Qualcomm greift an zwei Fronten gleichzeitig an — und beide Züge zielen auf dasselbe Ziel: die Abhängigkeit vom stagnierenden Smartphone-Markt zu brechen.
Der wichtigste Schachzug kam heute: Qualcomm kauft das KI-Startup Modular in einem reinen Aktientausch. Der Deal hat einen Wert von knapp 3,92 Milliarden Dollar, Qualcomm gibt dafür bis zu 19,2 Millionen eigene Aktien aus. Abschluss ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Warum Modular — und warum jetzt?
Modulars Software führt KI-Modelle aus, sogenannte Inferenz-Workloads. Genau hier hat Nvidia bislang das Terrain dominiert — nicht nur mit Chips, sondern vor allem mit CUDA, seiner Software-Plattform, die Millionen Entwickler an Nvidias Ökosystem bindet. Qualcomm greift diesen Softwaregraben frontal an. Für Datenzentren hat das Unternehmen bereits eigene Prozessoren in der Pipeline, Auslieferungen sind noch für 2026 vorgesehen.
Hinzu kommt ein zweiter Hebel: Qualcomm verhandelt mit ByteDance über maßgeschneiderte Halbleiter. Konkret geht es offenbar um Videoprozessoren, die ByteDance bis Ende 2026 in Serie produzieren lassen möchte. Die Gespräche basieren teils auf Technologie von AlphaWave Semi — einem Spezialisten für Hochgeschwindigkeits-Konnektivität, den Qualcomm 2025 übernommen hatte.
Das strategische Bild
Der ByteDance-Deal ist noch nicht abgeschlossen — drei Insider betonten, der Ausgang sei offen. ByteDance könnte andere Partner wählen. Dennoch zeigt das Gespräch, dass US-Technologieunternehmen trotz geopolitischer Reibung weiterhin im chinesischen Markt aktiv bleiben wollen.
Der Kontext erklärt die Dringlichkeit. Die globalen Smartphone-Lieferungen dürften 2026 den stärksten Rückgang seit Jahren verbuchen, Speicherchip-Preise belasten die Hersteller. Qualcomm, als weltgrößter Lieferant von Smartphone-Modemchips, spürt den Druck direkt.
Mit Modular und dem möglichen ByteDance-Auftrag positioniert sich das Unternehmen neben Broadcom und Marvell im ASIC-Markt — Chips, die Kunden für spezifische Aufgaben maßschneidern lassen. Ob das reicht, um Nvidias Softwarewelt ernsthaft herauszufordern, wird sich zeigen, sobald Modular tatsächlich unter Qualcomms Dach integriert ist.
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