Qualcomm vollzieht eine strategische Kehrtwende, um die massiven Umsatzverluste im Geschäft mit Apple aufzufangen. Das Unternehmen setzt künftig verstärkt auf künstliche Intelligenz und Rechenzentren, wobei eine am Dienstag vereinbarte Partnerschaft mit Amazon Web Services (AWS) eine zentrale Rolle spielt. Dieser Deal hat ein potenzielles Transaktionsvolumen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar über eine Laufzeit von zehn Jahren.
Großauftrag aus der Cloud-Sparte
Die Kooperation mit AWS sieht die Lieferung spezieller KI-Chips für Amazon-Rechenzentren vor. Um die Partnerschaft abzusichern, wurden Optionsscheine für 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Preis von 161,26 US-Dollar ausgegeben. Diese Warrants sind eng an den Erfolg der Geschäftsbeziehung geknüpft. Erste Umsätze aus diesem Abkommen werden bereits für das im Dezember endende Quartal erwartet.
Das Management verfolgt ehrgeizige Ziele für den Ausbau der Infrastruktur-Sparte. Im Geschäftsjahr 2027 soll der Umsatz im Bereich Data Center bereits 5 Milliarden US-Dollar erreichen, bis 2029 wird eine Steigerung auf 15 Milliarden US-Dollar angestrebt. Insgesamt plant das Unternehmen, die Erlöse außerhalb des Smartphone-Segments bis zum Jahr 2029 auf rund 40 Milliarden US-Dollar zu steigern.
Apple-Rückzug hinterlässt deutliche Spuren
Diese Neuausrichtung ist notwendig, da Qualcomm mit einem erheblichen Rückgang im angestammten Geschäft mit Modem-Chips konfrontiert ist. Berichten zufolge will Apple die bisher von Qualcomm bezogenen Komponenten durch Eigenentwicklungen ersetzen. Für das am Ende des Jahres stehende Quartal wird erwartet, dass der Umsatzbeitrag von Apple um etwa 50 Prozent einbricht.
Analysten beobachten diesen Übergang genau. Während die Experten von Piper Sandler die Aktie derzeit mit einer „Hold“-Empfehlung einstufen, wächst bei anderen Marktteilnehmern die Zuversicht hinsichtlich der Diversifizierung. Besonders die Neupositionierung als Anbieter für KI-Beschleuniger steht dabei im Fokus der Anleger.
Rekordwerte im Automobilsektor und neue KI-Technik
Neben dem Cloud-Bereich zeigt sich das Automobilsegment als stabiler Wachstumstreiber. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 kletterte der Umsatz in diesem Bereich um 61 Prozent auf den Rekordwert von knapp 1,6 Milliarden US-Dollar. Qualcomm profitiert hier von der zunehmenden Vernetzung und den steigenden Anforderungen an Rechenleistung in modernen Fahrzeugen.
Parallel dazu treibt das Unternehmen die technische Entwicklung voran. Am Donnerstag stellte Qualcomm die neue Generation seiner Hexagon-NPU vor, die speziell auf die Verarbeitung von Transformer-Modellen optimiert ist.
Die neue Architektur bietet 50 Prozent mehr gemeinsamen Speicher und soll die Geschwindigkeit bei bestimmten KI-Rechenprozessen laut Herstellerangaben um die Hälfte steigern. Weitere Details hierzu werden auf dem Snapdragon Summit erwartet, der vom 22. bis 24. September auf Hawaii stattfindet.
An der Börse wurde die strategische Partnerschaft positiv aufgenommen. Die Aktie beendete den Handel am gestrigen Freitag bei 156,96 Euro, was einem Tagesplus von 3,1 Prozent entspricht. Damit notiert das Papier aktuell rund 7,8 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 145,59 Euro.
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