ProSiebenSat.1 Aktie: EBITDA verdoppelt Analystenschätzung

ProSiebenSat.1 meldet überraschend starkes Quartals-EBITDA von 80 Mio. Euro und bestätigt trotz Werbemarktflaute die Jahresziele.

Auf einen Blick:
  • EBITDA steigt auf 80 Mio. Euro
  • Analystenprognosen deutlich übertroffen
  • Umsatz sinkt um neun Prozent
  • Jahresausblick bleibt unverändert

Operatives Ergebnis übertrifft Analystenschätzungen

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat im zweiten Quartal 2026 eine überraschende Kehrtwende bei der Profitabilität vollzogen. Wie aus Unternehmensberichten hervorgeht, stieg das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) im Zeitraum von April bis Juni auf 80 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern hier noch einen Verlust von 22 Millionen Euro verbucht. Mit diesem Ergebnis übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten deutlich, die im Schnitt mit lediglich 40 Millionen Euro gerechnet hatten.

Für das gesamte erste Halbjahr 2026 beläuft sich das EBITDA damit auf 124 Millionen Euro. Dies entspricht einer Verbesserung um 152 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem ein Minus von 28 Millionen Euro in den Büchern stand. Der Umsatz war hingegen rückläufig und sank im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 768 Millionen Euro. Auf organischer Basis, also bereinigt um Portfolioveränderungen und Währungseffekte, betrug der Rückgang lediglich 2 Prozent. Insgesamt wurden bereits sechs Unternehmen verkauft, um die Konzernstruktur zu verschlanken und die Verschuldung zu senken.

Werbemarkt schwächelt – Neues Format soll gegensteuern

Die positive Gewinnentwicklung steht im Kontrast zu einem weiterhin schwierigen Marktumfeld für TV-Werbung. Laut Medienberichten sanken die entsprechenden Erlöse im zweiten Quartal um 10 Prozent auf 291 Millionen Euro. Das Unternehmen versucht, diese Schwäche durch Wachstum im Digitalbereich und innovative Vermarktungsmodelle aufzufangen. So verzeichnete die Streaming-Plattform Joyn Zuwächse bei den zahlenden Abonnenten (SVoD) von 20 Prozent, während die werbefinanzierten Abrufe (AVoD) um 8 Prozent zulegten.

Um die Reichweite der klassischen linearen Sender besser auszuschöpfen, startete der Vermarkter Seven.One Media am heutigen Donnerstag ein neues Format namens „ALL21 Roadblocking“. Dabei werden jeden Donnerstag um 21 Uhr auf sieben Sendern der Gruppe – darunter ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins – zeitgleich identische Werbespots ausgestrahlt. In einer 60-sekündigen Werbeinsel werden maximal drei Spots platziert. Das Modell, das bereits in Italien und Spanien erfolgreich erprobt wurde, konnte mit dem Handelsunternehmen Rewe bereits einen prominenten Startkunden gewinnen. Auch Mitsubishi nutzt das neue Angebot bereits für seine Kampagnen.

Marktreaktion und bestätigte Jahresziele

Anleger reagierten positiv auf die vorgelegten Zahlen und die Fortschritte bei der Kosteneffizienz. Die Aktie von ProSiebenSat.1 stieg heute um 7,05 Prozent und notiert aktuell bei einem Kurs von 3,83 Euro. Damit setzt das Papier die Erholung der letzten Wochen fort und liegt nun 16,86 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 3,27 Euro. Dennoch bleibt die langfristige Entwicklung herausfordernd, da der Wert seit Beginn des Jahres noch immer deutlich im Minus notiert.

Trotz der schwierigen Bedingungen am TV-Markt bestätigt das Management den Ausblick für das Gesamtjahr 2026. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem leichten organischen Umsatzwachstum und einem hohen Anstieg des bereinigten EBITDA. Der Verschuldungsgrad, gemessen am Verhältnis der Nettofinanzverbindlichkeiten zum EBITDA, soll am Jahresende zwischen dem 3,0- und 3,5-fachen liegen. Wie das Handelsblatt berichtet, machen sich die harten Sparmaßnahmen und der Umbau der Gruppe zunehmend in den Bilanzen bemerkbar, während die Abhängigkeit vom volatilen Werbegeschäft durch den Ausbau der digitalen Angebote reduziert werden soll.

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