

Qualcomm steckt in einer ungewöhnlichen Lage. Das Unternehmen ist technologisch gut aufgestellt, kämpft aber an zwei Fronten gleichzeitig: Auf der einen Seite lockt der KI-Boom mit echten Wachstumschancen, auf der anderen Seite droht mit dem schwindenden Apple-Geschäft ein handfestes strukturelles Risiko. Diese Gemengelage macht die Aktie zu einem der interessanteren, aber auch schwieriger einzuschätzenden Halbleiterwerte des Jahres 2026.

Bereits vor dem ersten Quartalsbericht des Geschäftsjahres 2026 hatten kritische Beobachter vor einem Erwartungsproblem gewarnt. Die Befürchtung bewahrheitete sich: Qualcomm gab für das zweite Quartal eine Umsatzprognose von 10,2 bis 11,0 Milliarden Dollar aus, verbunden mit einem bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 2,45 und 2,65 Dollar. Beides lag spürbar unter den Erwartungen der Analysten, die mit 11,12 Milliarden Dollar Umsatz und 2,89 Dollar Gewinn je Aktie gerechnet hatten. Die Reaktion des Marktes fiel entsprechend aus.

Speicherpreise als Stolperfalle

Als Ursache für die schwächeren Zahlen nannte das Management gestiegene Speicherpreise, die die Nachfrage nach Smartphones gedämpft haben. Das ist auf den ersten Blick eine nachvollziehbare Erklärung. Problematisch ist jedoch, dass dieser Faktor noch nicht vollständig ausgepreist ist. Daten des Marktforschungsunternehmens TrendForce deuten darauf hin, dass die Speicherpreise auch im ersten und zweiten Quartal 2026 weiter angezogen haben. China, ein zentraler Absatzmarkt für Qualcomm, verzeichnete im ersten Kalenderquartal 2026 zudem einen Rückgang der Smartphone-Auslieferungen um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Qualcomm Aktie Chart

Das Apple-Problem bleibt ungelöst

Noch gravierender ist das strukturelle Risiko durch Apple. Der iPhone-Konzern entwickelt seit geraumer Zeit eigene Modemchips und hat diese Strategie zuletzt mit dem C1-Modem im iPhone 16e und dem C1X im iPhone 17e konsequent weiterverfolgt. Analysten schätzen, dass Apple im Geschäftsjahr 2025 rund 8,8 Milliarden Dollar zu Qualcomms Umsatz beigetragen hat, davon bis zu 3 Milliarden Dollar potenziell gefährdet. Wie stark dieser Effekt bereits in den kommenden Quartalszahlen sichtbar wird, dürfte einer der wichtigsten Belastungstests für die Aktie werden.

Günstige Bewertung weckt Interesse

Trotz dieser Risiken gibt es ein gewichtiges Argument für Qualcomm: die Bewertung. Mit einem geschätzten KGV von rund 12 notiert die Aktie etwa 50 Prozent unter dem Median des Technologiesektors. Hinzu kommen die neuen KI-Produkte AI200 und AI250, die als Rechenzentrum-Inferenzsysteme positioniert sind und bei positiver Marktaufnahme für frischen Rückenwind sorgen könnten. Die anstehenden Quartalsergebnisse werden zeigen, ob die Substanz stark genug ist, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.

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