Jahrelang dominierte Qualcomm den Smartphone-Markt. Jetzt treibt der Chipentwickler seine Technologie massiv in Fabriken, Autos und Konferenzräume. Edge-KI lautet die neue Strategie. Das Ziel: neue Umsatzquellen abseits der schwankenden Handynachfrage.
Konferenzräume und Ölbohranlagen
Der jüngste Vorstoß zeigt sich bei konkreter Hardware. Primax Electronics baut seine neue Videokonferenz-Plattform rund um Qualcomms Dragonwing-Prozessor. Das System verarbeitet Video und Audio durch Künstliche Intelligenz direkt im Gerät. Cloud-Verbindungen werden dadurch zweitrangig.
Parallel dazu zielt Qualcomm auf die Schwerindustrie. Der Energiedienstleister SLB integriert die stromsparenden Chips in seine Anlagen. So werten Bohrinseln und Produktionsstätten ihre Daten künftig in Echtzeit aus. Dort sind stabile Internetverbindungen oft Mangelware. Lokale Rechenpower löst genau dieses Problem.
Autos fahren selbstständig
Auch auf der Straße wächst die Präsenz. Der Entwickler QCraft demonstrierte diese Woche ein städtisches Autopilotsystem in Serienfahrzeugen. Unter der Haube arbeitet Qualcomms SA8650P-Plattform. Die weltweite Auslieferung startet noch im Jahr 2026.
Diese Strategie liefert bereits erste Zahlen. Im April meldete Qualcomm für das zweite Geschäftsquartal einen Umsatz von 10,6 Milliarden US-Dollar. Besonders auffällig: Die kombinierten Erlöse aus dem Auto- und IoT-Geschäft kletterten im Jahresvergleich um 20 Prozent.
Hohe Schwankungen prägen den Kurs
An der Börse reagieren Investoren nervös auf den Wandel im Halbleitersektor. Die Aktie beendete die Woche am Freitag mit einem Kurssprung von 4,32 Prozent auf 182,86 Euro. Dennoch steht auf Wochensicht ein leichtes Minus auf der Anzeigetafel.
Der Markt preist Technologiewerte derzeit aggressiv neu ein. Das zeigt die extrem hohe Volatilität der Aktie in den vergangenen dreißig Tagen.
Langfristig hält der Aufwärtstrend. Seit Jahresbeginn verbucht das Papier ein solides Plus von knapp 24 Prozent. Vom Ende Mai erreichten 52-Wochen-Hoch bei 222,90 Euro ist der Kurs jedoch spürbar entfernt.
Fällt der Wert weiter, bietet der 50-Tage-Durchschnitt bei 158,82 Euro ein wichtiges Auffangnetz. Fundamental muss Qualcomm in den kommenden Monaten beweisen, dass die neuen Industriepartnerschaften handfeste Gewinne abwerfen.
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