Qualcomm Aktie: Smartphone-Auslieferungen um 25 Prozent eingebrochen

Qualcomm verfehlt Gewinnerwartungen wegen schwacher Handy-Nachfrage und Speicherkrise. Der Konzern setzt auf KI-Chips und Automotive, Analysten sehen Kurspotenzial.

Auf einen Blick:
  • Gewinnprognose im dritten Quartal verfehlt
  • Smartphone-Chip-Auslieferungen brechen weltweit ein
  • KI-Prozessoren wachsen um 24 Prozent
  • Automotive- und IoT-Umsatz soll bis 2029 steigen

Der Halbleiterkonzern Qualcomm hat die Gewinnerwartungen für das dritte Quartal verfehlt und kämpft mit einer deutlichen Abkühlung im Smartphone-Sektor. Während das Kerngeschäft mit Mobilfunk-Chipsätzen unter einer globalen Speicherkrise leidet, setzt das Management auf eine beschleunigte Diversifizierung in den Bereichen Automotive und künstliche Intelligenz.

Trotz der aktuellen Zahlen gab sich das Unternehmen am Dienstag optimistisch und signalisierte, dass die Talsohle im laufenden Zyklus bald erreicht sein dürfte.

Einbruch im Kerngeschäft und globale Speicherkrise

Die jüngsten Geschäftszahlen spiegeln die schwierigen Rahmenbedingungen auf dem Mobilfunkmarkt wider. Insbesondere der Handy-Umsatz wurde durch anhaltende Speicherprobleme und einen geringeren Anteil an Modems für den bevorstehenden Start neuer iPhone-Modelle geschwächt.

Laut Daten des Marktforschungsunternehmens Counterpoint brachen die weltweiten Auslieferungen von Smartphone-Prozessoren im ersten Halbjahr 2026 um 15 Prozent ein. Qualcomm verzeichnete in diesem Zeitraum gemeinsam mit dem Wettbewerber MediaTek sogar einen Rückgang der Auslieferungen von mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zusätzlicher Druck entstand durch die massiven Preissteigerungen bei Speicherbausteinen, die sich im zweiten Quartal 2026 im Jahresvergleich mehr als vervierfachten.

Für das Gesamtjahr 2026 wird branchenweit mit einem Rückgang der Chip-Auslieferungen um 14 Prozent gerechnet, wobei das Einstiegssegment mit einem Minus von 30 Prozent besonders stark betroffen ist. Ein Lichtblick bleibt hingegen das Segment der KI-fähigen Prozessoren (GenAI SoC), das im ersten Halbjahr ein Wachstum von 24 Prozent erzielen konnte.

KI-Fortschritte und Expansion in neue Märkte

Um die Abhängigkeit vom volatilen Smartphone-Markt zu verringern, forciert Qualcomm die Expansion in neue Technologiefelder. Bis zum Jahr 2029 strebt der Konzern einen kombinierten Umsatz von 22 Milliarden US-Dollar in den Sparten Automotive und Internet of Things (IoT) an.

Besonders im Bereich der künstlichen Intelligenz direkt auf dem Endgerät meldete das Unternehmen gestern Fortschritte: Das Open-Weight-Modell „Muse Glimmer“ von Meta wurde speziell für Snapdragon-Chips optimiert, um komplexe KI-Anwendungen ohne Cloud-Anbindung zu ermöglichen.

Diese technologische Entwicklung ist Teil einer umfassenderen Strategie, Qualcomm als führenden Anbieter für Edge-Computing zu positionieren. Während traditionelle Märkte stagnieren, gewinnen spezialisierte Lösungen für die Automobilindustrie an Bedeutung, wo die Nachfrage nach leistungsstarken Rechenplattformen für Fahrerassistenzsysteme und digitale Cockpits trotz der allgemeinen Marktschwäche stabil bleibt.

Analysten sehen Unterbewertung trotz technischer Hürden

An der Börse wird die Aktie aktuell mit gemischten Gefühlen betrachtet. Das Papier notiert heute bei 143,02 Euro und konnte damit ein leichtes Plus von 1,03 Prozent verbuchen.

Dennoch zeigt die mittelfristige Tendenz eine gewisse Schwäche: Der Kurs liegt derzeit 2,01 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 145,95 Euro, was technisch orientierte Anleger zur Vorsicht mahnt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 222,90 Euro ist der Titel mit einem Abschlag von 35,84 Prozent weit entfernt.

Analysten werten die aktuelle Situation jedoch teilweise als Chance. Medienberichten zufolge liegt ein berechneter fairer Wert für die Aktie bei etwa 196,27 US-Dollar, was deutlich über dem jüngsten Schlusskurs an der Nasdaq von 162,68 US-Dollar rangiert. Marktexperten von Traders Union erwarten für die nähere Zukunft eine Handelsspanne zwischen 156,40 und 167,83 US-Dollar.

Ob die angekündigte Erholung im zweiten Halbjahr tatsächlich eintritt, wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell sich die Lieferketten für Speicherkomponenten stabilisieren und ob die neuen KI-optimierten Chipsätze die schwache Nachfrage im Einstiegssegment kompensieren können.

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