Rund 160 Millionen Euro nahm Poste Italiane gestern in die Hand, um die Beteiligung am Telekomkonzern TIM über direkte Zukäufe an der Börse auszubauen.
Nach dem vorangegangenen Übernahme- und Tauschangebot stockte der Konzern seinen Anteil um gut einen Prozentpunkt von 85,82 Prozent auf 86,95 Prozent des Aktienkapitals auf. Mit diesem Schritt rückt eine wichtige Schwelle für die künftige Konzernstruktur näher: das Delisting des italienischen Telekommunikationsanbieters.
Zukäufe unter dem Niveau der Übernahmeofferte
Die Zukäufe an der Börse erfolgten zu Kursen zwischen 6,57 Euro und knapp unter 6,65 Euro je Aktie. Damit nutzte der Konzern die Marktschwäche der TIM-Papiere gezielt aus.
Poste Italiane bezifferte die Ersparnis im Vergleich zu den Konditionen des ursprünglichen Angebots auf rund 17 Millionen Euro beziehungsweise etwa 13 Prozent. Insgesamt hält das Unternehmen nun 1.857.060.167 TIM-Stammaktien. Vor dem Übernahmeangebot hatte der Anteil bereits bei 20,104 Prozent gelegen.
Die Aktie von Poste Italiane reagiert heute verhalten auf den fortgesetzten Ausbau und notiert bei 24,51 Euro, was einem leichten Plus von 0,3 Prozent entspricht. Auf Sicht von zwölf Monaten verzeichnet das Papier damit einen Zuwachs von 22 Prozent.
Marschrichtung auf die 90-Prozent-Marke
Hinter den Zukäufen steht eine klare Absicht: Poste Italiane peilt die Marke von 90 Prozent des Aktienkapitals an. Wird dieses Niveau überschritten, eröffnet sich der Weg zu einem Squeeze-out der verbliebenen Minderheitsaktionäre und einem anschließenden Rückzug von der Börse. Sollte die Beteiligung sogar auf 95 Prozent steigen, griffe ein automatischer Ausschluss der restlichen Anteilseigner.
Das Unternehmen betonte, bei attraktiven Marktpreisen weiter zugreifen zu wollen, wenngleich für die vollständige Dekotierung kein unmittelbarer Zeitdruck bestehe. Allerdings gelten klare finanzielle Leitplanken: Für einen Zeitraum von sechs Monaten ab dem heutigen Freitag darf Poste Italiane keine TIM-Aktien unter dem Niveau von 6,65 Euro je Anteilsschein erwerben.
Integration ohne Verlust der Eigenständigkeit
Bereits am Mittwoch hat Poste Italiane die Leitung und Koordinierung bei TIM übernommen. Die strategische Ausrichtung sowie die Industrie- und Managementpolitik beider Unternehmen werden nun eng miteinander verzahnt. Größere geschäftliche Transaktionen bei TIM werden vorab durch Poste geprüft, zudem soll der Verwaltungsrat von TIM vor weichenstellenden Entscheidungen die Führung des Mehrheitseigentümers einbinden.
Trotz dieser engen Verzahnung bleiben TIM und die dazugehörigen Tochtergesellschaften rechtlich eigenständig. Auf operativer Ebene verspricht sich Poste Italiane erhebliche Effekte aus dem Zusammenschluss: Im Regelbetrieb werden jährliche Synergien von rund 700 Millionen Euro angestrebt. Die Auszahlung an die Aktionäre aus der Wiedereröffnung des Angebots war planmäßig für den heutigen Freitag vorgesehen.
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