Ein Deal, zwei Kursfeuerwerke: Qualcomm schießt zweistellig nach oben, und gleich eine ganze Riege von Chip- und Infrastrukturwerten zieht mit. Intel, AMD, Hewlett Packard Enterprise und der Glasfaserspezialist Corning legen am selben Handelstag kräftig zu. Der Auslöser sitzt bei Qualcomm selbst – und heißt Amazon.
Amazon steigt mit Warrants ein
Amazon erhält von Qualcomm das Recht, bis zu 25 Millionen Aktien zu einem Preis von 161,26 Dollar je Aktie zu kaufen. Ein Teil davon, das Kaufrecht auf 3,75 Millionen Aktien, ist bereits wirksam. Für die restlichen bis zu 21,25 Millionen Aktien muss Amazon noch verbindliche Bestellungen und tatsächliche Käufe von Qualcomm-Chips nachweisen.
Dahinter steht ein Rahmenabkommen mit einem möglichen Volumen von bis zu 60 Milliarden Dollar. Amazon Web Services soll darüber Server-Chips und Technologie von Qualcomm beziehen.
CFO Akash Palkhiwala erklärte auf der Goldman-Sachs-Technologiekonferenz in San Francisco, dass Umsätze aus der Amazon-Fertigung bereits im Dezember-Quartal anfallen sollen und als „Kernbaustein“ für das Ziel von 15 Milliarden Dollar Rechenzentrumsumsatz bis zum Geschäftsjahr 2029 gelten.
Die Kooperation reicht über reine Prozessoren hinaus. Beide Unternehmen entwickeln gemeinsam optische Datenübertragung mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde, um Bandbreiten-Engpässe in Rechenzentren zu lösen.
Qualcomm-Chef Cristiano Amon sprach von „jahrzehntelanger Führerschaft bei energieeffizientem Computing“, die nun in die nächste KI-Infrastrukturgeneration einfließen solle. Im Gegenzug will Qualcomm verstärkt auf AWS-Infrastruktur wie Amazon Bedrock setzen, um eigene Chipdesign-Prozesse zu beschleunigen.
Zweiter Kunde bereits in Arbeit
Bereits im Juni hatte Qualcomm bei seinem Investorentag von zwei unbenannten Rechenzentrumskunden gesprochen. Amazon war einer davon. Palkhiwala bestätigte nun, man verhandle „ähnlich fortgeschritten“ mit dem zweiten, bislang nicht genannten Kunden – ein Hinweis darauf, dass der Vorstoß ins Rechenzentrumsgeschäft kein Einzelfall bleiben soll.
Die erste Reaktion der Analysten fällt gemischt aus. Bernstein etwa bewertet die Kooperation als vorsichtig positiv, belässt die Aktie aber auf „Halten“ – ein Zeichen dafür, dass entscheidende Details des Deals, etwa die konkrete Umsatzverteilung, noch offen sind.
Für Qualcomm markiert der Schritt einen strategischen Bruch mit dem bisherigen Kerngeschäft aus Smartphone-Prozessoren und Funkchips. Ob aus der Ankündigung tatsächlich belastbare Milliardenumsätze werden, hängt davon ab, ob Amazon die vereinbarten Bestellbedingungen erfüllt und die optionalen Aktienpakete tatsächlich zieht.
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