Qualcomm Aktie: Tenstorrent-Übernahme für 8 bis 10 Milliarden

Qualcomm investiert Milliarden in KI-Chip-Zukäufe, während explodierende DRAM-Preise das Smartphone-Kerngeschäft belasten.

Auf einen Blick:
  • Übernahme von Tenstorrent für bis zu zehn Milliarden
  • DRAM-Preise binnen Jahresfrist um 172 Prozent gestiegen
  • Xiaomi senkt Auslieferungsziele drastisch
  • Aktie notiert 25 Prozent unter Jahreshoch

Qualcomm steht an einem Wendepunkt. Der Chipkonzern will mit milliardenschweren Zukäufen in die KI-Infrastruktur vorstoßen. Gleichzeitig leidet das Kerngeschäft unter einem beispiellosen Preisschock bei Speicherchips. Vergangenen Donnerstag legte die Aktie um 2,17 Prozent auf 166,74 Euro zu.

Der Plan für die Datenzentren

Laut Marktberichten verhandelt Qualcomm über die Übernahme von Tenstorrent. Das Unternehmen entwickelt KI-Chips auf Basis der RISC-V-Architektur. Der Deal könnte acht bis zehn Milliarden Dollar schwer sein. Qualcomm würde damit einen großen Schritt ins KI-Chipgeschäft machen. Zuvor hatte der Konzern bereits Alphawave für 2,4 Milliarden Dollar gekauft und plant die Akquisition von Modular für rund vier Milliarden Dollar.

Parallel dazu hat Qualcomm die Dragonfly-KI-Plattform vorgestellt. Konzern-Manager Atilla Tinic baut die Daten- und KI-Teams um. Das Ziel: interne Abläufe mit autonomen Agenten effizienter machen. Finanziell ist der Ehrgeiz messbar. Qualcomm erwartet Datenzentrum-Umsätze von rund fünf Milliarden Dollar bis 2027. Für 2029 sind sogar über 15 Milliarden Dollar angepeilt.

Der Speicher-Schock im Smartphone-Geschäft

Doch das Kerngeschäft wackelt. Im zweiten Quartal 2026 steuerte das Handy-Segment 66 Prozent des QCT-Umsatzes bei. Genau hier sitzt das Problem. KI-Rechenzentren saugen Unmengen an High-Bandwidth-Memory auf. Die Folge: DRAM-Preise sind binnen Jahresfrist um 172 Prozent explodiert.

Besonders hart trifft es die Hersteller günstiger Smartphones.

  • Xiaomi, Oppo und Vivo haben ihre Auslieferungsziele für 2026 um bis zu 30 Prozent gesenkt.
  • Xiaomi peilt nur noch 95 Millionen Geräte an, nach 170 Millionen im Jahr 2025.
  • Das Analysehaus Omdia erwartet einen Rückgang der Verkäufe von Smartphones unter 400 Dollar um 22 Prozent.
  • Bei den billigsten Modellen machen Speicherkomponenten inzwischen bis zu 64 Prozent der Herstellkosten aus.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) sieht darin ein strukturelles Problem. Solange die HBM-Nachfrage nicht nachlasse, bleibe der Kostendruck bestehen. Qualcomm steckt damit zwischen zwei Fronten: teure Zukäufe für die Zukunft und ein margenschwaches Kerngeschäft.

Marktlage und Ausblick

Die Aktie notiert 25 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 222,90 Euro. Der 50-Tage-Durchschnitt von 180,95 Euro liegt 7,85 Prozent über dem aktuellen Kurs. Analysten bleiben vorsichtig optimistisch. Goldman Sachs rät zum Halten. Benchmark peilt dagegen ein Kursziel von 300 Dollar an mit Verweis auf Qualcomms Edge-KI-Strategie. Der durchschnittliche Analyst sieht die Aktie bei 220,45 Dollar.

Am 28. Juli 2026 legt Qualcomm die nächsten Quartalszahlen vor. Analysten rechnen mit einem Gewinn je Aktie von 2,21 Dollar bei Umsätzen von 9,67 Milliarden Dollar. Ob das Automobilgeschäft (plus 38 Prozent im Vorquartal) und das IoT-Segment (plus 9 Prozent) den Druck im Kerngeschäft abfedern können, wird sich dann zeigen.

Apple hat zudem einen Milliarden-Deal mit Broadcom über RF-Komponenten geschlossen. Das könnte Qualcomms Lieferbeziehung zum wichtigsten Kunden nachhaltig verändern.

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