Qualcomm will weg vom reinen Smartphone-Image. Auf dem Investor Day präsentierte der Chip-Riese ambitionierte Wachstumsziele bis zum Ende des Jahrzehnts. Die Börse reagierte jedoch mit einem herben Ausverkauf auf die langfristigen Pläne.
Strategiewechsel: Angriff auf den Datenmarkt
Bis 2029 plant Qualcomm einen Umsatzsprung auf 40 Milliarden US-Dollar außerhalb des Smartphone-Geschäfts. Bisher lag das Ziel bei 22 Milliarden Dollar. Das Management setzt dabei vor allem auf Rechenzentren. Dieser Bereich soll bis Ende des Jahrzehnts über 15 Milliarden Dollar beisteuern.
Parallel dazu wächst das Geschäft mit der Automobilindustrie. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Sektor einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 38 Prozent zum Vorjahr. Langfristig soll dieser Bereich jährlich mehr als 10 Milliarden Dollar einbringen.
Das Management peilt für 2029 einen bereinigten Gewinn von über 18 US-Dollar je Aktie an. Marktbeobachter rechneten bisher im Schnitt lediglich mit rund 15 Dollar.
Neue Hardware und Milliarden-Zukauf
Technologisch rüstet Qualcomm mit der neuen Dragonfly C1000 CPU auf. Meta hat bereits einen Vertrag für die Architektur unterzeichnet. Microsoft nutzt künftig Qualcomms Verbindungstechnologie für seine Cloud-Plattform Azure. Allerdings startet die Massenproduktion der neuen Chips erst in der zweiten Jahreshälfte 2028.
Zur Software-Offensive gehört die Übernahme des Start-ups Modular für knapp vier Milliarden Dollar. Qualcomm bezahlt den Deal komplett mit eigenen Aktien. Dafür gibt der Konzern rund 19,2 Millionen neue Anteile aus. Das Unternehmen will so die Dominanz von Nvidia bei der KI-Programmierung brechen.
Kurssturz nach Analysten-Votum
Die Reaktion der Anleger fiel am Freitag heftig aus. Die Aktie verlor über acht Prozent und schloss bei 165,74 Euro. Innerhalb einer Woche summierten sich die Verluste auf rund 16 Prozent.
Technisch hat sich das Bild eingetrübt. Das Papier rutschte unter den wichtigen 50-Tage-Durchschnitt von 173,76 Euro. Die Investmentbank Barclays stufte den Titel derweil auf „Underweight“ herab. Die Analysten nannten ein Kursziel von 130 US-Dollar.
Sie verwiesen auf den schwächelnden Smartphone-Markt. Dort wuchs der Umsatz zuletzt nur noch um drei Prozent. Hinzu kommt, dass es Jahre dauert, bis die neuen KI-Produkte nennenswerte Gewinne abwerfen.
Qualcomm muss nun beweisen, dass die Strategie aufgeht. Die hohe Volatilität von über 80 Prozent spiegelt die Skepsis des Marktes wider. Nächster Fixpunkt für die Bewertung sind die künftigen Auslieferungszahlen der neuen Chip-Generation.
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