Citi sieht bei Prysmian vor den Quartalszahlen eine Kaufgelegenheit. Die Bank nahm die Analyse gestern mit der Empfehlung „Buy“ und einem Kursziel von 136 Euro wieder auf. Ihr zentraler Punkt: Die Einbeziehung von Atkore könnte eine höhere Ergebnisprognose ermöglichen, während Sorgen um Rechenzentrumsinvestitionen die Bewertung belasten.
Damit richtet sich der Blick auf die Frage, ob die Geschäftsentwicklung die Nervosität der Anleger rechtfertigt. Citi hält die jüngsten Bewertungsabschläge trotz kurzfristiger Unsicherheit bei Investitionen in künstliche Intelligenz und Rechenzentren für eine Einstiegschance.
Die Empfehlung begleitete gestern eine deutliche Erholung: Prysmian gewann 4,1% und schloss bei 103,30 €. Entscheidend für die weitere Einordnung werden nun die angekündigten Geschäftszahlen und der Ausblick des Unternehmens.
Atkore könnte die Prognose anheben
Prysmian veröffentlicht am Donnerstag seine Quartalsergebnisse. Citi erwartet dabei eine Anhebung der Prognose für das bereinigte EBITDA 2026 auf 2,95–3,00 Milliarden Euro. Das ist eine Analystenerwartung, keine bereits bestätigte Unternehmensprognose.
Die Bank stützt ihre Einschätzung sowohl auf die operative Entwicklung als auch auf die abgeschlossene Atkore-Übernahme. Der Zukauf verändert damit nicht nur die Größenordnung des Konzerns, sondern auch die Grundlage der Gewinnschätzungen.
Laut Citi erhöht Atkore den Pro-forma-Konzernumsatz um rund 13 Prozent. Als Managementziel nennt die Bank zudem 150 Millionen Dollar an Vorsteuer-Kosteneinsparungen und zusätzlichen Verkäufen bis Ende 2029.
Für Anleger kommt es deshalb darauf an, wie Prysmian den Beitrag der Übernahme im Ausblick berücksichtigt. Eine höhere Prognose wäre zunächst ein Signal für das erwartete Ergebnisniveau. Die Umsetzung der angestrebten Einsparungen und zusätzlichen Verkäufe bleibt davon zu unterscheiden.
Rechenzentren prägen die Risikodebatte
Citi zufolge entfällt auf Rechenzentren ein hoher einstelliger Prozentsatz des Konzernumsatzes. Die Bank sieht einen weiteren Rückgang der Investitionen in diesem Bereich dennoch als wesentliches Risiko. Der begrenzte direkte Umsatzanteil beseitigt die Unsicherheit über die künftige Nachfrage somit nicht.
Die positive Empfehlung beruht also nicht darauf, dass Citi die Risiken ausblendet. Vielmehr hält das Haus die Bewertung trotz dieser Belastung für attraktiv. Für die Einordnung der Quartalszahlen sind deshalb neben dem Ergebnis auch Aussagen zur Nachfrage und zur weiteren Geschäftsentwicklung wichtig.
Langfristige Ziele als nächster Prüfstein
Über den unmittelbar bevorstehenden Bericht hinaus prognostiziert Citi für 2030 ein EBITDA von 5,2 Milliarden Euro. Das entspricht nach Einschätzung der Bank einem durchschnittlichen jährlichen EBITDA-Wachstum von 16 Prozent im betrachteten Prognosezeitraum.
Ein möglicher nächster Impuls ist der im ersten Halbjahr 2027 erwartete Kapitalmarkttag. Dort könnten nach Einschätzung von Citi weitere Angaben zu den längerfristigen Ergebniszielen folgen. Auch neue Glasfaserverträge und eine mögliche US-Notierung nennt die Bank als potenzielle Kurstreiber.
Kurzfristig bleibt jedoch der Donnerstag der entscheidende Termin. Die Kaufempfehlung liefert eine optimistische Bewertungsthese; die Quartalszahlen müssen zeigen, ob operative Entwicklung und Atkore-Beitrag die erwartete Prognoseanhebung tragen. Davon hängt ab, wie belastbar die jüngste Erholung fundamental unterlegt ist.
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